Landshut:Spezlwirtschaft auf der Landshuter Dult?

Landshuter Dult

Die Landshuter Bartlmädult gehört zu den traditionellen Volksfesten in Bayern.

(Foto: PR)
  • Zwei Wirte streiten darum, welches Zelt auf der Landshuter Dult den Zuschlag hätte bekommen müssen.
  • Die Stadträte haben sich sich für das Zelt von Festwirt Franz Widmann junior entschieden, die Bewerbung seines Konkurrenten Peter Vorholzer bekam weniger Stimmen.
  • Das Regensburger Verwaltungsgericht urteilte nun, dass die Vergabe nicht rechtens war.

Von Andreas Glas, Landshut

Über Recht und Unrecht hat am Ende vielleicht auch das Backhendl entschieden. Das Steirische Backhendl, das im Unterschied zum Brathendl gebacken wird und neben einem Salatbouquet ruht, einbalsamiert mit Kürbiskernöl. Im Festzelt Widmann auf der Landshuter Bartlmädult wird das feine Backhendl (17,90 Euro) vom Gourmetkoch zubereitet und nur dort serviert, wo die feinen Leute sitzen: in den Boxen.

Der Gourmetkoch "ist ein Alleinstellungsmerkmal", findet Festwirt Franz Widmann junior. Das fanden offenbar auch die Landshuter Stadträte - und stuften Widmann juniors Küchenqualität höher ein als die eher brathendllastige Bewerbung seines Konkurrenten Peter Vorholzer. Am Ende entschied der Landshuter Dultsenat: Widmann junior kriegt das Zelt, Vorholzer geht leer aus.

Zu Unrecht, wie das Regensburger Verwaltungsgericht am Donnerstag urteilte. Dass sich Widmann und Vorholzer am Donnerstag vor Gericht trafen, hatte freilich nicht nur mit dem Hendl zu tun. Aber weil die Entscheidung über die Festzeltvergabe 2017 recht knapp ausfiel, könnte es eine entscheidende Rolle gespielt haben. Peter Vorholzer focht die Festzeltvergabe an, weil er glaubte, dass es dabei nicht um gastwirtschaftliche Kriterien ging, sondern um Spezlwirtschaft. Die Festzelt-Posse könnte also auch für die Stadt Landshut noch heikel werden.

Doch zunächst zur Ausgangslage: Die Landshuter Stadtverwaltung hatte die Vorholzer-Bewerbung um das größte Dult-Festzelt mit 366 Punkten zunächst hauchdünn besser bewertet als die Widmann-Bewerbung (362). Das letzte Wort aber haben die zehn Stadträte im Dultsenat. Sie kassierten die Empfehlung der Verwaltung und bewerteten die Bewerbungen neu. Ergebnis: 404 zu 366 für Widmann. Nach der nicht öffentlichen Abstimmung sagte der Dultsenat-Vorsitzende Erwin Schneck (Freie Wähler): "Letztlich gab die hohe Qualität dieser Bewerbung den Ausschlag."

Man muss wissen: Das Kriterium "Qualität der Produkte" hatte bei der Zeltvergabe nach Punktesystem das höchste Gewicht. Also widmete sich der Vorsitzende Richter zu Beginn der Verhandlung der Speisekarte im Widmann-Zelt - und damit dem Backhendl, den Fleischpflanzerln mit Trüffeljus und anderen Köstlichkeiten, die ein Feinkostunternehmen ins Widmann-Zelt lieferte. "Es geht hier um ein traditionelles Volksfest", sagte Vorholzers Anwalt Klaus Luckow. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, dass Stadt und Dultsenat dem Gourmet-Angebot in der Widmann-Bewerbung "so viel Gewicht beigemessen haben".

Schmutziger Kampf im Gerichtssaal

Für Vorholzer selbst ist die Gourmet-Speisekarte eh nur ein Alibi-Argument des Dultsenats gewesen, um die Widmann-Bewerbung durchzudrücken. Seine Filz-Theorie geht so: Dultsenat-Chef Schneck sei nicht nur Parteikollege, sondern "Spezi" von Franz Widmann juniors Mutter Jutta Widmann, die für die Freien Wähler (FW) im Stadtrat und im Landtag sitzt. Erwin Schneck und Robert Mader, ebenfalls FW-Stadtrat im Dultsenat, seien "gebrieft worden, den Rest des Dultsenats mit fadenscheinigen Argumentationen einzulullen", um die Räte pro Widmann zu beeinflussen. Franz Widmann junior und die genannten Stadträte weisen dies zurück.

Dann wurde es schmutzig in Saal 1 des Verwaltungsgerichts. Es ging um das Kriterium "Bekannt und bewährt", das bei der Vergabe ebenfalls hoch gewichtet wurde. Je zuverlässiger ein Bewerber, desto mehr Punkte kriegt er. Dass der Dultsenat Franz Widmann junior als zuverlässig eingestuft habe, sei unplausibel, sagte der Vorholzer-Anwalt.

Das Urteil könnte teuer werden

Schließlich habe sich Widmann junior vor zwei Jahren, am Rande der Niederbayernschau, wo es ebenfalls ein Widmann-Zelt gibt, betrunken und unter Drogen ans Steuer gesetzt und sei von der Polizei erwischt worden. "Wir wollen keine Schlammschlacht", konterte Widmanns Anwalt, aber eines wolle er dazu schon loswerden: Erstens sei das Verfahren gegen Widmann junior nach Paragraph 153 a endgültig eingestellt worden. Und zweitens sei es doch eher Vorholzer, der bereits in komische Machenschaften verwickelt gewesen sei. Er spricht von "Autoschieberei" und "Betrug". Vorholzer widerspricht nicht.

Nach der Verhandlung beriet sich das Gericht noch einmal, auch über andere Vergabekriterien. Unter anderem über die Preise im Bierzelt, die bei Vorholzer niedriger gewesen wären. Darüber, ob Widmann bei der Dult 2016 gegen den Lärmschutz verstieß und der Dultsenat ihn als weniger zuverlässig hätte einstufen müssen. Und darüber, ob Widmann glaubwürdig ist, wenn er versichert, in Landshut zu wohnen - denn auch die Ortsansässigkeit gibt Extrapunkte beim Vergabeverfahren. Am Freitag will das Gericht Details zur Entscheidung öffentlich machen. Für die Stadt Landshut könnte das Festzelt-Urteil indes teuer werden. Es stehen Schadenersatzforderungen im Raum.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes fehlte der Hinweis, dass der Anwalt Widmanns in der Verhandlung auf die Einstellung des erwähnten Verfahrens nach § 153 a StPO hingewiesen hatte. Das haben wir ergänzt.

© SZ vom 01.12.2017/vewo
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