Penzberg

„Blau“ macht das Museum Penzberg – Sammlung Campendonk –, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen: Der Fokus der Sonderausstellung liegt auf dem Campendonk’schen Blau, für den Künstler die Farbe der Sehnsucht, aber auch der Bewegung nach innen in die Tiefe. Die Schau im Altbau ergänzt die Dauerausstellung, da sie das weithin unbekannte Spätwerk von Heinrich Campendonk ins Zentrum rückt.
Die Bildmotive greifen seine Lebenswelt auf – von den Bergen, Pferden und Kühen in Oberbayern bis hin zu Gänsen, Fischerbooten und Schiffen an den Küsten Belgiens und der Niederlande. Dort lebt er nach der Machtergreifung der Nazis im Exil. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstehen zahlreiche Gemälde, Hinterglasbilder, Aquarelle und Zeichnungen. Eine besondere Rarität ist das kornblumenblaue Schulheft, in dem Campendonk um 1924 seine Gedanken zur „Beweglichkeit der Farben“ festhält. Jeder Farbe schreibt er eine eigene Dynamik und Bewegungsrichtung zu, Schwarz und Weiß gelten ihm als unbeweglich.
Campendonk malt Blau. Bis 28. Juni 2026, Museum Penzberg, Sammlung Campendonk
Murnau

Die poetischen Bildtitel lassen sich nicht im Vorbeigehen konsumieren, sondern zwingen zum Innehalten und genauem Hinsehen. Wie sonst könnte man herausfinden, was Paul Klee im „Berg der Heiligen Katze“ oder in der „Rhythmie der Fenster und Tannen“ darstellt. Und worauf bezieht sich die „Schicksal-Stunde des Kaisers“? Ein Bild, das Klee zerschnitt und neu zusammensetzte, eine Technik, die er öfter verwendete. Hinreißend auch die „Raumfahrt“, ein Aquarell aus dem Jahr 1929: Klee entwirft eine Raumfähre als schwebende Plattform, bevölkert von kleinen geflügelten Wesen.
Die fabelhafte Ausstellung im Murnauer Schlossmuseum startet freilich mit dem Aquarell „Hammamet“, das Klee 1914 während der gemeinsamen Tunesien-Reise mit August Macke und Louis Moilliet malte. Eine Reise, die dem Künstler seinen berühmten Satz „Die Farbe hat mich“ entlockte. Die Auswahl der Werke beleuchtet nahezu jede Entwicklungsphase im Schaffen von Paul Klee. Dessen Bildern sind Gemälde von August Macke, Robert Delaunay, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter gegenübergestellt. Trotz aller Sympathie für den Blauen Reiter: Klees Freundschaft zu Marc war nicht frei von Konflikten. Dessen Kriegsbegeisterung konnte Klee nie nachvollziehen, daher wollte er Marc auch nie in Uniform sehen.
Paul Klee. Der Poet des Blauen Reiter. Bis 26. November 2028, Schlossmuseum Murnau
Kochel am See

Adolf Erbslöh (1881–1947) war ein ausgezeichneter Maler. Daran lässt die Ausstellung im Kochler Franz Marc Museum keinen Zweifel. Trotzdem sind seine Werke nur selten zu sehen. Daher sollte man sich die Chance nicht entgehen lassen, diesen Künstler und begnadeten Netzwerker der Moderne, wiederzuentdecken. Geboren in New York und aufgewachsen in der Nähe von Wuppertal studierte der wohlhabende Kaufmannssohn Kunst in München. Über Alexej von Jawlensky lernte er 1908 Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin kennen. Ein Jahr später gründet er mit ihnen die Neue Künstlervereinigung, ist erst deren Schriftführer und dann Vorsitzender, knüpft Kontakte zu Picasso und anderen europäischen Größen, organisiert uneigennützig Ausstellungsmöglichkeiten für seine Freunde.
Doch als Kandinsky, Münter, Marc und Werefkin nach einem inszenierten Eklat die Vereinigung im Streit verlassen und den Blauen Reiter gründen, bleibt er zurück, verpasst den Schritt in die Avantgarde. Dabei ist er mit seiner expressiven Lust an der Farbe, für ihn das strukturierende Element eines Bildes, gar nicht so weit entfernt von den Kollegen. Landschaften werden ihm zum künstlerischen Experimentierfeld. Den Ersten Weltkrieg übersteht er als Kriegsmaler, im Nationalsozialismus gilt seine Kunst als „entartet“. 1934 zieht er nach Irschenhausen im Isartal, stirbt dort 1947 im Alter von 66 Jahren.
Fantasie & Form. Adolf Erbslöhs Weg in die Moderne, 26. April bis 26. Juli 2026, Franz Marc Museum Kochel am See
Garmisch-Partenkirchen

