Süddeutsche Zeitung

US-Schauspieler:I've been looking for Weinfest

Lesezeit: 2 min

"Baywatch"-Star David Hasselhoff macht Werbung für ein niederbayerisches Weinfest. Wie konnte es so weit kommen?

Von Patrick Wehner, Landau an der Isar

Es gibt wenige TV-Ikonen der 80er- und 90er-Jahre, die Heldentum und Scheitern so sehr verkörpern wie David Hasselhoff. Als Michael Knight rettete er die Welt vor dunklen Mächten, als Mitch Buchannon rettete er Menschen vor dem Ertrinken. Irgendwann später, als das Meiste von dem Geld aus den beiden US-Serien "Knight Rider" und "Baywatch" durchgebracht war und der Ruhm langsam schwand, musste David Hasselhoff sich als schwerer Alkoholiker selbst retten. Aber: Immer wieder rappelte sich "The Hoff", wie ihn seine Fans und er selbst sich nennen, auf.

Für diejenigen, die früher nach der Schule erst mal RTL anschalteten, mag es daher eine bitter-süße Mischung aus Fremdscham und nostalgischer Verehrung sein, wenn sie Hasselhoffs letzte Jahre Revue passieren lassen. "The Hoff" macht Geld aus seinem Namen. So wie Trump, Snoop Dogg oder Harald Glööckler auch. Es gibt so gut wie nichts, das "The Hoff" nicht beworben hätte. Kreuzfahrten auf dem Mittelmeer, Wassersprudler, einen Sommersong mit der Sängerin Blümchen. Oder eine Impfkampagne der Bundesregierung. Seit Kurzem ist diese Liste nun einen Posten reicher.

Für die niederbayerische Stadt Landau an der Isar bewirbt er seit dem Wochenende deren bald startendes Weinfest. Für manche mag zwar die Tatsache verwunderlicher sein, dass es auch in Niederbayern Weinfeste gibt, als dass Hasselhoff sein Gesicht für eins von ihnen hergibt. Aber für Matthias Kohlmayer, den Bürgermeister der Stadt, ist mit dem 39-sekündigen Video ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen.

Vergangenes Jahr hatte der 36-jährige Bürgermeister über die Plattform "wewave" bereits Lothar Matthäus gebucht, um für seine vom Lockdown geplagten Rathausmitarbeiter eine kleine Video-Botschaft aufzunehmen. Vor Kurzem befand er sich dann selbst in Quarantäne. "Mir war langweilig und ich hatte meinen Laptop offen. Auf einmal wurde mir Werbung reingespült, dass man jetzt auch David Hasselhoff buchen könnte."

Das Video kostete 450 Euro - könnte jetzt aber teuer werden

Kohlmayer, seit seiner Kindheit "Knight Rider"-Fan, ließ die Gelegenheit nicht verstreichen. Für 450 Euro, die er aus eigener Tasche bezahlte, bestellte er das Video bei der Plattform. Jedoch, so beteuert er es jetzt jedenfalls, sei das alles nur als kleiner Spaß gedacht gewesen. So wie damals bei Matthäus. Zwei Tage nach der Bestellung sei das Video mit dem von Kohlmayer vorgeschlagenen Text digital eingetrudelt. Der Bürgermeister postete es zunächst in die Whatsapp-Gruppe mit seinen Stadträtinnen und Stadträten. Dort war die Reaktion parteiübergreifend positiv. Dann stellte er das Video auf Facebook - und es ging viral. Seit Samstag hagelt es zudem Presseanfragen. Besser kann Werbung für das stadteigene Fest eigentlich kaum laufen.

Wäre da nicht ein kleiner Haken: Die 450 Euro-Version des Videos ist nur für das Versenden unter Kollegen und Freunden. Macht man damit Werbung, kostet es laut Homepage 3180 Euro.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5581282
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.