Landesausstellung in FreyungSo klingt Bayern

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Lebende Legenden wie die  Rolling Stones , in der Landesausstellung als Marionetten-Version der  Augsburger Puppenkiste, sind nur eines der zahllosen Exponate in Freyung.
Lebende Legenden wie die Rolling Stones, in der Landesausstellung als Marionetten-Version der  Augsburger Puppenkiste, sind nur eines der zahllosen Exponate in Freyung. Foto: Armin Weigel/dpa

Von Mozarts Messen bis zu Karl Valentins Zither: Die Landesausstellung spannt einen weiten Bogen durch Bayerns Musikgeschichte. Das lohnt die Anreise in den Bayerischen Wald.

Von Andreas Glas, Freyung

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Der Münchner Merkur hat kürzlich eine Reisewarnung ausgesprochen: „Bayerische Landesausstellung heuer ziemlich abgelegen“. Zu lesen war, dass die Ausstellung „tief im Wald“ stattfindet. Man überlegt deshalb, in München noch eine Machete zu besorgen, fürs Unterholz, oder um Wölfe in die Flucht zu schlagen. Man lässt es dann bleiben, ganz furchtlos, und nach gut zwei Stunden Autofahrt ist man erstaunlich unverletzt in Freyung angekommen, im Cineplex-Kino am Stadtplatz. Was es nicht alles gibt, tief im Wald.

Aber jetzt im Ernst, die Reisewarnung galt denen, die lieber Bahn fahren, und der Bayerische Wald ist nun mal kein Knotenpunkt im Streckennetz. Wer trotzdem in Freyung ankommt, läuft womöglich an der Volksmusikakademie vorbei, ganz in der Nähe des Cineplex. Und mal ehrlich, Volksmusik, wer denkt da nicht an den Musikantenstadl, wenigstens ein bisschen? Wer nun das Schlimmste befürchtet, ist gut beraten, das Kopfkino auszuschalten und das echte Kino zu betreten, die erste Station der Landesausstellung 2026. Titel: „Musik in Bayern“.

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Ein Film also, zu Beginn. Auf der Kinoleinwand zieht eine Drohne über die nebligen Bayerwaldberge, Vogelgezwitscher, ein Bach gluckert, im Off trällert eine Frauenstimme, ja-da-da-da-da. Dann, harter Schnitt, nach eineinhalb Minuten springt die Handlung nach München, zum Stachus, wo es natürlich auch zugeht wie auf Selbigem. Trambahngebimmel, Motoren, Taubenflattern. Zwölf Minuten dauert der Film, der zwischen Orten springt, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Geschichten von Menschen und ihren Instrumenten.

Der Kurzfilm von Grimme-Preisträger Christian Lex ist ein Kniff, um gleich mal alle Vorurteile abzuräumen, die manche vielleicht mitbringen nach Freyung. Denn natürlich geht es hier um mehr als um Volks- oder Bierzeltmusik oder was sich manche so vorstellen, wenn sie an Musik in Bayern denken. Es geht bei dieser Landesausstellung um Natur und Kultur, um eine ganzheitliche Frage: Wie klingt Bayern?

Der Film ist auch deshalb ein Kniff, weil er die Sinne aufspannt für das, was danach kommt. Der Weg zur eigentlichen Ausstellung führt über eine sogenannte Klangbrücke, was begrifflich etwas zu hochtrabend ist. Im Grunde ist die Klangbrücke ein gar nicht mal so langer Teppich, der aussieht wie eine Klaviatur, weiße und schwarze Tasten, und wenn man über die Tasten läuft, kommen Töne raus. Der Tastenteppich verbindet das Kino mit dem TonYversum, den Ausstellungsräumen, die früher einmal ein Tanzlokal waren: das Pröbstl-Haus.

Die Ausstellung ist in einem ehemligen Tanzlokal in Freyung untergeracht – dem Pröbstl-Haus.
Die Ausstellung ist in einem ehemligen Tanzlokal in Freyung untergeracht – dem Pröbstl-Haus. Foto: Armin Weigel/dpa

Eine Musikausstellung in einem ehemaligen Tanzlokal ist einerseits sehr konsequent, andererseits ist es eine Herausforderung, eine Landesausstellung auf rund 1000 Quadratmetern unterzubringen, die sich noch dazu auf drei Etagen mit teils sehr niedrigen Räumen verteilen. Zu Beginn des Rundgangs versprechen die Macherinnen und Macher eine „musikalische Zeitreise“, wobei diese Reise nicht immer chronologisch verläuft, sondern in „Zeitkapseln“, wie Projektleiter Peter Wolf sagt.

