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Lebensgefühl:Da kannst lange warten

Schondorf /Utting (???): Schiffsstege - Ammersee LUFTBILD / SCHMUCKBILD

Gehört zu den Dingen, die nicht schnell zu haben sind: Ein Boot am Ammersee.

(Foto: Johannes Simon)

Ein Schließfach, Tickets für Bayreuth, eine Dauerkarte für den FC Bayern: Es gibt Dinge in Bayern, für die muss man sich gedulden. Und manchmal nützt auch das nichts.

Es hat ja keiner mehr Zeit heutzutage, deswegen wird Essen beim Lieferservice bestellt, online eingekauft und getwittert, statt Postkarten zu schreiben. Aber manchmal geht es einfach nicht schnell. Es gibt Dinge, die brauchen in Bayern ihre Zeit.

Drei Monate: Wer ein Instrument nach eigenen Wünschen in Auftrag gibt, muss sich gedulden. "Die Bauzeit einer Meistergeige beträgt zirka 150 Stunden", sagt Geigenbaumeister Rainer Leonhardt aus Mittenwald. Inklusive Zeit zum Trocknen dauere es zweieinhalb bis drei Monate, bei individuellen Extrawünschen in Gestaltung und Lackierung noch länger. Die Hölzer für die Violinen würden zehn bis 15 Jahre lang gelagert - für den besten Klang. Der Vorteil für den Kunden ist zugleich der Nachteil für den Instrumentenbauer: "Leider hält so eine Geige ewig", sagt Leonhardt mit einem Augenzwinkern.

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Ein bis zwei Jahre: Man muss kein Adeliger sein für ein herrschaftliches Anwesen. Wer fürstlich wohnen will, findet in Burghausen seine Traumstätte. Die längste Burg der Welt bietet hoch über der Stadt 50 Wohneinheiten. "Die Nachfrage ist sehr hoch", sagt Burgverwalter Heinz Donner. "Wir haben eine Warteliste, die abgearbeitet wird. Da stehen sicher 50 bis 60 Namen drauf." Wer rein will, müsse ein bis zwei Jahre warten. Und selbst dann sei nicht sicher, ob was frei wird. "Wir haben gerade erst viele junge Mieter bekommen, das kann jetzt dauern." Wer den Zeitraum bis zum Einzug ins Mittelalter verkürzen will, sollte sich beruflich umorientieren: Mitarbeiter der Schlösser- und Seenverwaltung werden bevorzugt behandelt.

Drei bis vier Semester: Günstiger Wohnraum für Studenten ist in ganz Bayern knapp. Besonders beliebt sind die Studentenbuden im Olympiadorf in München: "Die aktuelle Wartezeit für das Olydorf liegt zwischen drei bis vier Semestern", schreibt Debora Schmidt vom Studentenwerk München. "Aktuell stehen zirka 1400 Bewerber auf der Warteliste für das Olydorf und es gibt dort zirka 1800 Einzelappartements." Bei anderen Anlagen fernab des Uni-Campus falle die Wartezeit kürzer aus. Und Glück spielt auch eine Rolle: Für Erstsemester werden Zimmer verlost.

Vier Jahre: Wer Goldbarren, wertvolle Gemälde, Münzen und Urkunden sicher verwahren will, hat es nicht ganz leicht. "Die ganz großen Schließfächer sind voll belegt", sagt Bankkauffrau Stefanie Albrecht von der Volksbank Nordoberpfalz in Weiden. Die Fächer sind 30 auf 30 Zentimeter tief und breit und 45 Zentimeter hoch. "Die sind immer auf Jahre vermietet und werden selten aufgelöst, in vier Jahren vielleicht einmal." Was drin ist, wissen selbst die Banker nicht. Die Nachfrage an Schließfächern ist hoch, es gibt nur wenige. "Manch einer sagt: Meldet euch, wenn was frei wird", sagt Albrecht. Wer nicht allzu viele Barren lagern will, hat bessere Chancen - bei den kleinen Fächern ist noch was frei.

Fünf Jahre: Innerhalb von fünf Jahren werden angehende Lehrer vom Kultusministerium ans Gymnasium geschickt. Allerdings nicht alle. Auf der Warteliste für das laufende Schuljahr standen 2154 Bewerber, sagt Dominik Lörzel von der Referendar- und Jungphilologenvertretung. "Davon wurden 85 eingestellt. Es bekommen also nur die allerwenigsten eine Stelle." Jeder Jahrgang wird zu 40 Prozent von der Warteliste und zu 60 Prozent aus aktuellen Absolventen sowie Initiativbewerbungen bestückt. "Jedes Jahr im Wartestand bringt einen Notenbonus von 0,06 Prozent", sagt Lörzel. Selbst die stark gebrauchte Fächerkombination Mathematik und Physik hat beachtliche Hürden: Der Notenschnitt muss unter 2,4 liegen.

