Lehrerbildung Gymnasial- und Realschullehrer sollen wieder auf Mittelschule umsatteln

Übergangsklassen für Flüchtlinge sind an den Mittelschulen angesiedelt.

(Foto: dpa)
  • Um genügend Lehrer für die Übergangsklassen zu gewinnen, dürfen Realschul- und Gymnasiallehrer wieder für Mittel- oder Berufsschule umlernen.
  • Wenn die Lehrer die Umschulung erfolgreich abschließen, haben sie gute Chancen auf eine Verbeamtung.
  • 160 Plätze soll es für die Qualifizierung an Mittelschulen geben. Wie viele Jobs für Berufsschulen ausgelobt werden, steht offenbar noch nicht fest.
Von Anna Günther

Realschul- und Gymnasiallehrern dürfen im kommenden Schuljahr wieder auf das Lehramt für Mittel- oder Berufsschule umlernen. Das geht aus einem Schreiben des Ministeriums hervor, das an Schulen und Schulämter verschickt wurde. Demnach sollen alle Referendare und befristet angestellten Lehrer an Realschulen und Gymnasien über diese Möglichkeit informiert werden. Dabei lernen sie parallel zum Unterricht den Stoff und die Pädagogik der fremden Schulart kennen.

Schließen diese Lehrer die Umschulung erfolgreich ab, haben sie gute Chancen auf eine Verbeamtung. Die Einstellungszahlen für das kommende Schuljahr werden zwar erst Mitte Juli vorliegen, aber im Gegensatz zu Volks- und Berufsschullehrern sind die Jobaussichten für Realschul- und Gymnasiallehrer wohl auch in diesem Jahr ziemlich düster. Etwa 3000 von ihnen werden im Sommer mit ihrer Ausbildung fertig und die Wartelisten sind voll.

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160 Plätze soll es für die Qualifizierung an Mittelschulen geben. Wie viele Jobs für Berufsschulen ausgelobt werden, steht offenbar noch nicht fest. Das dürfte von der Zahl der Flüchtlinge abhängen und wie schnell der Ausbau der Integrationsklassen voranschreitet. An Volks- und Berufsschulen sind fast alle dieser Klassen angesiedelt. Dort werden die meisten Lehrer gebraucht, aber schon 2015 gab es nicht genügend Pädagogen, um alle Flüchtlinge integrieren und bayerische Kinder fördern zu können.

Damals wurden 270 Umqualifizierungsplätze für Realschul- und Gymnasiallehrer geschaffen. Zum neuen Schuljahr könnte die Zahl der Übergangsklassen an Volksschulen auf 1600, die an Berufsschulen auf 1200 steigen. Von den 1079 Stellen, die im Nachtragshaushalt für den Unterricht von Flüchtlingen freigegeben wurden, sind erst etwa zwei Drittel vergeben.

Die Qualifizierungsjobs 2015 wurden erst nach und nach für Lehrer aller Fächer geöffnet. Jetzt stehen die Plätze an den Mittelschulen allen Realschul- und Gymnasiallehrern offen, die mindestens ein Jahr dort unterrichtet und zwei Fächer studiert haben, die an Mittelschulen gelehrt werden. Auch Referendare und Lehrer ohne Mittelschulerfahrung dürfen sich bewerben. Sie haben zwei Jahre Bewährungszeit, die Kollegen mit Erfahrung eines.

Für die Berufsschulen dürfen sich Lehrer bewerben, die eine abgeschlossene Berufsausbildung haben oder schon an Berufsschulen unterrichtet haben und Fächer wie Deutsch, Englisch, Ethik, Religion, Sozialkunde oder Sport studiert haben.

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