LKA-Chef:Fremdenfeindlichkeit auf dem Land nimmt zu

  • Dem Bayerischen Landeskriminalamt zufolge radikalisieren sich Teile der Bevölkerung auf den Dörfern, auch dort, wo es bislang keine Auffälligkeiten gab.
  • Bei fremdenfeindlichen Taten liegt Aufklärungsquote bei etwa 15 Prozent.

Der Präsident des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), Robert Heimberger, sieht eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Teilen der Bevölkerung in ländlichen Gebieten. "Wir stellen in allen Bereichen eine Radikalisierung fest - auch in Bereichen, die bisher überhaupt nicht auffällig waren", sagte Heimberger. Die Taten reichten von Schmierereien bis hin zu Molotowcocktails auf geplante Asylbewerberunterkünfte. Gerade hier tappten die Ermittler oft im Dunkeln. Die Aufklärungsquote liege nur bei etwa 15 Prozent.

Die Spurenlage bei fremdenfeindlichen Straftaten sei oft dünn, sagte Heimberger. Die Ansätze für die Ermittlungen beschränkten sich etwa auf Farbe, wie es sie in jedem Baumarkt gebe. Und die Täter seien teilweise Menschen, die vorher noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen seien. "Letztlich haben wir keine Beziehung von Tatobjekt und Täter", erklärte der LKA-Chef. "Hier tun wir uns sehr schwer."

Mehr rechtsextreme Taten - und mehr linksextreme als Reaktion

Die Zahl der Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte hat sich im vergangenen Jahr laut Verfassungsschutzbericht mit mehr als 60 Taten in Bayern fast verdreifacht. Die Zahl rechtsextremer Straftaten stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 20 Prozent auf fast 3000. Die Zahl rechtsextremer Gewalttaten kletterte von 66 auf 91. Zugleich gab es auch mehr linksextremistische Gewalttaten, ihre Zahl stieg von 50 auf 122. Heimberger sagte, er sehe darin auch eine Reaktion auf die rechten Taten.

Der LKA-Chef sieht ebenso wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Versuche islamistischer Gruppierungen, in Asylbewerberunterkünften neue Anhänger anzuwerben. Die Ermittler seien angesichts der gestiegenen Terrorgefahr in Alarmbereitschaft. "Wir gehen jedem noch so kleinen Hinweis nach."

Für eine bessere länderübergreifende Zusammenarbeit sei aber keine eigene europäische Polizei nach dem Vorbild des FBI nötig, wie manche Experten bereits fordern. "Wir brauchen keine neue Monsterbehörde", sagte Heimberger Der LKA-Präsident plädierte aber für einen besseren Zugriff auf polizeiliche Akten anderer Länder.

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