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Mitten in Bayern:Hallo Impfzentrum? Falsch verbunden!

Corona-Impfung

Alle warten sie auf den erlösenden Piks. Für Frank Kügler ist eine Rückkehr zur Normalität allerdings komplizierter - da reicht nicht nur der Impfstoff. Der Landkreis muss auch sein Impfzentrum in Lindenberg abbauen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Die Pandemie ist ja für allerlei Überraschungen gut. Doch Frank Kügler und seiner Familie reicht es langsam. Ständig bekommen sie Anrufe - weil ihre Nummer der Hotline des Impfzentrums ähnelt.

Glosse von Florian Fuchs

Alle warten sie auf den erlösenden Piks. Von Berchtesgaden bis Coburg, von Passau bis Neu-Ulm. Freiheit, Grundrechte, Rückkehr zur Normalität. Auf all das wartet Frank Kügler aus Scheidegg im Landkreis Lindau schon auch. Eine Rückkehr zur Normalität ist für ihn allerdings komplizierter - da reicht nicht nur der Impfstoff. Damit Frank Kügler und seine Familie ihr normales Leben wieder zurückbekommen, muss der Landkreis Lindau sein Impfzentrum in Lindenberg abbauen. Erst dann steht das Telefon wieder still im Hause Kügler - derzeit klingelt es etwa neun- bis 14-mal am Tag.

Die Pandemie hat viele Facetten, Telefonterror war bislang nicht bekannt. Seit Januar aber steht bei Frank Kügler das Telefon nicht mehr still, weil seine Nummer der Hotline des Impfzentrums ähnlich ist. Scheidegg hat die Vorwahl 08381, die Hotline - obwohl für den Landkreis Lindau - läuft aber über die Kemptener Vorwahl 0831. Und obwohl die Ziffern dahinter nicht mal exakt gleich sind, werden Anrufer, die die falsche Vorwahl wählen, automatisch zu den Küglers durchgestellt. Viele Lindauer wollen nun also einen Termin zum Impfen von der Familie, die da allerdings passen muss. Und zu akkurat ist, um sich einen Spaß zu erlauben. 104 Anrufe im Januar, 121 Anrufe im Februar, 204 Anrufe im März und 183 im April. Bisheriger Höhepunkt: 1. März, 28 Anrufe. Frank Kügler führt akribisch Buch: "Als Rentner hab' ich ja Zeit."

Ganz so locker nimmt er es aber dann doch nicht. Er hat sich beim Telefonanbieter beschwert. "Die sagen, sie können nichts machen." Er hat sich beim Landratsamt beschwert. Die haben einen Hinweis auf die Homepage gesetzt, dass man doch die Vorwahl beachten solle. Nützt nur leider nicht viel. Eine neue Telefonnummer will sich Kügler auf keinen Fall zulegen, er hat seine seit 40 Jahren. Also geht er nun nur noch ans Telefon, wenn bekannte Nummern anrufen. Ansonsten meldet sich der Anrufbeantworter mit dem Hinweis, dass Impfstoff doch bitte woanders zu beziehen sei. Wenn es ganz schlimm wird, stellt er den Anrufbeantworter so ein, dass er statt nach 18 nach zehn Sekunden anspringt. Ansonsten hofft er, dass das Impfzentrum bald nicht mehr benötigt wird. Aktuelle Prognose: Bis Herbst wird's schon dauern.

© SZ vom 11.05.2021/syn
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