Die erste Kapsel widmet sich der Zeit bis 1800. Jene Zeit also, in der die Musik stark von kirchlichen Klängen geprägt gewesen ist. Damals reiste Wolfgang Amadeus Mozart durch Bayern und führte in den Klöstern seine Messen auf. Die Ausstellung stellt aber nicht Mozart in den Mittelpunkt, sondern Emanuel Schikaneder, in Straubing geboren und Librettist der „Zauberflöte“. Schikaneder war auch der erste Darsteller des Vogelfängers Papageno. In Freyung ist unter anderem ein Papageno-Kostüm aus dem Salzburger Festspielfonds zu sehen.

Nächste Zeitkapsel, 19. Jahrhundert. Die Klöster sind verkauft, ihre Orchester aufgelöst, in Bayern gründen sich bürgerliche Gesangsvereine – und Richard Wagners Festspiele in Bayreuth ziehen Menschen aus ganz Europa an. Von dieser Zeit zeugen hier Gemälde, Plakate und Instrumente, darunter die Zither von Karl Valentin, sein Lieblingsinstrument. Eher am Rande erfährt man, dass in jener Zeit auch entstand, was heute das Bild der bayerischen Musik prägt: die Stimmungsmusik in den riesigen Festhallen des Oktoberfests. Die Idee hatte der Nürnberger Wiesnwirt Georg Lang. Wie das damals und teils heute noch klingt, kann man sich an einer der vielen Hörstationen anhören.

Nach einer Station zu den Kriegsjahren, die auch von jüdischen Musikerinnen und Musikern erzählt, geht es weiter in die Nachkriegszeit. Die Ausstellung erzählt natürlich von Elvis Presley, der während seiner Militärjahre in Grafenwöhr sein legendäres Konzert in der „Micky Bar“ gab. Von den Musikfestivals gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf. Und, ja, auch von den bayerischen Schlagerstars aus der ZDF-Hitparade: dem Straubinger Rex Gildo, dem Schwaben Roy Black oder dem Original Nabtaal Duo, das mit „Patrona Bavariae“ den Grand Prix der Volksmusik 1988 gewann.

In der Landesausstellung werden verschiedene Musikepochen abgebildet: im 20. Jahrhundert etwa die Charleston-Zeit ....
In der Landesausstellung werden verschiedene Musikepochen abgebildet: im 20. Jahrhundert etwa die Charleston-Zeit .... Foto: Armin Weigel/dpa
.... oder etwas später die E-Gitarre.
.... oder etwas später die E-Gitarre. Foto: Armin Weigel/dpa

Das war es dann aber auch schon wieder mit dem Musikantenstadl – und mit der strengen Chronologie. Eine der nächsten Stationen widmet sich dem Musikmachen im handwerklichen Sinne, dem Instrumentenbau also. Zu sehen sind auch Instrumente, die nicht alle kennen dürften. Krummhörner aus Memmingen oder ein historisches Chalumeau aus Nürnberg. Wer sich nicht vorstellen kann, wie sich das anhört, kann die Klänge der Instrumente über ein „Regiepult“ abspielen.

Und wem das alles zu viel Beschallung ist, der kann sich für ein paar Minuten in den „Raum der Stille“ zurückziehen. Auf den Bildschirmen dieses dunklen Raumes laufen kurze Videosequenzen: Eine Faust zerschlägt eine Glasscheibe, ein Zahnarzt bohrt in einem offenen Mund, Wasser tropft auf den Boden. Das Gehirn erwartet ein Geräusch, doch nichts klirrt, nichts brummt, nichts ploppt. Mit den Erwartungen zu brechen, das scheint ein Grundkonzept dieser Ausstellung zu sein.

In einem Raum können Besucher auf einer Drehscheibe sitzen und Musikklänge aus vier Richtungen erleben.
In einem Raum können Besucher auf einer Drehscheibe sitzen und Musikklänge aus vier Richtungen erleben. Foto: Armin Weigel/dpa

Am Ende, in einem der letzten Räume, kann man sich dann noch auf eine Drehscheibe setzen und das Erlebte reflektieren. Die Scheibe rotiert ganz langsam, vorbei an vier Frauen und Männern, die auf lebensgroßen Bildschirmen musizieren. Der Effekt ist hier, dass man die einzelnen Klänge eines Quartetts klarer wahrnimmt, je nachdem, an welcher Musikerin oder welchem Musiker die Drehscheibe gerade vorbeizieht.

Ergänzt wird die Ausstellung durch ein tägliches Live-Programm, großteils kostenlos. Montags Kirchenmusik in der Stadtpfarrkirche, dienstags Wirtshausmusik in Freyunger Gasthäusern, mittwochs Konzerte im Landkreis, donnerstags Freiluftmusik beim Kurhaus, auch freitags, samstags und sonntags finden Konzerte statt, unter anderem in der Volksmusikakademie. Gospel, Klassik, Jazz, Stubenmusik, alle Genres.

Die Landesausstellung 2026 öffnet am kommenden Samstag und endet am 8. November. Der Eintritt kostet zwölf Euro für Erwachsene, ermäßigt zehn Euro, Kinder und Jugendliche zahlen nichts. Informationen: www.musik-in-bayern.de

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