„Look Into The Future“ in BurghausenDieses Festival hat Zukunftsvisionen

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Nik Bärtsch ist bekannt für seine Grenzgänge zwischen Neuer Musik, Jazz und Global Pop.
Nik Bärtsch ist bekannt für seine Grenzgänge zwischen Neuer Musik, Jazz und Global Pop.
Christian Senti

Die siebte Ausgabe des Burghauser „Look Into The Future“-Festivals führt wieder Künstler aller Genres zusammen. Und auch über die künstliche Intelligenz wird nachgedacht.

Von Oliver Hochkeppel

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Nach der Umwidmung zur Biennale musste man ein Jahr länger warten. Aber am Pfingstwochenende steigt nun die 7. Ausgabe des „Look Into The Future“-Festivals in Burghausen. Ein besonderes Festival in vielerlei Hinsicht. Vor allem, weil es interdisziplinär und genreüberschreitend ist. Dafür stehen schon seine Macher: Die Brüder Cornelius Claudio und Johannes Tonio Kreusch haben ihre so unterschiedlichen Karrieren als Jazzpianist und klassischer Gitarrist schon seit Langem in vielen Projekten als Künstler wie als Veranstalter zusammengeführt – mitunter auch inspiriert und unterstützt von ihrer Schwester Carolina Camilla Kreusch, einer renommierten bildenden Künstlerin und Kunstprofessorin.

So sind nicht nur die Programmpunkte an sich genreübergreifend, so gut wie jede Veranstaltung sucht den kreativen Austausch unterschiedlicher Künste und Künstler, fast alle sind sie dementsprechend Uraufführungen oder einmalige Vorstellungen. Dabei beschäftigt sich „Look Into The Future“ außerdem stärker als andere Festivals mit Raum und Zeit als Vorgaben künstlerischen Schaffens. Das Kloster Raitenhaslach als gewissermaßen interne „Festivalzentrale“ ist ein ebenso außergewöhnlicher Spielort wie das Ankerkino, die Studienkirche oder der Stadtsaal. In ihnen verbinden sich automatisch die Ästhetik des 18. und 19. Jahrhunderts sowie die der Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts mit der Gegenwart. Um im besten Fall den Blick auf die Zukunft zu eröffnen.

Bestes Beispiel dafür ist die schon traditionelle Stummfilm-Live-Vertonung im Ankersaal, stets ein Höhepunkt des Festivals. Dafür suchten sich die Kreusch-Brüder diesmal den Dokumentarfilm „Wunder der Schöpfung“ aus dem Jahr 1925 aus, eine fantastische Reise durchs Universum mit damals bahnbrechenden und neuartigen Spezialeffekten und Animationen. Und engagierten für den Live-Soundtrack den mehrfach Grammy-nominierten Postgenre-Komponisten, Performancekünstler, Multiinstrumentalisten und Produzenten PC Nackt aus Berlin. Für den Mann, der unter anderem fünf Jahre in der Band von Nena saß, mit Bands wie Apparat ganz oben in den Charts stand und Soundtracks für Wim Wenders („Land of Plenty“) oder die legendäre Fernsehserie „Breaking Bad“ schrieb, ist es zugleich eine Reise zu den Wurzeln, wuchs er doch einst in Burghausen auf (23.5., 17 Uhr).

Und schon zur Eröffnung schreibt das Festival seine eigene Geschichte weiter. Aus dem Auftritt des wohl prominentesten Experimentalgitarristen Fred Frith vor zwei Jahren ergab sich seinerzeit spontan eine Zusammenarbeit mit den Kreusch-Brüdern. Das daraus entstandene, zum Festival auch als Album veröffentlichte Projekt „Pink / Neon“ wird nun in zwei Teilen als Klanginstallation mit Tanz-Performance von Dario Wilmington uraufgeführt. Zunächst „Neon“ am Freitag, 22. Mai, um 19.15 Uhr im Ankersaal, dann „Pink“ am Samstag, 23. Mai, um 11 Uhr in der Studienkirche.

Eine Welterkundung in sieben Rätseln präsentiert das Figurentheater Wilde & Vogel – für alle ab sechs Jahren.
Eine Welterkundung in sieben Rätseln präsentiert das Figurentheater Wilde & Vogel – für alle ab sechs Jahren.
Thilo Neubacher

Der Freitag wird komplettiert durch „World Music Drum“: Der Perkussionist Mohammad Reza Mortazavi gibt ein „Polyphonic Solo“ an persischer Tombak und Daf (22.5., 20.30 Uhr). Am Samstagnachmittag um 14 Uhr zeigt das preisgekrönte Leipziger Figurentheater Wilde & Vogel im Ankersaal sein Stück „Überall & Unterall“, eine Welterkundung mit sieben Rätseln für alle ab sechs Jahren. Abends ist dann im Stadtsaal als vielleicht prominentester Gast der Schweizer Pianist Nik Bärtsch zu sehen, lange ECM-Künstler und für seine perkussiv-meditativen Grenzgänge zwischen Neuer Musik, Jazz und Global Pop berühmt.

Der Sonntag schließlich steht im Kloster Raitenhaslach ganz im Zeichen der Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz.  Zunächst beleuchtet der Philosoph, Cembalist und Komponist Rolf Basten in einem Vortrag unter dem Titel „Menschliche Intelligenz vs. Künstliche Intelligenz in der Musik“ mit vielen Musikbeispielen das Verhältnis zwischen natürlich, künstlich und künstlerisch und geht auf dieser Basis der Frage nach, ob KI Chance oder Gefahr bedeutet. Anschließend erforschen Andreas Kolinski und Michael Wirtz (aka Monokompatibel) in einer performativen Konzert-Lecture, wie Mensch und Maschine im kreativen Prozess interagieren können. Wie immer gibt es nach jeder Veranstaltung ein Künstler-Gespräch.

Look Into The Future, 22. bis 24. Mai, Burghausen, lookintothefuture.burghausen.de

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