Landtagswahl in Bayern Briefwahl-Rekorde in bayerischen Großstädten

Viele Bayern machen ihr Kreuz diesmal lieber daheim. Zwei Tage vor der Landtagswahl melden viele Rathäuser: So einen Ansturm bei der Briefwahl hat es noch nie gegeben. In München beantragten etwa 257.000 Wähler ihre Stimmzettel - fast 80 Prozent mehr als 2008. Doch das sorgt auch für Probleme.

Der Ansturm auf die Briefwahl hat Bayerns Großstädten neue Rekorde beschert. So viele Bürger wie nie zuvor haben sich dort für die Abstimmung per Post entschieden. In München beantragten bis Freitagvormittag etwa 257.000 Wähler ihre Stimmzettel. Das sind fast 80 Prozent mehr als bei der letzten Wahl - und bereits deutlich mehr als ein Viertel aller Wahlberechtigten. Nürnberg zählte 75.000 ausgegebene Wahlunterlagen, vor fünf Jahren waren es nur 46.000.

In Bayern sind am Sonntag insgesamt 9,5 Millionen Bürger zur Wahl eines neuen Landtags aufgerufen. Erstmals konnte die Briefwahl in diesem Jahr ohne Angabe von Gründen beantragt werden. Die unerwartet hohe Nachfrage hat die Wahlämter aber auch vor Schwierigkeiten gestellt. So mussten viele Kommunen eilig Unterlagen nachdrucken, einige Rathäuser stellten zusätzliche Mitarbeiter ab oder legten Sonderschichten ein.

Landtagswahl Bayern So funktioniert die Landtagswahl
Crashkurs bayerisches Wahlrecht

So funktioniert die Landtagswahl

Am 15. September wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Was erwartet die Bürger in der Wahlkabine? Was sind die Unterschiede zur Bundestagswahl? Und was hat es mit den Volksentscheiden auf sich? Ein Überblick.

In München mussten viele Bürger lange auf Post warten, weil den Behörden die Unterlagen ausgegangen waren. "Wir hatten einen Durchhänger", räumte Münchens Wahlleiter Wilfried Blume-Beyerle ein. "Der ist inzwischen bewältigt, der Rückstau ist vollständig abgebaut." In Nürnberg hatten zudem Probleme bei der Zustellung für Wirbel gesorgt, schuld soll ein privater Briefzusteller sein. Das Wahlamt stellte auf Antrag Ersatz-Wahlscheine aus.

"Ich bin seit 20 Jahren Wahlleiter, so etwas habe ich noch nie erlebt", sagte der Leiter des Augsburger Bürgeramtes, Klaus Sulzberger. Dort gingen bis Freitag knapp 31.000 Anträge ein, 2008 waren es 17.000. Die Stadt Regensburg lag bei knapp 24.000 Anträgen, rund 70 Prozent mehr als vor fünf Jahren.

Bis Freitagnachmittag konnten Bürger die Briefwahl beantragen. Abgegeben werden können die Wahlumschläge bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntag. Erst dann ist klar, wie viele der Stimmzettel auch ausgefüllt und abgegeben wurden. Erfahrungsgemäß ist die Wahlbeteiligung der Briefwähler aber sehr hoch.

Hacker rechnet fest mit Wiedereinzug in den Landtag

Derweil geht der Landtagswahlkampf in Bayern in die Schlussphase. Am Donnerstagabend traten CSU-Chef Horst Seehofer und SPD-Herausforderer Ude noch einmal in München auf. Für Freitag und Samstag hat der Ministerpräsident keine größeren Wahlkampftermine mehr geplant. Ude dagegen will bis Samstagnachmittag im Einsatz sein - in Erding, bei einer Kundgebung in Freising und zum Abschluss am Samstag in der Münchner Fußgängerzone.

Offizielles Wahlziel der CSU ist die Fortsetzung der Koalition mit der FDP. In den veröffentlichten Umfragen lag die Partei zuletzt bei 47 bis 48 Prozent - was voraussichtlich eine absolute Mehrheit der Sitze im Münchner Maximilianeum bedeuten würde. "Das halte ich von allen Möglichkeiten für die unwahrscheinlichste" sagte Seehofer jedoch im Bayerischen Rundfunk.

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Herausforderer Ude verspürt Aufwind für die SPD, die zuletzt in den Umfragen zwischen 18 und 21 Prozent lag. "Ich habe den Eindruck, die Bevölkerung hat erst jetzt angefangen, sich für die Landtagswahl zu interessieren", sagte der Münchner Oberbürgermeister. Für die Grünen soll am Freitag der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach München reisen.

Die laut Umfragen vom Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde bedrohte FDP hat für Freitag ihre offizielle Abschlusskundgebung in München geplant. Ungeachtet der niedrigen Umfragewerte zwischen drei und fünf Prozent rechnet FDP-Fraktionschef Thomas Hacker fest mit einem Wiedereinzug in den Landtag: "Acht Prozent sind unser Wahlziel. Ich gehe aber nach den Gesprächen mit den Bürgern in den vergangenen Tagen davon aus, dass das eher die Untergrenze sein wird."

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