Baden in der Isar "Die Sonne leuchtet, wir laufen eine Stunde nackt am Strand herum"

In München erlaubt, in Landshut verboten: Baden in der Isar.

(Foto: Florian Peljak)

Baden in der Isar ist in Landshut verboten - nicht nur die "zu achtende Sittlichkeit" spielte da einst eine Rolle, sondern heute vor allem die Wasserqualität. In München dagegen ist man freizügiger - Landshut will nun nachziehen.

Von Johann Osel, Landshut

Dass die strömende Isar und entspanntes Badevergnügen nicht so richtig zusammenpassen, ist in Landshut einer strengen Verordnung zu entnehmen. "Das Baden in der Isar bleibt der Unsicherheit des Stromes wegen durchaus verboten", heißt es in dem Text, der ferner die "zu achtende Sittlichkeit" anmahnt bei dem Thema. Es könnte ja - so dürfte das wohl gemeint sein - das Knie einer Dame in aller Öffentlichkeit zu erspähen sein oder, horribile dictu, sogar ein Busen. Diese konkrete Verordnung stammt freilich vom Juli 1828, erlassen vom Magistrat als "Local-Polizei-Behörde". Im Kern trifft sie aber heute noch zu, laut aktueller Sicherheitsverordnung dürfen sich die Bürger im Sommer nicht mit einem Sprung ins Nass abkühlen. Grund dafür ist nicht die Moral und auch nur bedingt die Strömung, sondern die gesundheitliche Gefahr aufgrund der Wasserqualität. Wieso aber nur, so fragen sich viele Landshuter, wird flussaufwärts (München) wie flussabwärts (Dingolfing) fröhlich gebadet?

Allerdings kann es jetzt auch in Landshut in den nächsten Monaten einen herrlichen Flussbadesommer geben. Der Verwaltungssenat der Stadt entschied kürzlich in seiner Sitzung einstimmig, das Badeverbot für die Isar zu kippen. Mitte April muss noch das Plenum des Stadtrats zustimmen - wegen der Einstimmigkeit im Ausschuss eine Art Formsache.

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Den Antrag zur Änderung hat Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) eingereicht. Er sagt, es sei "den Bürgern nicht zu vermitteln", dass es nur für die Isar in der Stadt, nicht mehr aber im Landkreis und ebenso wenig in anderen Kommunen ein Badeverbot gebe. Seit Jahren war das ein heiß diskutiertes Thema in Landshut, erwartungsgemäß jeden Sommer - auch wenn das Badeverbot nach Angaben von Einwohnern nicht kontrolliert oder sogar geahndet wurde, an ein Badeknöllchen kann sich niemand erinnern. Gleichwohl wird die Isar auch künftig nicht zum offiziellen Badegewässer deklariert. Planschen wird vielmehr "auf eigene Gefahr" erlaubt sein.

Messungen haben der Isar bei Landshut allgemein eine ordentliche Wasserqualität attestiert, andere Proben rügten zu manchen Phasen die hygienische Qualität. Wasserwirtschafts- und Gesundheitsamt hatten laut Sitzungsvorlage länger abweichende Auffassungen dazu. Die Stadt kann und will letztlich keine Haftung übernehmen - da auch kurzfristige Verschlechterungen des Zustands nie auszuschließen seien. So sind Messungen bei Fließgewässern stets nur Momentaufnahmen. Zudem könnten jederzeit Schadstoffe eingeleitet oder vor allem bei Regen über den Amper-Zufluss von gedüngten Äckern eingeschwemmt werden.

Abkühlen in der Isar ja, Durst stillen nein

"Selbstverständlich kann eine Kommune nicht garantieren, dass in einem natürlichen, fließenden Gewässer an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden stets alle zulässigen Grenzwerte für Keimbelastung eingehalten werden", so Putz. "Man kann den Bürgern aber zumuten, selbst auf eigene Gefahr zu entscheiden, ob sie sich diesem Risiko aussetzen wollen, ebenso wie es auch andere Kommunen und Landkreise tun." In Landshut hört man zuweilen schon die neue Faustregel: Abkühlen in der Isar ja, Durst stillen nein. Stadträte verweisen laut Medienberichten darauf, dass es einige tatsächlich gefährliche Stellen gebe, in Kraftwerksnähe oder bei bekannten Sprudeln; und da solle man bloß nicht die "Baden Verboten"- gegen "Auf eigene Gefahr"-Schilder tauschen. Überall gestattet ist das Baden jedoch auch in München nicht; auch sind dort regelmäßig Badeunfälle in der Isar zu beklagen.

In München wurde die Debatte über das Badeverbot schon vor Jahren beendet. Auch die Landeshauptstadt garantiert nicht zu hundert Prozent die Reinheit, trotz spezieller Desinfizierung in den Kläranlagen. Die Sittsamkeit scheint in München dagegen nie ein sonderlicher Aufreger gewesen zu sein. Zitiert sei das Tagebuch (1895-1910) der Bohème-Literatin Franziska Gräfin zu Reventlow über ihr "tägliches Isarbaden" mit Begleiter: "Die Sonne leuchtet, wir laufen eine Stunde nackt am Strand herum und tauchen dann und wann hinein."

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