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Landesparteitag in Bayern:"Schlachtenbummler, die gerne zündeln"

"Horst Seehofer ist kein Aufräumer des CSU-Filzes, er ist ein Teil davon", ruft Fraktionschef Rinderspacher den Delegierten zu Beginn des Parteitags zu. Und bekräftigt noch einmal die Rücktrittsforderung an die fünf Kabinettsmitglieder, die ihre Ehefrauen als Bürohilfen beschäftigt hatten.

Auch SPD-Landeschef Florian Pronold geht den politischen Gegner frontal an. "Unsere Heimat Bayern ist ein schönes Land", so beginnt seine Rede. Er spricht langsam, eindringlich. "Bayern hat es nicht verdient, dass es durch den Amigo-Filz der CSU so in den Schmutz gezogen wird." Bayern gehöre allen Menschen, sei nicht die Beute einer Partei.

"Es gibt Schlachtenbummler und Wegbegleiter, die gerne zündeln"

Pronold hält eine gute Rede. Ein Signal der Stärke und Geschlossenheit geht am Samstag trotzdem nicht vom Parteitag aus. Das liegt vor allem an den Wahlergebnissen. Vor allem an dem Ergebnis, das Pronold einfährt. Er wird mit nur 80,6 Prozent wiedergewählt - knapp vier Prozent weniger als vor zwei Jahren. Pronold ist gut vernetzt, gilt als Mann des Parteiapparats. Doch bei den Jusos hat er Gegner.

Stimmen dürfte Pronold auch gekostet haben, dass der in der Partei beliebte Thomas Beyer mit einem Seitenhieb gegen Pronold angekündigt hatte, nicht mehr als stellvertretender Parteivorsitzender kandidieren zu wollen. Und nicht nur Pronold, auch Generalsekretärin Natascha Kohnen muss einen Dämpfer hinnehmen. Sie erhält bei ihrer Wiederwahl 80,5 Prozent, 2011 waren es noch 85,1 Prozent. Dabei hatte Pronold in seiner Rede die Delegieren noch gewarnt: "Man gewinnt nur dann, wenn man aufs gegnerische Tor schießt und nicht, wenn man aufs eigene Tor schießt."

Auch Spitzenkandidat Ude versucht, Schlimmeres zu verhindern: "Es gibt Schlachtenbummler und Wegbegleiter, die gerne zündeln", sagt er und wünscht sich eine starke und geschlossene SPD.

Für die starke und geschlossene SPD muss Ude jetzt selbst sorgen. Er wird am Sonntag, nach der Verabschiedung des Wahlprogramms - von der SPD selbstbewusst Regierungsprogramm genannt - den Parteitag beschließen. Eine zackige Rede kündigte Kohnen an. Ude werde die Partei einschwören auf den Wahlkampf - und zulangen. Tatsächlich ist die Rede noch einmal eine Chance für Ude und die SPD. Sie wird den Ton für die heiße Wahlkampfphase vorgeben. Doch wenn es auch dem Spitzenkandidaten nicht gelingt, ein starkes Signal in den Freistaat hinauszuschicken, dann wird die SPD-Show am Wahlabend zu Ende gehen.

© Süddeutsche.de

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