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Landespolitik:Außenminister Söder sorgt sich um transatlantische Beziehungen

Vom bayerisch-amerikanischen Heimatstammtisch ist US-Generalkonsulin Jennifer Gavito mindestens so begeistert wie Initiator Markus Söder.

(Foto: Astrid Schmidhuber)

Neben Finanzen und Heimat kümmert sich der Franke neuerdings um die USA. Ein regelmäßiger Stammtisch soll die Bande festigen.

Von Wolfgang Wittl

Es war so eine Phase, als nicht wenige in der CSU prophezeiten, nun werde der Watschenbaum bald wieder umfallen. Kaum war Horst Seehofer im Februar von seiner umstrittenen Reise zu Wladimir Putin zurückgekehrt, da kündigte er einen Besuch beim ungarischen Premier Viktor Orbán an.

Das Gegrummel in der CSU über den Parteichef und Ministerpräsidenten schwoll an: Zu ostlastig sei die Außenpolitik, zu gering das Interesse an den USA, lautete die Kritik. Markus Söder sagte nichts, er reagierte auf seine Weise. Tage später stellte er die Gründung eines bayerisch-amerikanischen Heimatstammtisches in Aussicht. Die Pulsfrequenz in Seehofers Umfeld ob dieser Dreistigkeit soll kurzzeitig dramatisch gestiegen sein. Der Watschenbaum wankte bedenklich.

Mancher dachte, Söder gehe es nur um einen billigen Effekt. Vielleicht würde er ein paar Beamte zum Treffen mit US-Botschaftsangehörigen beim Burger-Brater schicken, mehr nicht. Nun aber empfing er am Donnerstag in einem Gasthaus im Englischen Garten zum ersten "Heimatstammtisch". Lokal, Ambiente, Gäste seien "vom Feinsten" gewesen, berichtet einer der Teilnehmer, der Austausch "ernsthaft" und "sehr anregend".

Söder selbst erzählt zuerst von Kindheitserinnerungen, wenn er über die USA spricht. Wie er in Nürnberg neben einem US-Hospital aufwuchs, welche "Spuren Amerika in unserer Heimat hinterlassen" habe. Als Politiker wolle er jetzt dazu beitragen, "dass sich Verbindungen, die locker wurden, wieder festigen".

Gut zwei Stunden plauderte die etwa 20-köpfige Runde über aktuelle und grundsätzliche Themen: Vertreter wichtiger Wirtschaftsunternehmen, führende Offiziere der US-Streitkräfte in Bayern, die Geschäftsführerin des Amerikahauses, Planer der Sicherheitskonferenz, aus dem Landtag die Ausschussvorsitzenden Erwin Huber (Wirtschaft) und Franz Rieger (Europa). Sie begrüße die Idee eines regelmäßigen Gedankenaustausches, sagte US-Generalkonsulin Jennifer Gavito: "Wir freuen uns darauf, damit ein Zeichen zur Unterstützung der transatlantischen Gemeinschaft zu setzen." Bayern und Deutschland zählten "zu unseren engsten Freunden weltweit".

Heimatminister Söder hat bereits weitere Pläne. Er sei in Sorge, dass der transatlantische Teil der bayerischen Politik zu wenig wahrgenommen werde. Der Austausch mit der Partnerregion Georgia müsse wieder gestärkt werden, darüber würde er sich gerne mit der zuständigen Ministerin Beate Merk unterhalten. Freihandel beurteile er zwar positiv, man dürfe die Bürger bei TTIP aber nicht verunsichern. "Qualität geht vor Zeit", sagt Söder, eine Entschleunigung der Verhandlungen hielte er deshalb für sinnvoll. Bei der Digitalisierung hingegen müsse die Zusammenarbeit intensiviert werden. Weitere Treffen sind von allen Teilnehmern erwünscht: das nächste wohl im Amerikahaus, dann im Umfeld der Sicherheitskonferenz.

Als Geschenk gab es Bierkrüge, die Namen Bayern und USA sind durch ein Herz verbunden. Ob die Aktion aber auch in der für Außenpolitik verantwortlichen Staatskanzlei herzlich aufgenommen wird? Söder habe beim Stammtisch jedenfalls nicht den Eindruck erweckt, als würde er den Watschenbaum fürchten.

© SZ vom 14.05.2016/infu

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