Landtagswahl Wie eine Blitzkarriere bei den Grünen funktioniert

Benjamin Adjei hat mit seiner Kandidatur für die Grünen in Moosach eine Sensation geschafft - obwohl vorher niemand daran glaubte. Wer ist dieser Mann?

Porträt von Thomas Anlauf

Die Nacht war lang für Benjamin Adjei. Am Sonntag feierte er mit Hunderten grünen Parteifreunden den historischen Sieg bei der bayerischen Landtagswahl. Erst weit nach Mitternacht konnte der 28-Jährige auch für sich persönlich jubeln. Der Nachwuchspolitiker gewann das fünfte Direktmandat für die Grünen im Münchner Wahlkreis Moosach, mit 32 Stimmen Vorsprung vor der bisherigen CSU-Landtagsabgeordneten Mechthilde Wittmann. Eine Sensation, denn selbst auf der Grünen-Wahlparty wussten viele Parteifreunde nicht, wer der Neue ist.

Selbst enge Parteifreunde hatten Adjei kaum zugetraut, dass er nicht nur über die Liste, sondern sogar direkt in den bayerischen Landtag einziehen würde. "Mit einem Direktmandat habe ich auch nicht gerechnet", sagt Adjei. Dass er aber trotz Listenplatz 38 eine Chance haben könnte, davon war er einigermaßen überzeugt. "Die Stimmung der Leute an den Infoständen ist in den letzten Wochen ziemlich steil nach oben gegangen", sagt der erfolgreiche Wahlkämpfer. "Da war schon die Hoffnung, dass es für mich über die Liste klappen würde."

"Lieber machen, als meckern"

Adjei, gebürtiger Tegernseer, verbrachte seine Kindheit in den bayerischen Voralpen. Er hatte sich seit seinem Eintritt bei den Grünen vor sieben Jahren konsequent in der Politik von der Basis nach oben gearbeitet. Schon 2012 war er im Vorstand des Grünen-Ortsverbands Taufkirchen bei München, wohin er zum Studium der Finanz- und Versicherungsmathematik an der Hochschule München zog. Es war auch kein Zufall, dass Adjei 2014 ein Praktikum im bayerischen Landtag beim Fraktionschef der Landtagsgrünen Ludwig Hartmann machte: "Ich habe einfach Ludwig gefragt, und er hat gesagt, kein Problem."

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Vom Eintritt in eine Partei bis zum Landtagsabgeordneten in sieben Jahren, das nennt man wohl eine Blitzkarriere. Bekannte bezeichnen ihn als aufgeschlossen, aber auch als einen, der sich durchsetzen kann. Adjei selbst erinnert sich, dass er als Jugendlicher "immer viel gemeckert" habe, er engagierte sich schon früh für die Energiewende und schimpfte gegen die Atomkraft. Irgendwann wollte er dann aber auch "etwas machen, statt zu meckern".

Ein Leitspruch, der von der Grünen Spitzenpolitikerin Katharina Schulze stammen könnte. Mittlerweile hat Adjei sich bei den bayerischen Grünen einen Namen als Verkehrsexperte gemacht. In einer Kampfabstimmung erreichte er nach eigenen Angaben sogar, dass ein kostenloser öffentlicher Personennahverkehr für junge Menschen als Ziel der bayerischen Grünen festgeschrieben wurde.

Adjei gilt nicht als Parteiideologe, sondern eher als pragmatischer Politiker. Er ist ein typisch bayerischer Grüner, der nicht unbedingt einem politischen Lager angehört. Adjei isst auch gerne mal Fleisch, wobei er darauf achtet, woher die Ware kommt und wie die Tiere gehalten wurden. "Dann schmeckt's ja auch viel besser", sagt er. Seine Mutter ist Deutsche, der Vater kam einst von Ghana nach Deutschland und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Beruflich ist Adjei IT-Spezialist, für ein Münchner Unternehmen betreut er Projekte im Bereich künstliche Intelligenz und Data Science.

Adjei ist Sport wichtig. Er spielte lange Jahre im Fußballverein, bouldert gerne und arbeitet neben seinem Beruf in einem Fitnessstudio. Das Training an Hanteln und Sportgeräten wird wohl in den kommenden fünf Jahren ein wenig kürzer kommen, und wie es mit seinem eigentlichen Beruf weitergeht, weiß er auch noch nicht so genau. An diesem Montag bekam Adjei einen Vorgeschmack auf seine neue Arbeit, am Nachmittag berieten die Grünen im Landesausschuss über das weitere Vorgehen der Fraktion nach dem Wahlergebnis. Adjei ist dabei pragmatisch. Ob in der Regierung oder in der Opposition - "wichtig ist, was am Schluss herauskommt".

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