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Lokalmagazin "Da Hog'n":Online ausm Woid

Anstatt aus der Provinz zu flüchten, wie viele junge Journalisten, gründen Stephan Hörhammer und Dike Attenbrunner das Internetmagazin "Da Hog'n" - im Vertrauen darauf, dass gute Geschichten aus Niederbayern ihren Weg immer finden.

Christiane Lutz

Der Holzstecken, in dem einst Nachrichtenzettel von Haus zu Haus wanderten, stand Pate für den Namen des Onlinemagazins. In Da Hog'n wollen Dike Attenbrunner und Stephan Hörhammer Lokaljournalismus so betreiben, wie es ihnen richtig erscheint - und Spaß macht.

(Foto: Georg Knaus/oh)

Stephan Hörhammer und Dike Attenbrunner schlafen nicht besonders viel in diesen Wochen. Ihren Gesichtern ist das auch anzusehen, die Ringe um ihre Augen sind schon recht tief. Aber so ist das eben, wenn man ein Großprojekt auf den Weg bringt. Vor allem, wenn einem dieses Projekt sehr am Herzen liegt.

Da mag es im Bayerischen Wald, wo Hörhammer und Attenbrunner gerade ihre Träume verwirklichen, noch so geruhsam zugehen. Die beiden sind Journalisten, ihr Projekt heißt Da Hog'n, Untertitel: "Onlinemagazin ausm Woid". Von Waldlern für Waldler - aber sehr ambitioniert.

Hörhammer und Attenbrunner, 32 und 30 Jahre alt, sind zusammen zur Schule gegangen und haben sich im vergangenen Januar zufällig wiedergetroffen. Beide waren inzwischen Journalisten geworden - unzufriedene Journalisten. Für Hörhammer war die Arbeit als Lokalredakteur bei der Südostbayerischen Rundschau wie ein Beamtenjob: "Ich fühlte mich wie eine Müllfiltermaschine, die schlechte Meldungen zu einigermaßen lesbaren Texten verarbeitet", sagt er. Dike Attenbrunner, gebürtige Holländerin, schlug sich als freie Journalistin im Bayerwald durch.

Die Unterhaltung der beiden nach zehn Jahren Funkstille lief etwa so ab: Stephan: "Und, wie schaut's bei dir so aus?" Dike: "Jo mei, so als Freie im Lokalteil Freyung-Grafenau . . . bei dir?" "Jo mei . . ."

Am selben Abend beschlossen sie, nicht länger unzufriedene Journalisten zu sein und etwas gemeinsam zu machen, im Internet. Im Juni ging Da Hog'n online. Die beiden wollen Geschichten um der Geschichten willen machen. Lokalnachrichten weiterspinnen, das Büro zum Arbeiten auch mal verlassen. "Vereinsblabla", wie Hörhammer es nennt, gibt es beim Hog'n nicht.

Der 32-Jährige führt durch die Redaktionsräume, besser gesagt durch seine Dreizimmerwohnung in Freyung. Ein acht Quadratmeter großes Büro, vor dem Fenster niederbayerischer Herbst, ein PC, feinsäuberlich gestapelte Zeitungen. Hier arbeitet er, Attenbrunner, die zwei Kinder hat, kommt fast täglich vorbei. Da Hog'n ist in mehr oder weniger klassische Ressorts eingeteilt - mit mehr oder weniger ungewöhnlichen Namen.

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