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Leichenfund in der Oberpfalz:Wenn das Unfassbare wahr wird

Maria Baumer Regensburg Lebensgefährte unter Mordverdacht

Trauer um Maria Baumer: Ein Foto und eine Kerze erinnern an die junge Frau.

Ist Maria Baumer Opfer eines Gewaltverbrechens geworden? Mehr als 15 Monate lang war die Vorsitzende der Katholischen Landjugendbewegung verschwunden. Nun wurde sie tot in einem Wald nahe Regensburg gefunden. Eine Spur führt ins nähere Umfeld der jungen Frau.

Von Dietrich Mittler

Die Polizei hat einen 28 Jahre alten Mann festgenommen, der die seit mehr als einem Jahr spurlos verschwundene Maria Baumer aus Regensburg getötet haben soll. Das erklärten die Staatsanwaltschaft Regensburg und das Polizeipräsidium Oberpfalz am Donnerstag. Der Bayerische Rundfunk berichtete am Abend, dass es sich um den Verlobten der damals 26 Jahre alten Frau handeln soll. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Polizei und Staatsanwaltschaft gaben aber an, dass der Mann im dringenden Verdacht stehe, Maria Baumer getötet zu haben. Er habe sich bisher zu den Vorwürfen nicht geäußert. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag.

Ein Tag ist da gerade vergangen, seit das Polizeipräsidium Oberpfalz in einer knapp gefassten Meldung mitteilte, dass die sterblichen Überreste von Maria Baumer in einem Waldstück im nördlichen Kreis Regensburg gefunden wurden. Die Familie des Verlobten soll nach BR-Informationen nur wenige Kilometer entfernt einen Reiterhof besitzen. Die Suche nach Beweisen läuft weiter auf vollen Touren. "Heute hat die Bereitschaftspolizei das Areal, auf dem die sterblichen Überreste von Maria Baumer gefunden wurden, bestimmt nicht das letzte Mal akribisch in Augenschein genommen", erklärte das Polizeipräsidium Oberpfalz.

Im Umfeld von Maria Baumer ist die Betroffenheit groß. "Wir sind alle sehr traurig über den Tod von Maria", heißt es auf der Internetseite der Katholischen Landjugendbewegung Bayern, die nun die Gewissheit hat, dass ihre nur wenige Tage vor ihrem mysteriösen Verschwinden gewählte Landesvorsitzende nie mehr wiederkommen wird. "Seit ihrem Verschwinden vor 15 Monaten hatten wir alle gehofft, dass sie leben würde", teilt Landesseelsorger Richard Stefke mit. Die Gedanken seien jetzt bei Maria Baumers Familie.

Die Angehörigen der damals 26-Jährigen hatten bis zum Schluss gehofft und gebangt, dass es nach all den Medienaufrufen - so auch bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY . . . ungelöst" - doch noch ein Lebenszeichen geben würde. Einen Tag nach der Polizeimeldung sind alle Hoffnungen in sich zusammengebrochen.

In der Oberpfälzer Gemeinde Bernhardswald (Kreis Regensburg) hatten drei Pilzsammler am vergangenen Sonntag inmitten von Bäumen und Gestrüpp Teile eines menschlichen Skeletts gefunden. Gerichtsmedizinische Untersuchungen kamen zum Ergebnis, dass es sich dabei um Knochen von Maria Baumer handelt. Kriminalistischer Instinkt hatte die Beamten bereits vor einigen Wochen dazu bewegt, gut sechs Kilometer vom Auffindeort entfernt mit Spürhunden ein Waldstück nahe der Gemeinde Rossbach-Wald zu durchsuchen. "Das war eine Eigeninitiative der Ermittler", teilte ein Polizeisprecher mit. Bei der Durchsuchung schlugen die speziell trainierten Hunde zwar an, aber die Suche lief ins Leere. Zum Hintergrund: Maria Baumer hatte am 25. Mai 2012 - also kurz vor ihrem Verschwinden - auf dem nahe gelegenen Reiterhof noch mit ihrem Verlobten und mit Freunden gegrillt.

An den Einwohnern von Bernhardswald geht der furchtbare Fund nicht spurlos vorüber. "Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht", sagt Werner Fischer, der Bürgermeister der Gemeinde, die nur 15 Kilometer von der Regensburger Stadtgrenze entfernt liegt. Das Waldstück, in dem Maria Baumer gefunden wurde, ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Es liegt nur gut 500 Meter von der Gemeinde weg. "Für uns ist das ein Rätsel, wie die Tote da vor einem Jahr hingekommen sein könnte und warum man sie nicht früher entdeckt hat", sagt Fischer. Das Waldstück sei alles andere als unübersichtlich. "Ich hoffe, dass das schnellstmöglich im Sinne der Familie und der Allgemeinheit aufgeklärt wird", sagte Fischer. Unzähligen Spuren waren die Beamten der "Ermittlungsgruppe Maria" nachgegangen. Immer wieder gab es neue Angaben, wo die junge Frau gesehen worden sein könnte. Ihr Verlobter hatte angegeben, er habe von Maria Baumer einen Anruf erhalten, und dabei habe sie ihm gesagt, dass sie nach Nürnberg fahre. Wenig später habe sie ihm dann aber mitgeteilt, dass sie nach Hamburg ziehe. Es tauchten zudem mehrere Zeugen auf, die die junge Frau in Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis gesichtet haben wollten. Ihnen habe sie mitgeteilt, sie sei auf dem Jakobsweg unterwegs. Dann meldeten sich drei Zeugen, die Maria Baumer als Anhalterin an der Anschlussstelle Weiden-Nord gesehen haben wollten. Ihnen habe sie erzählt, sie sei nach einem Verwandtenversuch nun über Regensburg nach Portugal unterwegs.

© SZ vom 13.09.2013/infu
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