Landrat verteidigt Guru von Lonnerstadt:Keine Gefahr für Sektenkinder

Lesezeit: 1 min

Keine Dusche, nur wenig zu essen und eine heruntergekommene Bruchbude als Haus: Nach Medienberichten über einen mittelfränkischen Guru und einer ihm folgenden Familie hat der Landrat die alternative Lebensform der Sekte verteidigt. Das Wohl der Kinder sei nicht gefährdet.

Guru von Lonnerstadt; Leben in der Sekte;

Am Tisch sitzen der Guru der "Neuen Gruppe der Weltdiener", seine Partnerin und die Familie, die sich ihm angeschlossen hat.

(Foto: WDR)

Nach Medienberichten über den "Guru von Lonnerstadt" und der ihm hörigen Familie hat nun der Landrat von Erlangen-Höchstadt, Eberhard Irlinger (SPD), die alternative Lebensform der Sekte verteidigt. Das Wohl der drei Kinder sei nicht gefährdet, teilte er mit.

Der SPD-Politiker sehe derzeit keinen Grund für ein härteres Vorgehen wegen der sogenannten Sektenkinder in Lonnerstadt. "Die Kriterien für eine Gefährdung des Kinderwohls sind nicht erfüllt", sagte Irlinger am Mittwoch in Erlangen.

Nach Berichten über die "Neue Gruppe der Weltdiener" waren Vorwürfe laut geworden, die Behörden würden sich zu wenig um die Kinder kümmern. Demnach sollen sie unter anderem ohne Medikamente und Krankenversicherung aufwachsen. Die aus einem "Guru", dessen Partnerin und einer fünfköpfigen Familie bestehende Sekte versteht die Kinder zwischen acht und 13 Jahren als "Erwachsenenseelen in Kinderkörpern" und behandelt sie entsprechend. Während der Sektenführer ein eigenes Haus mit Vorgarten bewohnt, lebe die Familie in einer heruntergekommenen Bruchbude ohne Dusche oder Wanne, hieß es.

Sekte 'Neue Gruppe der Weltdiener'

Landrat Eberhard Irlinger verteidigt die Sekte "Neue Gruppe der Weltdiener".

(Foto: dpa)

Irlinger sagte, es sei "viel Unsinn" über die Sekte geschrieben worden. Er selbst habe die Familie besucht und sich vom Zustand der Wohnung überzeugt. Die fünf würden zwar unter einfachsten, aber sauberen Verhältnissen in dem alten Haus leben.

Seit Jahren bestehe außerdem ein enger Kontakt zwischen der Familie und dem Jugendamt sowie den Schulen. Es habe auch mehrere Hausbesuche gegeben. "Die Kinder nehmen am Leben des Dorfes teil", betonte Irlinger. Sie seien "die Besten in der Schule", hätten alle einen Arbeitsplatz zu Hause sowie einen Computer. "Sie spielen auch", fügte er hinzu.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema