Landtag:Der Generationswechsel ist vollbracht

Schulze findet manches "nicht so geil", sagt "Geht's noch?" und nennt Professoren auch mal "Typi". Sie redet gerne in einer Art Comic-Stil, der sich etwa so anhört: "Dann sag ich: Hey, ich bin die junge Generation. Und hallo! Da geht doch was schief! Und die sagen: Äh, wir machen aber so weiter." Manchmal sei sie vielleicht noch etwas zu quirlig für den Landtag, sagt einer. Dass sie dem Fraktionsvorsitz aber nicht gewachsen sein könnte, sagt niemand.

Sicher, sie habe noch einiges zu lernen. Jetzt stürme sie gern drauf los, Hauptsache Aktion, Hauptsache sofort. Die Strategie, wie ein Thema effizient platziert werde, fehle noch ein wenig. Ansonsten ist die Fraktion aber ein Schulze-Fan-Club. Selbst wer sonst gerne Kritik äußert in der Fraktion, schweigt. Die einzige Kandidatin beschädigen will niemand.

Die jetzige Fraktionsvorsitzende Margarete Bause rief sie zu ihrer "Wunschkandidatin" aus. "Die Frau hat mehr drauf als die meisten im politischen Betrieb", sagt nicht nur Sepp Dürr, selbst ehemaliger Fraktionschef. Sie könne nach außen wirken, aber auch in die Partei hinein. Der Generationenwechsel sei vollbracht. Was die Generation Schulze ausmache? Dazu will Schulze erst etwas sagen, wenn sie gewählt ist. Innenpolitische Sprecherin werde sie weiter bleiben.

Als Bildschirmschoner hat Schulze einen Spruch auf ihrem Handy: "Es bleibt immer was hängen". Auch sie hat den politischen Aufstieg in München nicht spurlos überstanden. Kritik perle an Schulze ab wie an Teflon, sagen Wegbegleiter. Das sei positiv, weil sie sich nicht runterziehen lasse, mache sie aber auch beratungsresistent. Es gehe ihr immer darum, sich selbst zu promoten. Als Fraktionsvorsitzende müsse man aber auch anderen den Platz zur Profilierung lassen. Und dann diese Energie! Sie könne anstecken, aber auch frustrieren. "Ihr Leben ist zu 100 Prozent Politik", sagt einer. Wer da nicht mithalten könne, der sei eben nicht mehr dabei. So viel Energie, das mache einen fertig.

"Ich trinke eben viel Spezi", sagt Schulze und lacht. "Es gibt einfach so viele Dinge, die mich antreiben." Abwarten bis es jemand anders macht, das kann sie nicht. Wenn mal was schiefläuft, ist die Devise: "Abschütteln und weiter machen." Jeder Tag ist eine To-do-Liste, die Schulze abarbeitet. Für jedes Thema hat sie einen Konzeptplan.

Und einfach mal ein Bier? Eher einen Tee, Alkohol schmeckt ihr nicht. Aber klar, auch sie denke manchmal nicht an Politik. Etwa wenn sie ihren Bruder daheim in Herrsching beim Handballspielen anfeuert. Aber wenn keine Zeit zum Abschalten bleibt, dann sei das auch okay. "Dann geht man eben früher ins Bett", sagt sie.

© SZ vom 15.02.2017/vewo
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