Gemeinde Lauben will historischen Gasthof abreißen„Lasst den Löwen nicht sterben“

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Um das Gasthaus Zum Löwen herum, in Sichtachse zur Dorfkirche, ist Lauben entstanden.
Um das Gasthaus Zum Löwen herum, in Sichtachse zur Dorfkirche, ist Lauben entstanden. Foto: Denkmalnetz Bayern
  • Die Gemeinde Lauben im Oberallgäu will den historischen Gasthof "Zum Löwen" aus dem Jahr 1394 abreißen, obwohl er als Wahrzeichen gilt.
  • Kritiker aus ganz Bayern protestieren mit einem offenen Brief und planen eine große Demonstration gegen den Abriss Ende April.
  • Der Gemeinderat hat 100.000 Euro für die Abbrucharbeiten freigegeben, obwohl Experten alternative Nutzungskonzepte und Fördermöglichkeiten vorschlagen.
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Seit 630 Jahren gibt es das Gasthaus in der Gemeinde im Oberallgäu. Kritiker aus ganz Bayern laufen Sturm gegen den geplanten Abriss. Eine Petition wurde gestartet, auch eine große Demo ist geplant.

Von Florian Fuchs

Wie bedeutend der Gasthof „Zum Löwen“ für die Gemeinde Lauben im Oberallgäu ist, macht der Ort selbst deutlich auf seiner Homepage, auch heute noch, obwohl das Gasthaus schon so lange geschlossen ist. Unter der Rubrik „Geschichte“ der Ortschaft steht unter anderem, dass im „Löwen“ der erste öffentliche Fernsprecher Laubens installiert wurde, Anfang des 20. Jahrhunderts. Interessanter ist das Bild zum Text: Die Geschichte Laubens illustriert offenbar nichts besser als eine Zeichnung des Gasthauses, mit der Dorfkirche im Hintergrund.

Und trotzdem will Lauben das Gebäude mit einer Geschichte von mehr als 630 Jahren nun abreißen. Das „Wahrzeichen und Teil der Ortsidentität, Mittelpunkt kultureller und gesellschaftlicher Ereignisse“, wie es in einem offenen Brief des Denkmalnetzes Bayern heißt, den Künstler aus der Region, Professoren, Sachverständige und das Architekturforum Allgäu nicht nur an den Bürgermeister, sondern auch an Politikerinnen und Politiker im Kreistag, bayerischen Landtag und an verschiedene Ministerien in München geschickt haben.

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Sie alle protestieren, sie planen eine große Demonstration gegen den Abbruch, der offenbar kurz bevorsteht – Container sind schon platziert, Teile des Gebäudes an der Rückseite bereits entfernt. „Lasst den Löwen nicht sterben“, heißt es in dem offenen Brief.

„Ich begreife nicht, wie man solch ein ortsbildprägendes Gebäude einfach wegreißen kann, ohne einen Plan zu haben, was stattdessen an die Stelle gebaut werden soll“, sagt Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. Er hat sich Anfang April zweimal selbst vor Ort ein Bild gemacht und hätte dem Bürgermeister gemeinsam mit Architekten und Partner aus der Staatsregierung gerne aufgezeigt, „wie dieses für das Erscheinungsbild des Dorfes höchst bedeutende Gebäude sinnvoll und bezahlbar zu erhalten wäre“. Bürgermeister Mathias Pfuhl aber, der gerade im Urlaub und deshalb für die SZ nicht zu erreichen ist, hatte kein Interesse an einem Gespräch.

Das Gasthaus „Zum Löwen“ war ehemals fürststiftlicher Meierhof, das Haus hatte die obrigkeitliche Erlaubnis, Bier zu brauen, Vieh zu schlachten, Brotwaren aller Art zu backen und all die Erzeugnisse zu verkaufen, heißt es bei der Gemeinde. „Neben der Kirche prägte schon immer das Gasthaus Zum Löwen, erstmals 1394 erwähnt, das Ortsbild.“

Nach einem Brand im Jahr 1871 wurde das Gebäude wieder aufgebaut, die hauseigene Metzgerei und die Bäckerei im Erdgeschoss mussten allerdings bereits 1959 schließen. An den Lebensmittelladen – schreibt das Denkmalnetz Bayern in seinem offenen Brief – erinnere heute das vergrößerte Fenster auf der Giebelseite. Im ersten Stock gab es einen großen Festsaal. „Hier wurden Feste gefeiert, hier traf man sich nach Beerdigungen zum Leichenmahl, hier wurde diskutiert und Laubener Geschichte geschrieben.“

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Vor etwa neun Jahren begann das Ringen um den Erhalt des geschichtsträchtigen Anwesens, heißt es beim Denkmalnetz Bayern. Das Wirtshaus habe schließen müssen, zwei Bürgerbegehren verhinderten, dass dort ein neues Rathaus entsteht. Der örtlichen Presse ist zu entnehmen, dass der Bürgermeister andauernde Kosten von der Wintersicherung bis zur Verkehrssicherheit als Argumente für den Abriss ins Feld führt. Der Gemeinderat hat demnach etwa 100 000 Euro für die Abbrucharbeiten freigegeben, die bereits Ende April erfolgen sollen.

„Damit würde der Ort sein Gesicht verlieren“, kritisiert Neumaier vom Verein für Heimatpflege. Es gebe in Bayern hundertfach Beispiele, wie solch ein Gebäude erhalten und entwickelt werden könne. Nicht nur als Gasthaus, was laut Kritikern des Abrisses wieder Touristen anlocken würde. Auch andere Nutzungen seien denkbar, etwa ein betreutes Wohnen. Erst im März hat Neumaier den Erich-Schosser-Preis für Verdienste um Baukultur und Denkmalpflege an Richard Tischler verliehen. Der Bürgermeister von Pfreimd hatte veranlasst, dass seine Stadt mehrere leer stehende, denkmalgeschützte Gebäude erwirbt und so saniert, dass sie für private Investoren interessant werden.

Das Geld für den Abbruch, sagt Neumaier, wäre sinnvoller in die Arbeit von Architekturbüros investiert, die solch ein Gebäude ökologisch entwickeln könnten. „Für solche Vorhaben gibt es einige Fördertöpfe, die man anzapfen könnte.“ Zumal das Gebäude nicht baufällig sei, sagt Eva Demmelhuber vom Denkmalnetz Bayern. Sie versteht die Eile nicht, mit der der Bürgermeister nun vorgehe, ohne Nachnutzungskonzept. Ihrer Ansicht nach hat der Streit um den Gasthof Lauben entzweit. Die einen Bürger wollen das Gebäude erhalten, andere können nichts damit anfangen. Aber den Streit beizulegen, indem man abreiße? Das sei ein Versagen der Gemeindepolitik. „Stellen Sie sich den Dorfplatz mit so einer Baugrube vor.“

Demmelhuber und ihr Team haben eine Petition gestartet und organisieren eine große Demonstration. „Ich glaube, man kann den Abriss noch aufhalten, solange noch kein Bagger reingeknallt ist. Zur Not ketten wir uns an und machen Mahnwachen.“

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