Akademie der WissenschaftenLeopoldina - wo wurde sie gegründet?

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Die Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle
Die Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle Peter Endig/dpa

Die Bundesregierung in diesen Corona-Zeiten zu beraten, das ist schon was. Und so lernen alle die Nationale Akademie der Wissenschaften kennen. Doch das fast Wichtigste erfährt niemand.

Kolumne von Olaf Przybilla

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Deutsche Städte, in denen Wissenschaftsgeschichte geschrieben wurde? Heidelberg, Göttingen, Berlin - und natürlich: Schweinfurt!

Kleiner Scherz? Wer Schweinfurt nur von der Autobahn aus kennt, wo man auf die Silhouette einer Industriestadt wie sonst nirgends in Bayern blickt, wird davon ausgehen müssen. Schweinfurt, das ist der weltgrößte Wälzlagerkonzern, das Tretkurbelfahrrad von Philipp Moritz Fischer, die Rücktrittsbremse von Ernst Sachs. Von Osten kommend schaut man rechts auf Schlote, den Kugellagerstolz der Stadt, links auf das stillgelegte AKW Grafenrheinfeld. Schweinfurt und Wissenschaftsgeschichte - im Ernst jetzt?

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Schon, nur bekommt das kaum einer mit. Zwar ist die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, nun in aller Munde als Corona-Beraterin der Bundesregierung - und dass die älteste bis heute bestehende naturforschende Akademie der Welt ihren Sitz in Halle hat, spricht sich gerade herum. Wer's aber erfunden hat sozusagen, wo diese Akademie aus der Taufe gehoben wurde, das geht selbst jetzt noch unter. Hier nun also umso inbrünstiger: "Herz und Stimme der deutschen Wissenschaft" (A. Merkel) haben ihre Wurzeln dort, wo es wohl kaum einer vermutet: in Schweinfurt.

Vier unterfränkische Ärzte haben 1652 ebenda die Gesellschaft "Academia Naturae Curiosorum" gegründet, man ließ enzyklopädische Abhandlungen über alles mögliche schreiben, rief eine Zeitschrift ins Leben, stellte die Wissenschaftskommunikation auf ein ganz neues Fundament. Unglücklicherweise (für Schweinfurt) legte man auch fest, dass der Sitz der Akademie immer dort sein soll, wo der jeweilige Präsident wohnt. Bis die Akademie, benannt nach Kaiser Leopold, 1878 doch sesshaft wurde. Und zwar am Sitz einer aufstrebenden Universität: Halle!

Und Schweinfurt? Blieb nur der Name des städtischen Krankenhauses und die Bibliothek des Leopoldina-Gründers Johann Bausch - das Leben ist ungerecht. Außerdem wird, das will der Stadtarchivar Uwe Müller im Gespräch nicht unerwähnt lassen, der Carus-Preis in Schweinfurt verliehen, benannt nach einem Akademie-Präsidenten. Und am Ortseingang wird stolz auf die Leopoldina-Gründung verwiesen. An der Autobahn übrigens nicht. Das wäre dann wohl doch zu viel.

© SZ vom 16.04.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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