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Abgeordnete:Keine Zeit für den Gang zum stillen Örtchen

Kontrolle zurückgewinnen: Wie Inkontinenz behandelt wird

Die eine oder andere Toilettenpause wäre in den Ausschüssen angebracht - für die Einzelkämpfer.

(Foto: dpa-tmn)

Der Wählerwille kann manch erprobte Regel deutlich aus den Angeln heben. So wie bei der SPD, die in manchen Ausschüssen nur noch einen Abgeordneten sitzen hat.

Kolumne von Lisa Schnell

Politiker sollen sich vorbildlich verhalten, das ist klar, aber natürlich sind Politiker auch nur Menschen. Auch sie verfluchen manchmal die Maskenpflicht im Landtag, wenn es fast 30 Grad hat und die Luft unter diesem Ding einfach unerträglich ist. Auch sie können sich kurz vor den Sommerferien wohl Besseres vorstellen, als in einem fast leeren Saal ihre Reden zu halten. Und trotzdem: Von so gut wie jedem Abgeordnetenohr baumelt eine Maske, und auch wenn wegen Corona nur wenige Zuhörer da sind, bemüht man sich doch um einen gewissen Unterhaltungswert.

Es gibt allerdings ein paar Bedürfnisse, denen der Mensch kaum widerstehen kann, auch der Politiker nicht. Dazu gehört etwa der Schlaf. Wie schwer es ist, ohne ihn auszukommen, kann gut an Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beobachtet werden, der bei besonders langen Pressekonferenzen gerne mal ein Sekunden-Nickerchen macht. Parteiübergreifend gibt es zudem eine unausgesprochene Einigkeit unter den Rauchern, dass Ausschusssitzungen nach einem gewissen Zeitraum unbedingt für eine kurze Pause unterbrochen werden müssen.

Eine ebenso große Kulanz aufseiten der anderen Fraktionen würden sich die Mitglieder der SPD nun auch bei einem anderen Bedürfnis wünschen, das als noch viel dringlicher einzustufen ist als eine Zigarette. Niemand redet viel darüber, aber jeder weiß es natürlich: Auch Politiker müssen manchmal auf die Toilette. Und auch sie suchen dafür ein stilles Örtchen auf, eine Beschreibung, die nur sehr bedingt auf eine Ausschusssitzung zutrifft. Kurz: Wen dieses nur allzu menschliche Bedürfnis plagt, der muss den Raum verlassen.

Lange war das für die SPD kein Problem, sie hatten in jedem Ausschuss mindestens zwei Mitglieder, da konnte der eine schon mal raus. Jetzt aber, da der Wählerwille die Fraktion geschrumpft hat, sitzt in einigen Ausschüssen nur noch ein SPD-Mitglied. Und wenn das mal muss, gibt es dafür bei den anderen Fraktionen nur wenig Verständnis. So klagen zumindest einige Sozialdemokraten. Manch einer stellte schon die Überlegung an, eventuell einen Nachttopf mitzunehmen. Bevor das aber geschieht, seien die anderen Fraktionen doch angehalten, die eine oder andere Pause mehr zu machen. Das zumindest wäre vorbildlich.

© SZ vom 10.07.2020/vewo

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