Landgericht Nürnberg Braut kurz vor der Hochzeit erwürgt

Ein Gastwirt soll seine Verlobte kurz vor der Trauung ermordet haben. Erst gab der 40-Jährige selbst eine Vermisstenanzeige auf, dann gestand er die Tat. Das Geständnis zog er später jedoch wieder zurück. Beim Prozessauftakt in Nürnberg erzählt er nun eine ganz andere Geschichte.

Von Katja Auer, Nürnberg

An dem Tag, an dem die junge Frau zu Grabe getragen wurde, hätte sie eigentlich heiraten wollen. Den Mann, der bei der Beerdigung ein großes Foto von ihr in den Händen hielt, der den Sarg küsste und die gemeinsame Tochter hoch hob, damit auch sie sich von ihrer Mama verabschieden konnte. Der ihr verzweifelte Nachrichten schickte als sie im Juni des vergangenen Jahres einfach verschwunden war, der eine Suchaktion im Internet startete. Den Mann, der jetzt vor Gericht steht, weil er seine damals 32 Jahre alte Braut wenige Tage vor der Hochzeit umgebracht und ihre Leiche in die Aisch geworfen haben soll.

Zum Auftakt des mehrtägigen Prozesses am Dienstag im geschichtsbeladenen Saal 600 im Nürnberger Landgericht sagt der 40-Jährige gar nichts. Die Anklageschrift ist kurz. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann seine Verlobte in der gemeinsamen Wohnung im Emskirchener Ortsteil Brunn (Landkreis Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim) erwürgte, sie mit dem Auto nach Gerhardshofen brachte und die Leiche dort in die Aisch warf. Seine desolate finanzielle Situation soll ihn belastet haben, seine Gaststätte in Emskirchen lief nicht gut und die bevorstehende Hochzeit habe ihn zusätzlich unter Druck gesetzt. Als dann an jenem Abend seine Freundin ihn auch noch verführen wollte und er körperlich versagte, habe ihn das in seinem ohnehin dürftigen Selbstwertgefühl sehr getroffen. So sehr, dass er seine Verlobte erwürgte. So steht es in der Anklageschrift.

Als die 32-Jährige im Juni verschwunden war, erstattete ihr Bräutigam selbst die Vermisstenanzeige bei der Polizei. Er habe gesagt, dass sie niemals einfach so untertauchen würde, so berichtet es ein Polizeibeamter vor Gericht, viel zu sehr hänge sie an der gemeinsamen Tochter, die damals drei Jahre alt war. Einen Suizid habe der Verlobte ebenso ausgeschlossen wie ein Verhältnis mit einem anderen Mann oder dass sie vor der wirtschaftlichen Situation oder gar vor der Hochzeit geflohen sei. Ein scheinbar komplizierter Fall, der viel Anteilnahme auslöste. Vor allem für den Verlobten, der im Internet-Netzwerk Facebook einen Suchaufruf startete. Die Polizei gründete eine 20-köpfige Sonderkommission, gesucht wurde mit Hubschraubern, Schlauchbooten und Hunden.

Er erzählte eine Geschichte von maskierten Männern

Einen Tag nach dem Verschwinden der jungen Frau fand die Polizei ihr Auto mit einem Damenslip auf der Windschutzscheibe. Ihre Brautschuhe haben daneben gelegen und ein Strumpf, so erzählt es ein Polizist vor Gericht. Noch ein paar Tage später fand die Polizei die Leiche der jungen Frau in der Aisch. Nackt und mit Würgemalen am Körper. Spätestens nach der Obduktion war klar, dass die 32-Jährige einem Verbrechen zum Opfer gefallen war.

Zwei Wochen nach der Tat, da hatte er seine Verlobte offenbar tief berührt schon zu Grabe getragen, gestand der 40-Jährige das Verbrechen. An die Umstände könne er sich nicht mehr erinnern, auch nicht daran, dass er die Leiche an die Aisch geschafft habe, soll er damals dem Ermittlungsrichter gesagt haben, aber er habe seine Freundin in der gemeinsamen Wohnung erwürgt. Der Mann kam in Untersuchungshaft. Drei Monate später zog er sein Geständnis wieder zurück. Stattdessen erzählte er nun eine Geschichte von drei bis vier maskierten Männern, die seine Verlobte ermordet und ihn danach gezwungen hätten, die Leiche zu beseitigen.

Die Staatsanwaltschaft hielt ihn aber weiterhin für den Mörder und beließ ihn im Gefängnis. Es waren DNA-Spuren von ihm in einem Lastwagen gefunden worden, dessen Fahrer ihn in der Tatnacht als Anhalter mitgenommen hatte. In jener Nacht, in der er nach eigenen Angaben eine Schlaftablette genommen habe und früh zu Bett gegangen sei, während seine Verlobte noch mit Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt gewesen sei. Erst am Morgen habe er dann bemerkt, dass sie verschwunden war. Da war die junge Frau schon tot.