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Landshut:Isar 1 wird umgehend abgeschaltet

Der Betreiber des AKW Isar 1 reaegiert auf die Atomdebatte: Eon will das umstrittene Kraftwerk umgehend abschalten. Und was bedeutet das für die Arbeitsplätze?

Nach den Atomunfällen in Japan wird das umstrittene bayerische Atomkraftwerk Isar 1 umgehend abgeschaltet. Für die Dauer des von der Bundesregierung angekündigten Moratoriums werde der Betrieb der Anlage unterbrochen, teilte der Betreiber Eon am Dienstag in Düsseldorf mit - das Moratorium gilt für drei Monate.

Kernkraftwerk Isar

Eon will das Atomkraftwerk Isar 1 umgehend abschalten.

(Foto: dapd)

Formal muss der Meiler zwar zunächst nur vorübergehend vom Netz - die Staatsregierung will ihn aber dauerhaft abgeschaltet lassen. "Wir wollen, dass es dabei auch bleibt", sagte Umweltminister Markus Söder (CSU) am Dienstag. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die dauerhafte Abschaltung müsse aber der Bund klären, betonte er. Damit ist das endgültige Aus für den ältesten Meiler im Freistaat besiegelt: Söder hatte bereits am Montag angekündigt, Isar 1 abschalten zu wollen.

Kurz vor der Eon-Mitteilung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, dass alle Kernkraftwerke, die vor 1980 erbaut wurden, bei der anstehenden Sicherheitsprüfung des gesamten deutschen Atomkraftwerksparks vom Netz gehen. Darauf hatte sich Merkel zuvor beim einem Treffen mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und weiteren Länder-Regierungschefs in Berlin verständigt.

Eon wolle mit seiner Entscheidung eine "offene und kritische Bewertung" durch die zuständigen bayerischen Aufsichtsbehörden erleichtern, erklärte Vorstandschef Johannes Teyssen. Isar 1 ist das älteste Kernkraftwerk, das Eon in Deutschland betreibt.

Auch die Grünen im Landtag fordern, Isar 1 dauerhaft vom Netz zu nehmen. "Es ist bitter, dass es erst die schrecklichen Bilder aus Japan gebraucht hat, um CSU und FDP hier auf den Weg der Vernunft zu bringen", sagte der energiepolitische Sprecher Ludwig Hartmann und fordert, dass Isar 1 auch nach dem Moratorium nicht mehr ans Netz geht. "Stilllegen ist die einzig konsequente Antwort für die Sicherheit der Bevölkerung." Auch für die anderen bayerischen Atomkraftwerke müsse die beschlossene Laufzeitverlängerung rückgängig gemacht werden, so seine Forderung an die Staatsregierung.

Die geplante Abschaltung des Atomkraftwerks Isar 1 wird in der Region mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Während Atomkritiker erleichtert sind, machen sich Anwohner in den angrenzenden Gemeinden Gedanken über die etwa 700 Arbeitsplätze in den beiden Isar-Blöcken im Landkreis Landshut.

Niederaichbachs Bürgermeister Josef Haselbeck (CSU) kann nicht verstehen, warum die erst vor wenigen Monaten beschlossene Verlängerung der Laufzeit wieder zurückgenommen werden soll. "Bisher hat die Regierung gesagt, unsere Kernkraftwerke sind sicher. Ich denke, dass sich daran nichts geändert hat", sagte er. Eine Überprüfung des Meilers nach den jüngsten Vorfällen sei angemessen. Aber wenn er sicher sei, solle er auch weiter betrieben werden.

Sein Amtskollege Fritz Wittmann aus dem benachbarten Essenbach sieht das mögliche Aus für Isar 1 nach eigener Aussage neutral. Eine Abschaltung sei letztlich eine politische Entscheidung. "Wenn man es nicht mehr verantworten kann, dann muss man es abschalten - keine Frage." Wittmann ist von den Freien Wählern, die sich ohnehin bereits für eine Stilllegung des Kraftwerks ausgesprochen hatten. "Ich habe die Laufzeitverkürzung und die Laufzeitverlängerung zur Kenntnis genommen, ich nehme auch dies zur Kenntnis", meinte Wittmann. "Ich habe auch kein Problem damit."

Allerdings würden sicherlich einige seiner Mitbürger ihren Job verlieren. Die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze werden allerdings nach Angaben des Betreibers Eon nicht so dramatisch sein. Es sei nicht mit einer Fabrikschließung vergleichbar, bei der von heute auf morgen die Menschen auf der Straße stehen, sagte Kraftwerkssprecher Johann Seidl. "Wir brauchen die Leute noch für den geordneten Weiterbetrieb, auch wenn die Anlage abgeschaltet ist."

Ein großer Teil der Belegschaft werde auch für den Abriss benötigt. Und diese Demontage der Anlage könne bis zu zehn Jahren dauern. Zudem könnten die Ingenieure auch in anderen Bereichen bei Eon arbeiten, erklärte Seidl.

Dennoch verfolgten die Isar-1-Beschäftigten die aktuelle Diskussion mit Unverständnis. "Natürlich verärgert das die Mitarbeiter sehr", meinte Seidl. "Rein technisch oder rational betrachtet versteht das keiner."

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