Landshut Landshut streitet: Ist dieses Haus Farbtupfer oder Schandfleck?

Die auffällige Farbe dieses Hauses gefällt in Landshut nicht jedem.

(Foto: oh)
  • Ein Malermeister hat im niederbayerischen Landshut ein Haus in knalligen Grüntönen gestrichen.
  • Im Stadtrat empfand man die Fassade mehrheitlich als Störung des Ortsbildes. Die Stadt klagt nun wegen Verunstaltung.
  • Der Maler spricht von "großem Zuspruch aus der Bevölkerung".
Von Katharina Schmid, Landshut

Farben sind Geschmackssache, und über Geschmack lässt sich nicht streiten; zumindest besagt das eine hinlänglich bekannte Redensart. Dass sich in der Realität über Geschmack und damit über Farben ganz vortrefflich streiten lässt, das zeigt dieser Tage ein Fall aus Landshut. Dort hat die Stadt Klage eingereicht gegen einen Malermeister, der ein Wohnhaus an der viel befahrenen Luitpoldstraße in knalligen Grüntönen gestrichen hat. Die Stadt will, dass die Fassade in dezenteren Farben bemalt wird, der Malermeister sieht dafür keinen Grund.

Er habe lediglich den Leuten, die an dem Haus vorbeifahren, "ein Lächeln ins Gesicht zaubern" wollen, die Farbgestaltung sei weder als Provokation noch als PR-Gag für seine Firma gedacht, sagt Malermeister Franz Rebl. "Es ist einfach meine Philosophie, etwas Neues und Anderes zu machen und den Leuten zu zeigen, was Farbe alles kann."

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In der Szene der Liebhaber markant gestalteter Fassaden dürfte der Maler aus Landau an der Isar kein Unbekannter sein. So gab es in Regensburg 2009 einen ganz ähnlichen Streit zwischen Rebl und der Stadt. Auch dort ging es um ein Haus, dessen Anstrich auf Ablehnung in der Regenburger Stadtverwaltung gestoßen war und ihr zufolge in seiner "unsensiblen Disharmonie von Fassaden- und Farbgestaltung" ein Verstoß gegen "anerkannte Gestaltungsprinzipien" sei.

Rebl hatte Regensburg seinerzeit mit einer Klage gedroht, sollte die Stadt auf ein Umstreichen des "bunten Hauses" an der Drehergasse bestehen. Diese hatte sich auf eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht einlassen wollen und das Haus blieb, wie es war: bunt. Anders der Fall in Landshut. Dort ist die Stadt nun aktiv geworden und will die Farbe des im Frühjahr des vergangenen Jahres grün gestrichenen Hauses notfalls per Gerichtsbeschluss ändern lassen. Im Stadtrat war die Gestaltung der Fassade mehrheitlich als Störung des Ortsbildes beurteilt worden, auch weil es die Sichtachse auf die historische Altstadt beeinträchtige. So sieht es auch das Landesamt für Denkmalschutz, das ebenfalls Kritik an der Fassadengestaltung geäußert hatte. Nun klagt die Stadt und stützt sich auf den Vorwurf der Verunstaltung.

"Das ist eine sensible Stelle in der Stadt und kein Neubaugebiet, in dem so etwas vielleicht noch geht", sagt Gerd Steinberger, Stadtrat und selbst Malermeister. Es sei ganz richtig, dass die Stadt durch eine Klage deutlich mache, dass "sie so etwas nicht wolle". Steinberger befürchtet zudem, dass die auffällige Fassade Verkehrsteilnehmer vom Geschehen auf der Straße ablenken und es so zu mehr Unfällen kommen könnte. Die Landshuter Polizei bestätigt diese These nicht. Es gebe "keinerlei Anzeichen", dass an besagter Stelle mehr Unfälle passiert seien als vor dem Anstrich.

Auch die Landshuter Bevölkerung ist geteilter Meinung. Die grüne Fassade sei keineswegs nur auf Ablehnung gestoßen, berichtete die Landshuter Zeitung. Rebl selbst spricht sogar von "großem Zuspruch aus der Bevölkerung". Der Verhandlung vor dem Regensburger Verwaltungsgericht sehe er deshalb "sehr entspannt" entgegen. Am 30. Mai obliegt es diesem, in der Geschmacksfrage Fassadenfarbe zu entscheiden.

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