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Lehrermangel in Bayern:Hilferuf der Schulräte

4300 zusätzliche Schüler, aber zu wenig Lehrkräfte: Der Lehrermangel an den bayerischen Grund- und Mittelschulen wird ab Herbst groß. Schulräte schlagen mit einem Brief Alarm an Kultusminister Spaenle: Der Unterricht sei nur noch mit Mühe sicherzustellen.

In den Streit um die fehlenden Lehrer an Grund- und Mittelschulen im Freistaat haben sich jetzt auch die Schulräte eingeschaltet - mit einem mahnenden Brief an das Kultusministerium. In dem Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, berichten die für die Verteilung der Lehrerstunden zuständigen Beamten von einer "extrem schwierigen Situation".

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Erhielt einen Brandbrief seiner Schulräte: Bayerns Kultusminister Spaenle.

(Foto: dapd)

Der Unterricht im gesamten nächsten Schuljahr könne nur unter erschwerten Bedingungen sichergestellt werden. Lehrerstundenzuweisungen müssten auf ein Minimum zurückgefahren werden, mobile Reserven würden als Klassenlehrer eingesetzt, fehlende Mittelschullehrer würden zum Teil durch Grund-, Real- oder Gymnasiallehrer ersetzt. Schon die ersten krankheitsbedingten Ausfälle, so schreiben die Schulräte aus den sieben Regierungsbezirken weiter, würden "das ganze Ausmaß der Mangelversorgung sichtbar machen".

Auch die gebundenen Ganztagszüge, in denen sich Unterricht und Entspannungsphasen den ganzen Tag über abwechseln, seien durch den Lehrermangel bedroht. Insgesamt sei die Qualität der Bildung an Grund- und Mittelschulen gefährdet. Zuvor hatten sich bereits die Schulleiter mit einem Brandbrief ans Ministerium gewandt.

Jürgen Eusemann, Landesvorsitzender des Schulräteverbandes, drückt sich standesgemäß vorsichtig aus: "Wir gehen davon aus, dass die Grundversorgung gewährleistet ist." Man sei "äußerst bemüht", mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die Klassenbildung vernünftig zu gestalten, mahne aber schon für das Schuljahr 2013/14 an, die Prognosen nicht zu gering anzusetzen. Bei einem Treffen im Ministerium, zu dem die zuständigen Bereichsleiter in den Regierungsbezirken eingeladen sind, soll es an diesem Freitag um den "Nachsteuerungsbedarf" gehen.

Die Prognosen der Schülerzahlen für 2012/13 hatte das Ministerium vor kurzem korrigiert: Im Herbst kämen etwa 4300 Kinder mehr an Grund- und Mittelschulen als zunächst erwartet. Darauf sei jetzt aber lediglich eine Reserve von 139 Lehrern mobilisiert worden, kritisiert der Bayerische Schulleiterverband (BSV). Damit seien Musik- und Sport-AGs, Computerkurse, Förderung von Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwächen und Intensivierungsstunden nicht mehr zu leisten.

Situation ist "beängstigend"

"Wenn dafür keine Zeit mehr ist, wofür wird das Geld dann ausgegeben? Das fragen nicht nur wir, das fragen auch die Eltern und Kommunalpolitiker, die trotz Finanznot immer wieder freiwillig viel Geld für ihre Schulen und ihr reiches Schulleben ausgegeben haben", schreibt der BSV in seinem neuesten Rundbrief. Der Verbandsvorsitzende Werner Sprick klagt an: "Selbst wenn wir noch Lehrerstunden bekommen, sodass wir die Grundversorgung sicherstellen können - heißt das, dass wir all unsere Zusatzangebote, die wir über Jahre aufgebaut haben, streichen sollen?" Die Situation sei "beängstigend".

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) beschwichtigt. Die Klassenbildungen seien in der Regel immer erst mit Schuljahresbeginn abgeschlossen, bei 3000 Standorten in ganz Bayern "ist erfahrungsgemäß bis zuletzt Bewegung drin". Dass die Schülerzahlen an den Mittelschulen weniger zurückgegangen seien als erwartet, bestätige den "erfreulichen Erfolg" dieses Schulmodells.

Für 4300 Schüler mehr genügend Lehrer zur Verfügung zu stellen, bedürfe einer "großen Kraftanstrengung". Doch er gehe davon aus, dass es weiterhin auch Zusatzangebote geben werde. Mit den zusätzlichen Lehrerstellen, die für das neue Flexibilisierungsjahr am achtjährigen Gymnasium benötigt würden, habe der Pädagogenmangel an den Mittelschulen nichts zu tun.

Diesen Vorwurf erhebt der bildungspolitische Sprecher der Freien Wähler im Landtag, Günther Felbinger: Für die geplante Flexibilisierung am Gymnasium müssten zusätzliche Stellen von den Mittelschulen dorthin "verschoben" werden. Die "Tricksereien" des Kultusministeriums müssten ein Ende haben.