DigitalisierungWie sich eine Gemeinde im Allgäu gegen Wasserverluste schützt

Lesezeit: 3 Min.

Landrätin Indra Baier-Müller, Bürgermeister Mathias Pfuhl, Digitalminister Fabian Mehring und Vizepräsident des Landtags Alexander Hold in einem Wasserschacht in Lauben.
Landrätin Indra Baier-Müller, Bürgermeister Mathias Pfuhl, Digitalminister Fabian Mehring und Vizepräsident des Landtags Alexander Hold in einem Wasserschacht in Lauben.
StMD

Durch ein leckes Wasserrohr sind in Lauben einmal 30 Millionen Liter Wasser ausgetreten. Das soll nicht erneut passieren. Als erste bayerische Gemeinde hat sie ihr Wassernetz digitalisiert. Ein Vorbild für andere Orte?

Von Florian Fuchs, Lauben

SZ bei Google bevorzugen

Einmal, so erzählt es Bürgermeister Mathias Pfuhl, hätten sie in Lauben ein Leck an einem Wasserrohr gehabt, das mutmaßlich ein Jahr lang unbemerkt blieb. 30 Millionen Liter Wasser sind da ausgelaufen und im Kiesboden versickert. So etwas soll es in der Gemeinde im Oberallgäu in Zukunft nicht mehr geben, auch keine kleineren Wasserverluste. „20 Leckagen an verschiedenen Rohren hatten wir in den vergangenen Jahren“, sagt Pfuhl. Jetzt hat die Kommune ihr Wassernetz digitalisiert – tritt irgendwo Wasser aus, kann die Gemeinde Lauben schnell reagieren.

Es ist ein bayernweit einzigartiges Projekt, das Lauben da umgesetzt hat. Unterstützt hat es das Digitalministerium mit einem 350 000 Euro schweren Zuschuss aus dem Fördertopf „Digital! Kommunal!“, das auf die Umsetzung digitaler und nachhaltiger Projekte zielt. „Smarte Technik schützt wertvolle Ressourcen – diesen Weg müssen wir in Verwaltung und Wirtschaft gehen“, sagt Digitalminister Fabian Mehring von den Freien Wählern. „Lauben kann dabei als Vorbild für ganz Bayern dienen.“

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Gestartet ist das Projekt noch unter Mehrings Vorgängerin Judith Gerlach (CSU). Pfuhl war damals Gemeinderat, als Maschinenbautechniker mit Berufserfahrung im Bereich Sensortechnik hat er sich aber von Beginn an eingebracht. Die Gemeinde hat neue Schächte gebaut und 35 Sensoren angebracht, vor allem an den großen Leitungssträngen des kommunalen Wassernetzes. Die Sensoren überwachen den Wasserdurchfluss, die Daten werden über ein eigens aufgebautes Funknetzwerk an die zentrale Software des Wasserwerks übertragen.

Für jeden Leitungsstrang haben Pfuhl und seine Mitstreiter Schwellwerte definiert, die auf der Erfahrung der Wasserwarte beruhen: Wie viel Wasser fließt hier üblicherweise durch? Früher haben die Wasserwarte die Daten in größeren Abständen mühsam von Hand abgelesen, da sind Abweichungen von der Norm teils erst spät aufgefallen. Vor allem bei nur kleinen Rissen in den Rohren. Oder ein Leck an einem Wasserrohr ist vielleicht erst dann aufgefallen, wenn es das Wasser aus dem Boden gedrückt hat. Heute erhalten die Wasserwarte eine Warnmeldung per SMS, wenn etwas nicht stimmt. Sie können die Leckage örtlich eingrenzen und dann exakt lokalisieren – was den Wasserverlust erheblich reduziert. Erste Leckagen und Auffälligkeiten in Lauben hat das System schon entdeckt.

Eine Käserei verbraucht etwa 90 Prozent des Wassers

3500 Einwohner hat Lauben, aber eine große Käserei, die etwa 90 Prozent des Wassers in der Gemeinde verbraucht. In einem Ortsteil hat Lauben einen ganzen Straßenzug mit Sensoren ausgestattet, einschließlich der Hauszähler. So will die Kommune testen, ob eine engmaschige Überwachung die Mehrkosten des noch höheren Aufwands rechtfertigt. Um abschätzen zu können, ob die Kosten-Nutzen-Rechnung des Projekts insgesamt stimmt, ist es laut Bürgermeister Pfuhl noch zu früh. Er rechnet aber damit, dass die Gemeinde am Ende „auf eine rote Null“ kommt. Er glaubt aber auch, dass größere Gemeinden tatsächlich einen wirtschaftlichen Nutzen aus einem digitalisierten Wassernetz ziehen können. „Die haben eine höhere Zahl an Rohrbrüchen.“

Natürlich aber geht es bei dem Pilotprojekt nicht nur um die Wirtschaftlichkeit, sondern auch um Ressourcenverbrauch. „Die Reduzierung und Optimierung des Wasserverbrauchs wird angesichts des Klimawandels immer wichtiger – auch für unsere Kommunen in Bayern“, sagt Minister Mehring. Bürgermeister Pfuhl denkt etwa an Gemeinden in Franken, die nicht mit so viel Wasser gesegnet sind wie das Allgäu. „Die Lösung aus Lauben eignet sich für die unkomplizierte Übernahme an zahllosen anderen Orten im Freistaat“, sagt Mehring. Ein Landkreis hat laut Pfuhl bereits in Lauben nach Informationen zur Digitalisierung angefragt.

Genau das ist das Ziel des Förderprogramms „Digital! Kommunal!“, das digitale Lösungen mit Modellcharakter vorantreiben soll, gerade beim Klima- und Umweltschutz. Auch Lauben hat bei einem Ideenwettbewerb mitgemacht und ist aus 76 Bewerbungen ausgewählt worden. Wobei Bürgermeister Pfuhl das digitalisierte Wassernetz nicht nur anderen Kommunen anpreisen will, sondern es in Lauben gleich selbst nachahmt: Die Gemeinde will Bodenfeuchte-Sensoren für die Bewässerung in Grünanlagen installieren. Und sie hat Sensoren inzwischen auch auf der Schulturnhalle angebracht, um die Schneelast zu messen.

„Das ist ein Sicherheitszugewinn bei geringem Kostenaufwand“, sagt Pfuhl. Bei der Digitalisierung des Wassernetzes schlugen nämlich vor allem die neuen Schächte zu Buche, die die Gemeinde dafür bauen musste. Die Sensoren sind vergleichsweise billig, bis zu 2000 Euro – und auf einem Schuldach schnell angebracht.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Bericht zu Unterbringung von Häftlingen
:Folterkommission kritisiert Zustände in JVA Gablingen – und den Justizminister

In der Affäre um angebliche Folter in der JVA Gablingen legt die Nationale Folterkommission ihren Prüfbericht vor: Es geht um den Verdacht der Täuschung, nackte Häftlinge und um das bayerische Justizministerium, das offenbar lange nicht an Aufklärung interessiert war.

SZ PlusVon Florian Fuchs

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: