Landshut Damentrio

Grüne Frauen: Katharina Schulze, Henrike Hahn und Annalena Baerbock (von links) in Landshut.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Bei den Grünen reden die Frauen - vermehrt von Sozialpolitik

Von Lisa Schnell, Landshut

Am Anfang versucht es Eike Hallitzky mit einem Rätsel, das eigentlich nicht allzu schwer erscheint. Schließlich feiert ganz Bayern politischen Aschermittwoch, auch die Grünen haben ja nach Landshut geladen. Dort sollen sie nun den Satz ihres Vorsitzenden ergänzen: "In diesem Jahr feiern wir 100 Jahre...?" "Frauenwahlrecht!" Hallitzky probiert es wieder: "Was noch?" - kurze Stille, was könnte es da noch geben? Die Gäste blicken sich gegenseitig an, die Bierbänke, die Weißwürste, da fällt es einer ein: "Aschermittwoch!"

Dürften die Grünen nur ein Jubiläum im Jahr feiern, es wäre 2019 nicht der politische Aschermittwoch. Die Gleichberechtigung, das sagt ihre Bundesvorsitzende Annalena Baerbock später, ist ihnen doch einen Tick wichtiger. Männer dürfen bei den Grünen, wie übrigens auch bei der SPD, an diesem Tag vor allem eines: den Frauen applaudieren. Ganz anders als in Passau bei der CSU - der Hinweis darf in keiner Rede fehlen. Die Grünen als Gegenentwurf zur CSU, das hat gut funktioniert bei den Landtagswahlen. Jetzt stehen in drei Monaten Europawahlen an. "Da ist noch Luft nach oben", sagt Baerbock. Es ist Henrike Hahn, die aus Luft Wählerstimmen machen soll und deren Name an den meisten Biertischen noch Schulterzucken auslöst. Die Münchnerin hat sich in Bayern als Spitzenkandidatin gegen die frühere Landtagsabgeordnete Ulrike Gote durchgesetzt. Obwohl ihr CSU-Konkurrent Manfred Weber selbst bei den Grünen als starker Gegner gilt, hat Hahn mit Listenplatz 13 gute Chancen. Kompetent sei sie, aber eine mitreißende Frontfrau? Müsse sie noch lernen, heißt es. Jetzt steht sie am Rednerpult. "Die CSU ergrünt, ohne zu erröten", sagt Hahn und landet glatt einen Lacher. Das war's dann aber auch, es folgt der Ernst der Lage. Hahn spricht von der Klimakrise als dem größten Sicherheitsrisiko und fordert von Weber eine "glasklare Abgrenzung nach rechts". Dann kommt Katharina Schulze, die gar nicht mehr vorgestellt wird, weil sie als "das Gesicht der Grünen im Landtagswahlkampf" ja eh jeder kenne.

"Hallo Landshut!", sagt Schulze und bekommt für einen Satz mehr Applaus, als Hahn für eine ganze Rede. Für die CSU hat sie launige Sprüche - CSU-Chef Markus Söder habe sich "schon jetzt für die Shortlist des Umwelt-Windbeutels 2019 qualifiziert" - für die SPD die Botschaft, dass die Grünen jetzt auch Sozialpolitik machen. Schulze redet von Kinderarmut und Steuerschlupflöchern so wie es Baerbock auf Bundesebene schon länger tut. An diesem Tag fordert die Brandenburgerin zudem "Bier in den Krug" oder wie übersetzt man "Butter bei die Fische"? Das Publikum verzeiht es ihr. "So viel Energie!" ruft Christina Moratscheck aus Landshut. Ganz so elektrisiert wie vor einem Jahr, als die Grünen zum Höhenflug ansetzten, sei sie nicht. Macht aber nichts: Immer nur "im Schwebeflug über der Realität fliegen", das tue den Grünen nicht gut.