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Architektur:Landshuts Altstadt sieht noch so aus wie vor 500 Jahren

Die "Alte Post" stammt aus dem 14. Jahrhundert.

(Foto: Peter Litvai)

Die Frage ist, wie lange das unter dem Druck der Finanzhaie so bleibt. Eine Journalistin hat die Fassaden der alten Häuser porträtiert.

Die Stadt Landshut bekommt die Dynamik der Globalisierung immer heftiger zu spüren. In ihrer Nachbarschaft brummt der Münchner Großflughafen, der Zuzug übertrifft alle Prognosen, an allen Ecken herrscht hektischer Aufbruch. Andererseits besitzt die Stadt immer noch etwas Beharrendes. In ihrem Kern schaut sie aus wie vor 500 Jahren. Diese Melange aus Tradition und Fortschritt macht Landshut attraktiv. Allerdings kollidiert der Fortbestand des gotischen Stadtbildes mit den Interessen ungeduldiger Investoren und Konzerne. Es ist eine spannende Frage, wie lange der alte Baubestand dem Druck der Finanzhaie standhalten wird.

Hoffnung weckt diesbezüglich ein Buch der Landshuter Journalistin Rita Neumaier. Es trägt den schlichten Titel "Landshuter Häuserporträts", aber umso famoser ist der Inhalt. Anhand von 30 Beispielen zeigt Frau Neumaier, dass erstaunlich viele Bürger die alte Baukultur bewahren, ohne auf die Rendite zu schielen. Einige Hausbesitzer, die stark investiert haben, um selber in solchen Denkmälern zu wohnen, gewährten erstmals Einblicke in ihre privaten Winkel und zeigten damit, dass man in solchen Häusern traumhaft leben und arbeiten kann. In dem Ladengeschäft Ziegler (Altstadt) scheint beispielsweise die Zeit stehengeblieben zu sein. Mit seiner antiken Einrichtung und einem Sammelsurium an Waren wirkt dieses Geschäft fast wie ein Museum. Einen Augenschmaus bietet die Fassade der Alten Post, das ehemalige Domizil der bayerischen Landstände. Das Haus der Malerei Sax (Jodoksgasse) strahlt eine von Beständigkeit geprägte Handwerkstradition aus. Solche Gebäude ermöglichen es, Stadtgeschichte an gotischen Giebeln und Fenstern, historischen Dächern und Fassaden abzulesen.

Das Vorwort verfasste der in Landshut aufgewachsene Journalist Dieter Wieland. Die mittelalterliche Stadt habe ihn geprägt, schreibt er, ihr Grundriss sei ein Geniestreich im Städtebau, "hier habe ich sehen und spüren gelernt". So etwas zu erhalten, gehe nur mit Liebe, Haltung und Verantwortung. "Altstädte sind die einzigen Städte, die funktionieren. Wir haben die Kunst verlernt, wie man lebendige Städte baut", resümiert Wieland. Was uns die alte Baukunst lehrt, das zeigt dieses Buch sehr eindrucksvoll.

Rita Neumaier, Landshuter Häuserporträts, Vorwort Dieter Wieland, Verlag Attenkofer, 19,80 Euro

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Ein Blick hinter Landshuts Fassaden

Die Melange aus Tradition und Fortschritt macht Landshut attraktiv.