Wer gerade mit dem Gedanken spielt, sich als Hausarzt in Lauingen niederzulassen: Die Gelegenheit ist günstig. Vielleicht finden sich ja sogar Räume für eine Praxis in der Nähe des Marktplatzes, der als Schmuckstück der Innenstadt gilt – eingerahmt von Giebelhäusern, dem Schimmelturm und dem klassizistischen Rathaus. Auch sonst wirkt das Städtchen nah der Grenze zu Baden-Württemberg, das sich mit saftig grünen Wiesen direkt ans Donauufer schmiegt, einladend.
Trotzdem können sich offenbar nicht genügend Hausärzte für diesen Standort erwärmen. Die Region gilt offiziell als mit Hausärzten unterversorgt, genauso übrigens wie Wassertrüdingen, Feuchtwangen, Ansbach-Nord und Moosburg an der Isar. In weiteren 14 Regionen droht demnach eine Unterversorgung mit Hausärzten.
Das ist schlecht für die dortige Bevölkerung, aber gut für Ärzte, die sich vorstellen können, just in jenen Orten eine Praxis zu übernehmen oder neu zu eröffnen. Ihnen nämlich winken ordentliche Fördergelder. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) steuert schon jetzt 90 000 Euro bei, wenn Ärzte in unterversorgten oder drohend unterversorgten Regionen den Neustart wagen. Bei Neugründungen von Praxen stockt sie, wenn nötig, sogar die Einkünfte des Arztes oder der Ärztin auf, damit sie auf 85 Prozent des durchschnittlichen Honorars kommen. „Wir wollen den Ärzten die Angst vor der Niederlassung nehmen“, sagt KVB-Chef Christian Pfeiffer.
Künftig dürfte ihm das noch ein wenig leichter fallen. Denn auch die Staatsregierung lenkt zusätzliches Geld dorthin, wo die Ärzte fehlen, das kündigte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) vergangene Woche an. Sie will dafür die Landarztprämie von 60 000 Euro umgestalten. Heute erhält sie jeder Arzt, der sich in einer Gemeinde mit höchstens 20 000 Einwohnern niederlässt. Für Kinder- und Jugendpsychiater gilt eine Grenze von 40 000 Einwohnern.
150 000 Euro: „Das hört sich viel an“ – ist es aber offenbar nicht
Die Landarztprämie sei ein „Erfolgsmodell“, sagte Gerlach. Seit 2012 seien in Bayern mehr als 1500 Haus- und Fachärztinnen und -ärzte unterstützt worden. Dafür habe man insgesamt etwa 63 Millionen Euro bereitgestellt. Einen Schönheitsfehler hatte die Sache allerdings: Die Prämie gab es nur, wenn die Ärzte nicht schon von der Kassenärztlichen Vereinigung gefördert wurden. Anders gesagt: Genau dort, wo die Not auf dem Land am größten war, zeigte sich der Freistaat knauserig.
Gerlach will das nun ändern. Ärzte dürfen künftig beide Förderungen gleichzeitig erhalten, insgesamt bis zu 150 000 Euro. „Das hört sich viel an“, sagt KVB-Chef Pfeiffer. Eine Praxisgründung sei aber teuer. Und auch bei der Übernahme einer Praxis müsste oft von der EDV bis zum Ultraschallgerät einiges neu gekauft werden. Die Förderung dürfte nun aber einen „Großteil“ dieser Kosten decken.
Ob deshalb nun bald Ärzte ihr Praxisschild in Orten wie Lauingen oder Wassertrüdingen anschrauben? Die KVB wagt da keine Prognose. Es gehe um Lebensentscheidungen. Da spiele mehr als nur das Geld eine Rolle. Wer in München aufgewachsen und verwurzelt sei, werde sich auch für Geld nicht leicht aufs Land locken lassen, glaubt Pfeiffer. Wer aber nur nach einem geeigneten Ort sucht, wählt jetzt vielleicht den geförderten. Ein Versuch ist es wert. Denn zwar hat Bayern im Vergleich zu den anderen Bundesländern noch eine dichte ärztliche Versorgung. Doch in den nächsten Jahren gehen viele Ärzte in Rente.

