DenkmalschutzGraffl oder Kleinod?

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Dieses 130 Jahre alte Haus am Landshuter Kennedyplatz soll abgerissen werden.
Dieses 130 Jahre alte Haus am Landshuter Kennedyplatz soll abgerissen werden. (Foto: Hans Kratzer)

Landshut ist gesegnet mit Hunderten Baudenkmälern, manche werden wunderbar erhalten, andere einfach abgerissen. Vertreter beider Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber – Lösung nicht in Sicht.

Von Hans Kratzer, Landshut

In Deutschland gibt es ein gutes Dutzend Kennedyplätze, einer davon schmückt die Stadt Landshut. Zuletzt ist dieser Platz ins Gerede gekommen, weil dort ein 130 Jahre altes Gebäude abgerissen werden soll. In Landshut mussten schon viele ortsprägende Bauwerke weichen. Nun entfachte dieser frische Fall abermals eine emotional geführte Debatte, die vom möglichen generellen Abrissverbot historischer Landshuter Gebäude ebenso geprägt ist wie vom gängigen Spruch: „Reißts doch des alte Graffl endlich weg!“ 

Freilich, nicht jedes Juwel in der mit mehr als 600 Baudenkmälern gesegneten Stadt schwimmt den Bach hinunter. Unter den bayernweit 216 Bauprojekten, die demnächst bei den „Architektouren“ besichtigt werden können, sind auch sechs mustergültig hergerichtete Gebäude aus Landshut, etwa ein denkmalgeschütztes Wohnhaus, die revitalisierte ehemalige Bezirkspostdirektion und eine alte Fabrik. 

Zweifellos hat das vor 51 Jahren verabschiedete Bayerische Denkmalschutzgesetz auch in Landshut eine positive Wirkung entfaltet. Noch in den vogelwilden 60er-Jahren hätte nicht viel gefehlt, und man hätte eine Schnellstraße quer durch das gotische Stadtzentrum geschlagen. Zum Glück las der Filmemacher Dieter Wieland damals den fortschrittsbesoffenen Stadtvätern die Leviten und schärfte rechtzeitig deren Bewusstsein für diese einzigartige Stadtlandschaft. 

Aber so historisch erhaben die Stadt mit ihren mustergültigen Sanierungen auch wirkt, so regelmäßig kommen Bagger zum Einsatz. Die Frage, was Landshuts historische Bausubstanz noch zählt, ist offen wie eh und je, weshalb die Landshuter Zeitung eine Podiumsdiskussion organisierte, um endlich nach Antworten zu suchen. 

Bei der Diskussion, an der sich neben dem Oberbürgermeister Alexander Putz noch Heimat- und Denkmalpfleger, Architekten sowie Investoren beteiligten, wurde deutlich, dass befriedigende Lösungen nicht in Sicht sind. Die Argumente saugen allzu oft ihre Kraft aus der Überzeugung, die Gegenseite sei stur, geizig, geschichtsvergessen und habe von der Materie keine Ahnung. Überdies zerschellen Fragen, etwa zur Landshuter Schwemmlandproblematik, oft an ingenieurstechnischen Darlegungen, denen der Laie kaum zu folgen vermag. Und ganz offen bleiben vorerst Fragen wie jene, wie eigentlich junge Leute ihre Stadt sehen. Jene jungen Leute also, von denen man leider zu wenig weiß, wie die Europawahlen gezeigt haben. 

Sicher ist nur, dass bei der Veranstaltung kaum unter 30-Jährige zu sehen waren, was letztlich zur Erkenntnis führt, dass in Landshut und auch anderswo noch viel übers Bauen und Bewahren geredet werden muss, ganz im Sinne von Bert Brecht: „Wir stehen selbst enttäuscht und sehen betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ 

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