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Kurfürst Maximilian I.:Der Mann, der Bayern zum totalen katholischen Staat formte

Herzog Maximilian von Bayern

Das Gemälde von Fidelis Schabet zeigt den späteren Kurfürsten Maximilian I. nach der Vollendung des Residenzbaus zu München anno 1619.

(Foto: Sammlung Megele/SZ Photo)

Kurfürst Maximilian I. prägte den Dreißigjährigen Krieg - und verbot Fensterln und Tanz. Eine neue Biografie beleuchtet das Umfeld des wohl bedeutendsten bayerischen Herrschers.

Mit ihren Herrschern zu hadern, das gehört zum Selbstverständnis der Bayern. Umso merkwürdiger, dass ausgerechnet jene Häupter in guter Erinnerung geblieben sind, die das Volk irritiert und drangsaliert haben.

Über kaum einen bayerischen Herrscher ist mehr geschrieben worden als über den Kurfürsten Maximilian I., der seine Untertanen in seinem katholischen Übereifer streng an der Kandare hielt.

Der Kurfürst verbot alles, was heute als Folklore zelebriert wird

Er verbot alles, was den Menschen das Leben auch nur ansatzweise versüßt hätte: das Fensterln zum Beispiel, auch das Tanzen, das gemeinsame Bad von Männern und Frauen und darüber hinaus so ziemlich alles, was heute als bayerische Folklore zelebriert wird.

Dass dieser strenge Mann trotzdem so deutlich aus den Annalen der bayerischen Geschichte herausragt, liegt zum einen an seiner Persönlichkeit, zum anderen am Zeitalter, in dem er agierte. Maximilian I. lebte von 1573 bis 1651.

Seine folgenschweren Auftritte auf der europäischen Bühne fielen also in eine Epoche, die erfüllt war von Kriegen und Revolten, Glaubenskämpfen, von Ketzer- und Hexenverfolgungen, Hungersnöten und Pestepidemien. Das damalige Weltentheater kann es an Gewalt und Absurdität mit den Verwerfungen der Moderne jederzeit aufnehmen.

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Maximilians damalige Rolle ist in der Inschrift am Sarkophag in der Münchner Michaelskirche bündig komprimiert: "An Weisheit der Salomon seiner Zeit, durch militärische Erfolge, Frömmigkeit und Ruhm in aller Welt bekannt, führte er mit vier Königen Krieg und brachte die Kurwürde und die Oberpfalz wieder an Bayern zurück. Nach einem dreißigjährigen Krieg bemühte er sich um den Frieden in Deutschland und erreichte ihn auch."

Zweifellos spielte Bayern in der europäischen Politik niemals eine größere Rolle als unter ihm. Als eine der markantesten Herrschergestalten seiner Zeit hat Maximilian I. seinem Land zudem ein kulturelles Gepräge verpasst, das in seiner katholischen Färbung bis heute nachwirkt.

Maximilians überreiche Biografie in ein kleinformatiges Büchlein zu pressen, ist unmöglich. Schon deshalb, weil er eine enorme Menge an Akten hinterlassen hat, die noch immer nicht alle erschlossen sind. "Es ist noch mit mancher Überraschung zu rechnen", sagt der Historiker Marcus Junkelmann, der den neuen Band über den bayerischen Kurfürsten verfasst hat.

An Abhandlungen, Aufsätzen und Büchern über Maximilian I. mangelt es wahrlich nicht. Eine kompakte Übersicht mit wissenschaftlichem Fundament ist aber immer willkommen. Zumal, wenn zu erwarten ist, dass ein versierter Landeshistoriker wie Junkelmann neue Facetten ins Spiel bringt.

Der Autor erlag auch nicht der Versuchung, einen chronologischen Abriss zu erstellen. Vielmehr streute er in den knappen Text kleine aufschlussreiche Blöcke zu signifikanten Personen ein, ohne deren Zuarbeit Maximilian wirkungslos geblieben wäre. Spannend wird die Lektüre immer dann, wenn Maximilian und seine Zeitgenossen in Zitaten selber zu Wort kommen.

An der Spitze der Gegenreformation

Der Fürst war ja selber ein großer Förderer der Geschichtsschreibung. Der dritte Band der von ihm in Auftrag gegebenen Geschichte Bayerns, der sich ausschließlich mit seiner Regierungszeit beschäftigt, gilt Jahrhunderte danach immer noch als ein Grundlagenwerk.

Die Verteidigung des katholischen Glaubens hatte für Maximilian I. stets oberste Priorität. Deshalb stand Bayern am Beginn des Dreißigjährigen Kriegs an der Spitze der gegenreformatorischen Kräfte.

Die Umformung in einen totalen katholischen Staat verpasste dem Land nicht zuletzt jenes Gepräge, das noch heute das Bild des barocken Bayern begründet.

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1616 ließ Maximilian I. an der Münchner Residenz eine Marienstatue anbringen, wodurch er die Patrona Bavariae in den Rang einer Schutzherrin Bayerns erhob.

Schon das Erscheinungsbild des Herrschers, der sich stets im schlichten Feldharnisch darstellen ließ, demonstriert Härte und Strenge.

Den Verlauf des Dreißigjährigen Krieges beeinflusste er mehr, als es der Größe seines Landes eigentlich entsprach. Trotz des verheerenden Krieges schuf er ein reiches kulturelles Erbe, etwa die Münchner Residenz als größte Palastanlage im Reich. Überdies legte er eine Sammlung alter Meister von europäischem Rang an.

Spartanisch bis in den Tod

Maximilian I. setzte Maßstäbe in der Kunst wie in der Verwaltung, in der Diplomatie wie in der Kriegsführung. Vor allem aber verweist Junkelmann auf seine finanzpolitischen Erfolge. Schon als junger Herrscher gab Maximilian nicht mehr Geld aus, als er hatte.

Erstaunlich schnell gelang es ihm, den gänzlich überschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Er folgte auch selber spartanischen Vorgaben. Junkelmann zitiert aus Maximilians Testament, in dem er verfügte: "Mein Madensack soll man nit lang ob der erden lassen, noch viel grandeza und ceremonien, sondern die spesen auf die armen verwenden und kheinen pomp machen."

Marcus Junkelmann, Maximilian I. von Bayern. Der eiserne Kurfürst. Verlag Friedrich Pustet, 192 Seiten, 14,95 Euro

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