Landtagswahl in Bayern Nur ein Sonderparteitag könnte Seehofer abwählen

Am Montagvormittag trifft sich dann der Parteivorstand. Sollte es wirklich zu einer offenen Aussprache kommen, dürfte es eine lange Sitzung werden. Ebenfalls für Montag hat sich der alte Fraktionsvorstand verabredet, er bereitet die erste Fraktionssitzung am Dienstag vor. Die wesentlichen Verabredungen sollen bereits stehen: Der intern umstrittene Thomas Kreuzer soll Fraktionschef bleiben. Er hat Söders Segen und wird ihn dafür im Gegenzug als Ministerpräsidenten und Verhandlungsführer für Sondierungsgespräche vorschlagen. Ilse Aigner soll Landtagspräsidentin werden. Damit wäre die Macht auch gemäß dem Regionalproporz aufgeteilt: zwischen dem Franken Söder, der Oberbayerin Aigner und dem Schwaben Kreuzer.

Die Weichenstellung in der Partei dürfte abseits von München in den Bezirksvorständen vorgenommen werden. Die zehn Bezirksverbände sind ein Machtfaktor in der CSU, 2008 hatten sie großen Anteil am Sturz des damaligen Ministerpräsidenten Beckstein. Die Oberbayern waren damals als Erste vorgeprescht. Sie treffen sich diesmal am Montagabend, wie einige andere Vorstände auch. Freunde raten Seehofer, die Sitzung der Oberbayern aus Eigeninteresse auf keinen Fall zu verpassen.

So gerne sich viele von Seehofer verabschieden würden, so schwierig wäre es formal. Nur ein Sonderparteitag könnte ihn abwählen, aber auch nur dann, wenn der bis 2019 gewählte Parteichef dies selbst auf die Tagesordnung setzen würde. Davon ist nicht auszugehen. Seehofer werde um seine Ämter kämpfen, sagen Vertraute. Einen Sonderparteitag müsste der Vorstand beschließen - oder drei Bezirksverbände müssten ihn umständlich beantragen. Womöglich kann sich Seehofer so sogar Entlastung verschaffen: Wenn er am Montag einen Sonderparteitag vorschlägt, etwa um in ein paar Wochen über eine Koalition abstimmen zu lassen, könnte er Druck rausnehmen. Die Partei wäre beschäftigt, Seehofer hätte Zeit gewonnen. Bis zu diesem Sonderparteitag dürfte Seehofer dann um Ruhe bitten für Verhandlungen. "Wir wissen um unsere Verantwortung", sagte er in Ingolstadt mit Blick auf Söder und sich. Das klingt nach dem Kernelement seiner Strategie: Seehofer kettet sich an Söder - ob der will oder nicht.

Söder dürfte zwar als Ministerpräsident ungefährdet sein, aber gleichzeitig hätte er mit einem Ergebnis unter 40 Prozent wohl nicht die Stärke, zusätzlich den Parteivorsitz beanspruchen zu können. Deshalb könnte ein vorläufiger Verbleib Seehofers in Söders Interesse sein: So würde anderen Interessenten am CSU-Chefsessel der Weg verbaut, er müsste die Macht nicht auf Dauer teilen. Die Ambitionen des Europapolitikers Manfred Weber sind gut verbürgt, auch dem Berliner Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wird dies nachgesagt. Der liberale, im Ton eher milde Weber oder der konservative, oft scharfe Dobrindt: Das wäre eine Richtungswahl für die CSU.

Söder will sich aus all dem raushalten. In seinem Umfeld heißt es aber, dass er eher mit Weber leben könnte als mit Dobrindt. Dass Söder und Weber am Dienstag gemeinsam auftraten, wird als symbolischer Akt gewertet. Die Herausforderung für Weber wäre, die Partei zu überzeugen, dass sich die Berliner Pflichten eines Parteichefs mit dem Dienstort Brüssel verbinden lassen. Weber bräuchte in Berlin einen Statthalter, dem er vertrauen kann. Sein Rivale Dobrindt kann es nicht sein. Viele haben Joachim Herrmann im Auge, den Landesinnenminister. Wenn Seehofer als Parteichef geht, wird er auch kaum Bundesinnenminister bleiben wollen - Herrmann wäre der logische Nachfolger.

Die möglichen Koalitionspartner der CSU - Grüne, Freie Wähler und die FDP - pflegen übrigens die leise Hoffnung, dass sie am Ende mit einer CSU-Chefin und Ministerpräsidentin verhandeln dürfen: Ilse Aigner. Diese allerdings hat in der CSU kaum mehr einer auf der Rechnung. Bei der Hoffnung wird es bleiben.

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