Lichtenberg Polizei ermittelt im Fall Peggy gegen 41-Jährigen

Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof in Nordhalben.

(Foto: dpa)
  • Im Fall des toten Mädchens Peggy aus Oberfranken hat die Polizei mehrere Anwesen in den Landkreisen Wunsiedel und Hof durchsucht.
  • Ein 41-Jähriger ist wieder in den Fokus der Ermittler gerückt, weil inzwischen Untersuchungsergebnisse zu Spuren vom Fundort von Peggys Knochen vorliegen und frühere Erkenntnisse neu bewertet wurden.
Von Olaf Przybilla, Lichtenberg

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth verfolgt eine neue Spur im Fall Peggy. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 41 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Wunsiedel. Er gehört zum Kreis jener Personen, die bereits mehrmals im Fokus der Ermittler standen. Ulvi K., der 2004 zunächst wegen Mordes verurteilt worden war, in einem Wiederaufnahmeverfahren 2014 aber freigesprochen wurde, hatte ihn in Vernehmungen nach dem Verschwinden der damals neunjährigen Peggy aus Lichtenberg als Mittäter genannt. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hatte der geistig eingeschränkte K. in jener Vernehmung allerdings zunächst einen anderen Mann aus Lichtenberg als Verdächtigen benannt. Dieser trägt den selben Nachnamen wie jener Mann, gegen den nun ermittelt wird. Die Ermittlungen gegen den damals 24-Jährigen waren von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigt, dass der Mann nach dem Verschwinden von Peggy für die Ermittler "zu einem relevanten Personenkreis" gezählt habe. Er sei nun aufgrund einer "Neubewertung" bereits existierender Erkenntnisse erneut in den Fokus gerückt. Eine Rolle spielten dabei auch die vorliegenden Untersuchungsergebnisse von Spuren, die im thüringischen Rodacherbrunn sichergestellt worden sind. Dort waren Teile des Leichnams Peggys im Juni 2016 aufgefunden worden, etwa zwölf Kilometer entfernt von der fränkischen Stadt Lichtenberg, aus der Peggy 2001 verschwunden ist.

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Im Zuge der neuen Ermittlungen wurden nun mehrere Örtlichkeiten in den Kreisen Wunsiedel und Hof durchsucht, darunter auch das Wohn- und Elternhaus des 41-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft führt den Mann derzeit als Beschuldigten. Allerdings kam er nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß, ein dringender Tatverdacht scheint insofern nicht zu bestehen. Trotzdem bleibt er im Visier der Ermittler.

Am Fundort Peggys sei umfangreiches Spurenmaterial sichergestellt worden, dieses sei "mit unterschiedlichen Zielrichtungen untersucht" worden, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. Die Ergebnisse diverser wissenschaftlicher Untersuchungen hätten die Ermittler bewertet und mit bereits bestehenden Erkenntnissen aus den vorliegenden Akten über den Mordfall Peggy abgeglichen. Hieraus hätten sich "Verdachtsmomente gegen den Mann" ergeben, erklärte Oberstaatsanwalt Jochen Götz. Weil diese durch weitere Ermittlungen untermauert werden konnten, seien auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth Durchsuchungsbeschlüsse für mehrere Objekte in Oberfranken erlassen worden. Was der 41-Jährige bei der Vernehmungen gesagt hat, darüber machen die Ermittler derzeit keine Angaben.

Der nun beschuldigte Mann war bekannt mit Ulvi K. Befreundet, wie zum Teil berichtet wird, sei er jedoch nicht mit ihm gewesen, sagte die Betreuerin von Ulvi K., Gudrun Rödel, der SZ. "Ein ganz normaler Bekannter, wie so viele in Lichtenberg." In mehreren Vernehmungen hatte der damals 24-Jährige nach dem Verschwinden Peggys ausgesagt, er habe am betreffenden Tag Ulvi K. um die Mittagszeit in Lichtenberg gesehen. Bei der vorläufig letzten seiner Vernehmungen soll er zu verstehen gegeben haben, dass er mit weiteren nicht einverstanden sei. Er soll am Tag des Verschwindens von Peggy einen Tag Urlaub gehabt und sich wegen einer Grundstücksangelegenheit bei einer anderen Familie in Lichtenberg aufgehalten haben, später angeblich auch in einer Behörde in Hof. Sein Alibi soll von Ermittlern damals, so weit möglich, abgeklärt worden sein.

Bei den Ermittlungen gegen Ulvi K. spielte auch eine Aussage einer engen Verwandten des jetzt verdächtigen 41-Jährigen eine Rolle.

Mit dem Fall vertraute Personen berichten, dass sich nach dem Auffinden von Peggys Leiche mehrere in Frage kommende Personen in Oberfranken "zum Teil sehr harten Vernehmungen ausgesetzt" sahen. Der Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler, der ein Wiederaufnahmeverfahren für Ulvi K. erstritten hatte, zeigte sich skeptisch. Gäbe es stichhaltige Indizien gegen den Mann aus dem Kreis Wunsiedel, "so hätte man ihn nicht wieder freigelassen". Der aktuelle Rechtsbeistand von Ulvi K., die Rechtsanwaltskanzlei Hanna Henning, betonte, dass Ulvi K., der derzeit in einer Einrichtung für betreutes Wohnen lebt, seit seiner Freilassung nicht vernommen wurde. Nach seinem Freispruch werde man dies auch zu verhindern wissen, sagte seine Betreuerin Rödel.

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