Linke in Bayern:Das Dossier, ein Insider-Produkt

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Bewiesen ist aber nichts. Spannend dürfte es werden, wie die Parteibasis reagiert. Schließlich sollen mehr als ein Dutzend Kreisverbände geschleift werden, die als Hochburgen der parteiinternen Führungskritiker gelten. Ob in Augsburg, Würzburg, Ansbach, Bamberg, Weiden oder Aschaffenburg - überall müssten "interne Spannungen genährt und lokale Spaltungen herbeigeführt werden", heißt es in dem Dossier.

Schwere Geschütze werden gegen die Antikapitalistische Linke (AKL) aufgefahren, das wichtigste Netzwerk der Kritiker von Ernst und Co. Die AKL-Mehrheit sei "politisch unerfahren, unbedacht und unfähig" und werde allein "durch Inkompetenz" ihr Ansehen verspielen - gelegentlich sollte man sich "auf Parteiversammlungen über sie belustigen", so der Rat. Gefährlicher sei die intelligente Minderheit in der AKL. "Wann möglich sollte dieser Personenkreis daher als sinister und verschlagen dargestellt werden."

Wer hat diesen Säuberungsplan aufgeschrieben? Wer hat ihn in Auftrag gegeben? Stammt das Dossier tatsächlich aus dem Ernst-Umfeld oder ist es gar das perfide Werk von Betroffenen, die es dem Ernst-Lager nur raffiniert in die Schuhe schieben und sich selbst zu Opfern stilisieren wollen? Allein dass manche ernsthaft über diese Möglichkeit nachdenken, sagt viel aus über den Landesverband.

Das präzise und schnörkellos formulierte Dossier ist, so viel steht fest, ein Insider-Produkt. Es strotzt vor Zusammenhängen und Namen, die nur kennt, wer tief in den bayerischen Linken verwurzelt ist. Merkwürdig ist, dass das Papier schon seit Herbst in der Partei kursiert, die Verantwortlichen aber sagen, sie wüssten nichts davon. Parteichef Klaus Ernst lässt auf Anfrage ausrichten, ihm sei das Dossier unbekannt. Im übrigen verstoße es gegen das Parteiprogramm, das alle Mitglieder zu Demokratie, Toleranz und Pluralismus verpflichte.

Der bayerische Linken-Chef Xaver Merk sagt, er habe erst durch die SZ-Anfrage vom Dossier erfahren. In einem zwischenzeitlich verschickten Rundbrief an Parteigremien nennt er es eine "ungeheuerliche Provokation". Merk hält es für "unmöglich", dass es überhaupt aus dem Landesverband stammt. "Dafür lege ich meine Hand ins Feuer", sagte er. Wenn er sich da mal nicht die Finger verbrennt.

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