Sechs Jahre: Sehen und gesehen werden heißt es bei den Bayreuther Festspielen. Wer hin will, braucht Geduld - nicht nur während Wagners Opernmarathon, sondern schon beim Kartenkauf. "Im Durchschnitt liegen wir jetzt bei fünf bis sechs Jahren Wartezeit", sagt Sprecher Peter Emmerich. "Es gibt aber Ausreißer nach oben und unten. Vor Jahren geisterten Zahlen von neun und zehn Jahren durch die Gegend. Das sind aber Mythen des Alltags." Es komme darauf an, welchen Vorstellungsplatz man wünsche. "Eine Premiere ist zum Beispiel 20- und 30-fach überbucht, andere Plätze nur 1,7-fach", sagt Emmerich. Nachrücker würden elektronisch ausgewählt, falls Karten kurzfristig zurückgegeben werden. Es gibt 20 Preisgruppen, von zehn Euro bis 400 Euro. Und wer es besonders eilig hat, sollte am 12. Februar von 14 Uhr an schnell sein. Dann werden online die letzten Tickets vergeben.

6,25 Jahre: Bei lebensbedrohlichem Organversagen bleibt wenig Zeit. Für die Leberfunktion gibt es keinen Ersatz. Organtransplantationen können daher Leben retten. "Eine Leber bekommt man innerhalb von 48 Stunden", sagt Professor Bruno Meiser vom Transplantationszentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Anders bei Nieren. "Die werden am häufigsten transplantiert. Auf Nieren wartet man auch am längsten." In Deutschland liegt die Wartezeit im Durchschnitt bei 75 Monaten, also bei sechs Jahren und drei Monaten. Bundesweit standen im Januar 7781 Namen auf der Warteliste, in Bayern hoffen 1110 Menschen auf eine neue Niere. Schneller geht's in den Nachbarländern Österreich und Belgien. Dort bekommt man Nieren schon nach 30 bis 40 Monaten. "Weil es in diesen Ländern zwei bis drei Mal mehr Spender gibt beziehungsweise die Spende schon nach dem Herz-Kreislauftod erlaubt ist - bei uns nur beim Hirntod", erklärt Meiser die zeitlichen Unterschiede. Die Firma Eurotransplant verteilt die Spenderorgane.

Sieben Jahre: Der Ammersee ist bei Bootsbesitzern sehr begehrt. Das Landratsamt Landsberg am Lech kontrolliert, wer mit Booten über den See schippern darf. "Wir haben sogar zwei Wartelisten", sagt Sprecherin Anna Diem-Sickinger. "Zum einen für die Genehmigung der Motorboote, zum anderen für die Bojen." Die Obergrenze liegt bei 150 motorisierten Booten. Ist die Erlaubnis erst einmal erteilt, gilt sie fünf Jahre, danach ist Schluss: "Sie ist weder übertragbar noch verlängerbar." Wer die begehrte Lizenz will, braucht Ausdauer: 800 Namen stehen auf der Liste. Noch länger ist die Liste für Liegeplätze im Wasser: "Wir haben 2000 Bewerber für Bojen, die Genehmigung wird für sieben Jahre vergeben." Entsprechend liegt die Wartezeit zwischen fünf und sieben Jahre. Man braucht aber nicht nur einen langen Atem, sondern auch Geld: Jeder Eintrag kostet zehn Euro Gebühren. Hinzukommen die Einmalgebühr in Höhe von 104 Euro für Bojen und die jährliche Miete von 540 Euro.

Aussichtslos: Nahezu aussichtslos ist es, einen Stellplatz in der Marktgarage in der Würzburger Innenstadt zu bekommen. Es gebe noch nicht einmal mehr eine Warteliste, sagt Jürgen Dornberger von der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH. "Aufgrund des hohen Parkdrucks durch Kurzparker in der Innenstadt können in der Marktgarage keine Stellplätze mehr vergeben werden." Die Chance auf einen Stellplatz bestünde nur dann, wenn einer der Bestandskunden seinen Platz zurückgibt, was so gut wie nicht vorkommt. "Das heißt, es kann Jahre dauern, bis ein Stellplatz frei wird."

Noch aussichtsloser: Noch schwieriger ist es, eine Jahreskarte beim FC Bayern zu ergattern. "Es gibt keine Warteliste für Dauerkarten", sagt Oliver Meßthaler vom Presse-Team des Vereins. "Da pro Jahr nur zirka 20 zurückgegeben werden, bieten wir keinerlei neue Dauerkarten an. Die zurückgegebenen Tickets fließen in das Tageskartenkontingent."

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