Literaturfestival Frauenzell bei RegensburgMartina Hefter liest im Kloster

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Das beschauliche Kloster Frauenzell wird zur Kulisse für Literaturstars, Poetry Slam und Workshops.
Das beschauliche Kloster Frauenzell wird zur Kulisse für Literaturstars, Poetry Slam und Workshops. Theresa Klinz

Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Martina Hefter, Steven Uhly und Adriana Altaras gehen im Kloster Frauenzell auf Spurensuche. Das Literaturfestival vom 11. bis 13. Juli richtet sich jedoch nicht nur an Bücherbegeisterte.

Von Verena Müller-Baltes

Martina Hefter hat schon an vielen Orten gelesen – aber in einem Kloster? Das Kloster Frauenzell nahe Regensburg ist ein eher ungewöhnlicher Ort für ein Literaturfestival – und Hefter ein Literaturstar, der dort gut hinpassen könnte. Schließlich verband ihr Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ ähnlich unterschiedliche Elemente, wie es dieses Literaturfestival tut. Hefter, die mit diesem Roman den  Deutschen Buchpreis 2024 gewann, schrieb darin von Tanz, digitaler Liebe, Neokolonialismus und dem Leben mit einem schwerkranken Partner. Mit dieser Varianz kann das Literaturfestival mithalten. Jedoch statt auf 224 Seiten innerhalb von drei Tagen: von Freitag, 11. Juli, bis Sonntag, 13. Juli.

Lesung und Gespräch mit Hefter sind für Samstag, 12. Juli, um 19.30 Uhr geplant, gefolgt von einem Streicherduo. Am selben Tag: eine Lesung über historische Romane aus Ostbayern, Poetry Slam, Kinderprogramm und „Plaudern“ mit Klosterbewohnern. Letzteres wirkt fast wie eine kleine Erinnerung an die Besucherinnen und Besucher: „Ja, Sie sind hier bei einem Literaturfestival in einem Kloster.“ Eva Honold, Vize-Vorsitzende vom Veranstalter Schriftstellerverband Ostbayern, führt die Gespräche mit den Klosterbewohnern: „Ihr Zuhause, dieses verträumte Kloster, wird immer mehr zu einem Kulturort. Wie sie das erleben, finde ich spannend.“

Martina Hefter liest im Kloster aus ihrem Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“, mit dem sie im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis gewann. Sie ist im Allgäu aufgewachen und lebt heute in Leipzig.
Martina Hefter liest im Kloster aus ihrem Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“, mit dem sie im vergangenen Jahr den Deutschen Buchpreis gewann. Sie ist im Allgäu aufgewachen und lebt heute in Leipzig. Maximilian Gödecke

Teile des ehemaligen Benediktinerklosters werden von dem Regensburger Medienkünstler Clemens Rudolph in eine Video-Installation verwandelt. „Mapping“ nennt sich das. Wer bei diesem vielfältigen Angebot die Zielgruppe ist? Literaturbegeisterte natürlich – doch nicht ausschließlich. „Es gibt aber auch für Menschen, die noch nicht so viel Kontakt mit Literatur hatten, niederschwellige Angebote“, sagt Honold. Ein Ort der Begegnung für die verschiedensten Menschen solle das Kloster in den drei Tagen sein, das sich zum zweiten Mal nach 2023 für das Literaturfestival öffnet. Was bedeutet: Fast jede und jeder kann und soll sich angesprochen fühlen.

Dabei setzen die Veranstalter auf einige bekannte Namen. Neben Hefter finden sich in Frauenzell unter anderen auch Schriftsteller wie Bernhard Setzwein („Kafkas Reise durch die bucklige Welt“, Samstag, 15 Uhr) oder Steven Uhly ein. Letzterer bespricht am Freitag, 11. Juli, um 19.30 Uhr sein Familienepos „Königreich der Dämmerung“ aus dem Jahr 2014. Seitdem hat der Münchner Autor vier weitere Romane veröffentlicht. Warum also nun eine Lesung zu seinem Werk über drei Familien während des und nach dem Zweiten Weltkrieg? Der Roman passe gut zum diesjährigen Thema des Literaturfestivals: „Spuren suchen“ – genau wie das Kloster als Ambiente.

Bei Adriana Altaras mussten die Veranstalter kein Jahrzehnt zurückspringen, um einen passenden Roman zu finden. Die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin liest am Sonntag um 11 Uhr aus „Besser allein als in schlechter Gesellschaft“ (2023). Von ihr verspricht sich Honold mehr als nur eine Lesung. In ihrem Roman setzt sich Altaras mit der Geschichte ihrer über 100 Jahre alten Tante auseinander, die sowohl die spanische Grippe als auch das KZ überlebte. „Adriana Altaras geht immer auf Spurensuche, auch in ihrer eigenen Familiengeschichte – und sie kann das sehr lebendig darstellen.“

Abends schließt das Festival mit einer offenen Bühne für „unentdeckte Talente“. Welche Talente sich da offenbaren, bleibt bei der breit gefassten Zielgruppe eine Überraschung. Ebenso wie die Video-Installation im Klostereingang. Bei der Premiere vor zwei Jahren wurden die Besucherinnen und Besucher von fliegenden Büchern begrüßt.

Literaturfestival Frauenzell, Freitag, 11. Juli, bis Sonntag, 13. Juli,  Kloster Frauenzell (bei Brennberg nahe Regensburg), Programm und Tickets über www.schriftsteller-ostbayern.de

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