Bayern vergibt neue AuszeichnungDer Kulturpreis ist tot, es lebe der Kunstpreis

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Zerbinetta wird die Preisstatue für den brandneuen Bayerischen Kunstpreis. Noch steht die kleine Figur aus der Commedia dell'arte, entworfen von Bustelli, in reinem Weiß auf dem Tisch der Porzellanmaler in der Nymphenburger Manufaktur. Bald erhält sie ein blaues Kleid.
Zerbinetta wird die Preisstatue für den brandneuen Bayerischen Kunstpreis. Noch steht die kleine Figur aus der Commedia dell'arte, entworfen von Bustelli, in reinem Weiß auf dem Tisch der Porzellanmaler in der Nymphenburger Manufaktur. Bald erhält sie ein blaues Kleid. (Foto: Axel Koenig - StMWK)

In der Kategorie „Innovation“ wird das Bergson ausgezeichnet, für ihr „Kreatives Schaffen“ die Autorin Tanja Kinkel. Andere Preisträger sind bisher nicht bekannt. Dafür weiß man, wie die Dame heißt, die sie nach dem Festakt mit nach Hause nehmen.

Von Susanne Hermanski

Um der Verwirrung vorzubeugen: Den Kulturpreis Bayern gibt es nicht mehr. Jetzt gibt es den Bayerischen Kunstpreis. Und diesen in vollkommen neuen Kategorien. Der „Kulturpreis Bayern“, vormals „Kulturpreis Ostbayern“, wurde seit den späten Fünfzigerjahren vergeben, in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat und den Bayernwerken. Die Energieerzeuger waren dereinst (von 1921 bis 1994) ein Staatsunternehmen, sind danach aber privatisiert und ein Teil des E.ON-Konzerns geworden.

Künstler wie die Hip-Hop-Band Dicht & Ergreifend hatten 2023 an dieser Verquickung während der Preisverleihung erstmals Kritik geübt. Markus Blume, damals noch relativ frisch im Amt des Bayerischen Kunst- und Wissenschaftsministers, hat nun in diesem Jahr die Einrichtung eines ganz neuen Preises bekannt gegeben. Den vergibt der Freistaat selbst, und er heißt „Kunst“-Preis, bedenkt aber beileibe nicht nur die bildenden Künste.

Die einzelnen Preise werden quer durch die Genres vergeben – in den Kategorien „Kreatives Schaffen“, „Programm“, „Kulturbotschafter“, „Ausstellung“, „Stimme“, „Performance“, „Besonderer Ort“ und „Innovation“. Jeder dieser Preise ist mit 10 000 Euro dotiert, eine Jury aus Kulturschaffenden ermittelt die Preisträger. Hinzu kommt ein undotierter Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Dies hat Tradition in Bayerns Welt der Preise, auch bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises und des „Blauen Panthers“ für TV- und Streaming-Formate sowie des Bayerischen Buchpreises hat der Ministerpräsident je eine Carte Blanche. Die Preisverleihungen werden sämtlich vom Bayerischen Rundfunk übertragen, nun also auch der Bayerische Kunstpreis, der am 18. November 2025 erstmals verliehen und um 19 Uhr live im BR Channel in der ARD Mediathek übertragen wird. Am 20. November folgt zudem im BR-Fernsehen eine Ausstrahlung.

Der Festakt wird im Bergson Kunstkraftwerk stattfinden. Und an just dessen Team geht auch der erste Preis in der Kategorie „Innovation“, das gab Kunstminister Markus Blume an diesem Mittwoch bekannt: „Im ehemaligen Heizkraftwerk verschmelzen industrielle Vergangenheit, architektonische Innovation und künstlerische Vielfalt zu einem visionären Ort, der die Münchner Kulturszene elektrisiert“, sagte er.

Das Bergson Kunstkraftwerk vereint ein historisches Gebäude mit künstlerischer Avantgarde.
Das Bergson Kunstkraftwerk vereint ein historisches Gebäude mit künstlerischer Avantgarde. (Foto: Johannes Simon)

Das Bergson Kunstkraftwerk in München eröffnete im Jahr 2024 als rein privatwirtschaftlich getragenes Kulturzentrum. Ziel des Projekts ist es, einen offenen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem Kunst, Musik und Gastronomie miteinander verschmelzen und Kultur für ein breites Publikum erlebbar wird. Entstanden ist das Bergson in einem denkmalgeschützten Industriebau, der lange leer stand, jüngst umfassend saniert und durch moderne Neubauten erweitert worden ist.

Zum imposanten Gebäudekomplex gehören als Herz des Hauses ein Konzertsaal, der verschiedenste Akustik-Situationen mittels einer hochmodernen Lautsprecheranlage simulieren kann, sowie mehrere hauseigene Ensembles: ein Orchester, ein Chor, die Jazzrausch Bigband und neuerdings noch eine eigene Metalband. Neben Konzerten finden im Bergson auch Ausstellungen, Performances, Vorträge, Talk-Reihen und Events statt.

Die Bestsellerautorin Tanja Kinkel erhält den ersten Bayerischen Kunstpreis in der Kategorie „Kreatives Schaffen“.
Die Bestsellerautorin Tanja Kinkel erhält den ersten Bayerischen Kunstpreis in der Kategorie „Kreatives Schaffen“. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Eine weitere Preisträgerin des Bayerischen Kunstpreises ist bereits bekannt:  Tanja Kinkel wird in der Kategorie „Kreatives Schaffen“ als Erste geehrt. „Ihre Romane brechen Rekorde und ziehen Millionen in ihren Bann“, so die Jury-Begründung über die in Bamberg aufgewachsene und in München lebende Bestsellerautorin. Deren bisher 24 Romane wurden weltweit mehr als acht Millionen Mal verkauft.

Bekannt ist mittlerweile auch, was die vom Freistaat Geehrten neben der Preissumme noch mit nach Hause nehmen können: eine kleine Statue mit Namen Zerbinetta, gefertigt in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur. Auch damit reiht sich der Preis in die Riege der anderen großen Kulturpreise des Freistaats ein. Die Gewinner des Bayerischen Filmpreises etwa erhalten einen Harlekin aus derselben Serie von Nymphenburg Porzellan.

„Die Zerbinetta verkörpert alles, was Kunst bei uns im Freistaat lebendig hält, Humor, Herz und den Mut, eigene Wege zu gehen“, sagt Kunstminister Markus Blume zur Auswahl der Figur, der auch Richard Strauss in seiner Oper „Ariadne auf Naxos“ ein Denkmal gesetzt hat. Geschaffen hat sie bereits 1760 F.A. Bustelli für eine Reihe von Commedia dell’arte-Figuren. Fahrende Komödianten-Truppen begeisterten damals schon Adel wie Fußvolk mit ihren Künsten. Sicher hätten auch sie so manchen Preis verdient gehabt.

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