Hannes Hintermeier musste erst einmal kräftig schlucken, nachdem Staatskanzleichef Florian Herrmann seine Laudatio auf ihn beendet hatte: „Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so gelobt worden“, gestand der Journalist, der für die Frankfurter Allgemeine Zeitung als Kulturkorrespondent über Bayern und Österreich berichtet. Tatsächlich hatte Herrmann den diesjährigen Träger des Dieter-Wieland-Preises mit den allerfreundlichsten Worten bedacht: „Er schreibt nicht über Kultur, sondern er schreibt aus ihr heraus“, sagte er über Hintermeier. Mit seinen Texten präge er seit vielen Jahren das kulturelle Gespräch in Deutschland. Bildung ohne Dünkel, Haltung ohne Pose, genaues Wort, kluges Urteil – alles Eigenschaften, die Hintermeier zum perfekten Preisträger machten.
Seit 2023 zeichnet der Bayerische Landesverein für Heimatpflege Journalisten für vorbildliches Wirken auf den Themenfeldern der Baukultur und Denkmalpflege aus. Dotiert ist der Preis, der von der Rosner & Seidl-Stiftung unterstützt wird, mit insgesamt 20 000 Euro. Als Namensgeber und Spiritus Rector fungiert der langjährige Fernsehjournalist Dieter Wieland. Der 88-Jährige war denn auch bei der Preisverleihung am Dienstabend in München anwesend. Seine legendäre Sendereihe „Topographie“ gilt als stilbildend für das ästhetische Verständnis von Denkmal- und Landschaftsschutz weit über Bayern hinaus.
Preisträger Hintermeier nutzte seine Dankesrede für eine kleine Eloge auf Wieland, in der er daran erinnerte, dass er schon als Jugendlicher in den Siebzigerjahren dessen Sendungen im BR angeschaut habe. Kein anderer Journalist habe eine ähnliche Breiten- und Langzeitwirkung entfaltet wie Wieland – nur dass aus der Konifere von einst die Kirschlorbeere geworden sei und aus dem schmiedeeisernen Zaun die Gabione.
Sogar in der Generation Z – also in der Gruppe derjenigen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden – gebe es inzwischen Wieland-Fans. Seine Filme seien bereits zur Entstehungszeit Klassiker gewesen und als solche immer noch in der BR-Mediathek abrufbar. Wieland habe begriffen, dass der sorgsame Umgang mit der Kulturlandschaft die Chance eröffne, „uns mit uns selbst zu versöhnen“, sagte Hintermeier, was man auch als programmatisch für seine eigene journalistische Arbeit verstehen darf.

Neben Hintermeier wurden an diesem Abend zwei weitere Preisträger mit jeweils 5000 Euro für ihre vorbildliche Arbeit ausgezeichnet: die langjährige BR-Journalistin Eva Demmelhuber für ihr Lebenswerk und Eike Lenz von der Main-Post, der sich in einer Artikel-Serie mit verfallenden Gebäuden im Landkreis Kitzingen auseinandersetzte. „Lenz zeigt den Lesern, welches Potenzial sie hätten“, sagt Rudolf Neumaier, der Geschäftsführer des Landesvereins.
Auf der Suche nach den Lost Places zieht Lenz oft zusammen mit seinem Sohn los. Egal, ob es um ein Natursteinhaus am Ortsrand von Kitzingen oder das alte Kesselhaus der Fulgurit-Werke geht: Ihn faszinieren neben ihrer Geschichte die Ruhe und Stille dieser alten Häuser, aber auch ihre „zu Staub gefallene Nostalgie“. Leider gebe es nur wenige Dinge, die alt werden dürften, sagte Lenz. Um deren Wert zu erkennen, müsse man schauen lernen und die Augen öffnen.
Die frühere BR-Journalistin Eva Demmelhuber ist vielen Hörern in Bayern seit Jahrzehnten für ihre Sendungen über Heimat und Brauchtum bekannt, aber auch als Regisseurin des Politiker-Derbleckens am Nockherberg. SZ-Bayernchefin Katja Auer lobte sie in ihrer Laudatio als Radiofrau durch und durch, die vom „Eros des Tuns“ angetrieben werde. Dies untermauerte sie mit einer eindrucksvollen Zahl: 8500 Demmelhuber-Beträge fänden sich im Archiv des BR.
Allerdings haderte Demmelhuber zuletzt mit ihrem Heimatsender wegen der Abrisspläne für den Studiobau, den sie als Herz des Bayerischen Rundfunks ansieht, und der Auflösung der Ton- und Filmarchive. Doch auch hier wird Demmelhuber vom Eros des Tuns angetrieben, weshalb sie 175 000 aussortierte CDs selbst übernommen hat. Ein 18 Tonnen schwerer Kulturschatz, auf dem sie nun sitzt. Für ihre Rettungstat kann sie sich der vollen Unterstützung Dieter Wielands sicher sein. Er zürnte dem BR und forderte Staatskanzleichef Florian Herrmann zum Eingreifen auf: „Ich erwarte, dass Sie den Rundfunk zur Räson bringen.“



