Die Isar mit ihren zwei Armen, sagt Hermann Damböck, sei in Landshut „prägend für die Stadt“. Das Problem in seinen Augen ist jedoch: „Da passiert nix – anders als zum Beispiel in Regensburg.“ Dort haben sie zwar keine Isar mit zwei Armen, aber eine Donau, an deren Promenade im Vergleich zu Landshut einiges geboten sei.
Auch deshalb haben sieben Gleichgesinnte sich in Landshut vergangenes Jahr zusammengetan und den Verein „Kunst an der Isar“ gegründet. Dieser setzt sich, so ist auf seiner Webseite zu lesen, „mit Leidenschaft dafür ein, die Isar als kulturellen und künstlerischen Raum erlebbar zu machen“. Den Mitgliedern, das betont Damböck, der Vorsitzende des Vereins, geht es aber auch darum, durch die Kultur ganz generell „die Isar zum Leben zu erwecken, wir wollen die Landshuter rausholen“.
Ganz konkret versuchen sie das im Juni und Juli mit einem Projekt, das den gleichen Namen trägt wie der Verein, bereits im Jahr 2012 seine Premiere feierte und 2015 wiederholt wurde. Bei der dritten Auflage diesen Sommer wird die Isar in Landshut nun erneut zum Ausstellungsraum. Zu sehen ist dabei von 27. Juni bis 23. Juli „zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum – direkt am oder im Fluss, offen für alle Menschen“.
Insgesamt 14 Künstlerinnen und Künstler konnte der Verein für das Projekt gewinnen, die im Sommer zwischen Luitpoldbrücke und Maxwehr an oder in der Isar ihre Werke präsentieren werden. In Kooperation mit Kulturverbänden in Niederbayern und der Oberpfalz sowie der Akademie der Bildenden Künste in München erfolgte vergangenes Jahr die Ausschreibung. Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern des Vereins, traf schließlich die Auswahl. Mit dabei bei der diesjährigen Ausstellung sind etwa der renommierte Bildhauer Andreas Kuhnlein mit seiner Skulptur „Seitenblicke“ oder Martina Kreitmeier, die sich mit der fünf Meter großen Holzskulptur „Balance – Wege zum Frieden“ an dem Projekt beteiligen wird.
Während etwa Kreitmeier dieser Tage mit der Arbeit an ihrem Kunstwerk beginnt, regelt der Verein im Hintergrund das Organisatorische. Die Aufgaben sind vielfältig und zahlreich. Ein Aufwand, den zu bewältigen für Ehrenamtliche, die beruflich stark eingespannt sind, nicht immer einfach ist. Das war auch der Grund, warum sich der Verein nach den ersten beiden Auflagen der Ausstellung wieder aufgelöst hat. „Wir haben alle viel gearbeitet, waren teilweise als Selbständige stark eingespannt“, berichtet Damböck.
Inzwischen ist das anders. Der Vorsitzende selbst zum Beispiel ging vor zwei Jahren in Rente, hat nun wieder mehr Zeit, sich seiner Leidenschaft, der Kultur, zu widmen. So fand sich wieder eine Gruppe Engagierter zusammen, die im vergangenen Jahr schließlich den früher schon einmal bestehenden und dann aufgelösten Verein neu gründete. Dieser vereint nach eigener Beschreibung „alt eingesessene Landshuter mit jungen, kreativen Köpfen von außerhalb. Mit unseren vielfältigen Hintergründen und Qualifikationen bringen wir unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen zusammen“. Das ergebe eine inspirierende Mischung, „die unser Projekt bereichert und uns antreibt, Kunst, Natur und Gemeinschaft auf einzigartige Weise zu verbinden“.
Der Verein, das betont der Vorsitzende, „stellt nicht nur einfach irgendwo Kunst hin, sondern wir versuchen auch, diese zu vermitteln“. So organisieren die Mitglieder in der Stadt auch Führungen mit Schulklassen „und verbinden das Historische mit der Kunst“. Sicher auch ein Grund dafür, warum der gemeinnützige Verein durch den Kulturfonds Bayern gefördert wird.
Man wolle zeigen, „dass Landshut nicht nur die Laho-Stadt ist“, sagt der Vereinsvorsitzende
Neben dem Ansinnen, Kunst und Kultur zu fördern, wollen die Vereinsmitglieder mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement auch zeigen, dass Landshut mehr zu bieten hat als die „Landshuter Hochzeit“, das historische Spektakel, durch das es überregionale Bekanntheit erlangt hat. „Wir wollen Landshut so darstellen, dass es eben nicht nur die Laho-Stadt ist“, sagt der Vorsitzende.
Die Arbeit des Vereins wird auch von der Stadt anerkannt, die beim Projekt „Kunst an der Isar“ mit diesem kooperiert und auch finanziell fördert. Kein unwichtiger Aspekt, jeder Euro ist willkommen, bei Kosten von insgesamt 25 000 bis 30 000 Euro, die das Vorhaben verursacht. Eine Summe, die für die Mitglieder des Vereins einen großen finanziellen Kraftakt bedeutet. Jede Künstlerin und jeder Künstler erhält für seine Teilnahme jeweils eine Aufwandsentschädigung von 1000 Euro. Auch sonst läppern sich die Kosten. So sind allein für einen Stromkasten, mit dessen Hilfe für den Stiefelbrunnen des Künstlers Martin Stiefel Wasser aus der Isar gepumpt wird, 1400 Euro fällig.
Für die Vereinsmitglieder hieß es deshalb: Klinken putzen und bei potenziellen Sponsoren vorsprechen, bei denen in diesen Zeiten das Geld auch nicht mehr so locker sitzt. Knapp ein Dutzend kam letztlich zusammen. Wenn das Geld am Ende dennoch nicht reicht, so die Übereinkunft innerhalb des Vereins, dann springen die Mitglieder mit ihrem Privatvermögen ein. „Das ist es uns wert“, sagt der Vorsitzende.
Neben dem finanziellen bedeutet das Projekt auch einen hohen logistischen und organisatorischen Aufwand. Einfach ein paar Kunstobjekte in den Fluss stellen und ein paar Wochen später wieder alles aufräumen, so einfach läuft das nicht. Die Organisatoren müssten beispielsweise gewährleisten, dass die Kunstobjekte bei Hochwasser innerhalb von 24 Stunden aus der Isar entfernt werden können, berichtet der Vorsitzende. Mit zahlreichen Behörden, vom Wasserwirtschaftsamt angefangen, muss sich der Verein dafür abstimmen. Für die Installation der Kunstwerke müssen teilweise Straßen gesperrt und die Hilfe des Technischen Hilfswerks in Anspruch genommen werden.
Für Hermann Damböck und seine Mitstreiter offenbar kein großes Ding. „Im Vordergrund“, so sagt er, „stehen die Künstler“. Und dass sich an der Isar in Landshut ein bisschen mehr rührt.