Der Wohnort verbindet die Künstler Carl Ludwig Loreck (1898–1991), Rolf Cavael (1898–1979) und Hans Otto Buchner (1909–1972). Alle drei Maler lebten lang in Garmisch-Partenkirchen, wenn auch ihre Motive für die Wohnortwahl so unterschiedlich waren wie ihre künstlerischen Ansätze. Aber Constanze Werner, Leiterin des Museums Werdenfels, geht es in ihrer sehenswerten Ausstellung nicht nur um drei Lebenswege, sondern auch um „die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“. Sie versteht die Schau als Gelegenheit, um über Kunst und den Kunstbetrieb nachzudenken.
Der spannendste Künstler ist Rolf Cavael, nach dem Zeiten Weltkrieg einer der wichtigsten Vertreter der gegenstandslosen Malerei in Deutschland. Er zählt zu den wenigen Künstlern, die von Anfang an abstrakt malen. Seine Karriere startet vielversprechend. Doch er riskiert viel, als er 1932, auf einer Versammlung des „Kampfbundes für deutsche Kultur“ Joseph Goebbels öffentlich widerspricht. Daher belegen ihn die Nazis sofort nach der Machtergreifung mit einem Mal- und Ausstellungsverbot. Cavael muss Berlin verlassen und zieht sich für die nächsten 21 Jahre, künstlerisch völlig isoliert, nach Garmisch-Partenkirchen zurück.
Erst nach Kriegsende gelingt es ihm, wieder Anschluss zu finden. In krassem Gegensatz zu den ungegenständlichen Werken des späteren Mitbegründers der Künstlergruppe ZEN 49 steht die famose romantisch-lyrische Landschaftsmalerei von Carl Ludwig Loreck. Hans Otto Buchner dagegen wollte sich nie festlegen. Sein Stil variiert je nach Motiv und Kontext.
Kunst der unterschiedlichen Empfindungen – Drei Maler und ihr Publikum in den 1950er- und 1960er-Jahren, bis 7. Juni 2026, Museum Werdenfels
Tegernsee

Heinz Mack versteht seine Kunst auch als Opposition gegenüber der Hässlichkeit der Welt. Strahlend hell ist der Lichtraum, den der 95-jährige Künstler für die aktuelle „Zero“-Ausstellung im Tegernseer Olaf Gulbransson Museum konzipiert hat. Dass Mack trotz seines Alters noch künstlerisch aktiv ist, zeigen zwei Lichtreliefs aus dem Jahr 2025. Wie viele seiner Arbeiten lebt deren silbrig schimmernde Oberfläche von der flirrenden Lichtbrechung, die sich je nach Standpunkt des Betrachters ändert.
Auch die alten Arbeiten sind bestechend. Mack geht es immer darum, die Wahrnehmung zu steigern. Das galt schon in jener Zeit, als er mit Otto Piene 1958 die Düsseldorfer Zero-Bewegung ins Leben rief, wenig später stieß Günther Uecker dazu. Kunst von null weg machen, sie ganz neu denken, wollten Künstler nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in anderen europäischen Städten, zuvorderst in Paris, aber auch in Mailand und Brüssel. Yves Klein, Lucio Fontana und Piero Manzoni zählten zum Netzwerk. Die Ausstellung stellt nicht nur die genannten Künstler vor, sondern auch Frauen aus dem Zero-Umkreis. Eine davon ist heute weltberühmt: Die Japanerin Yayoi Kusama, die seit 80 Jahren die Welt mit Punkten überzieht.
Zero. Eine internationale Künstlerbewegung 1957–1966, bis 6. September, Olaf Gulbransson Museum Tegernsee
Schloss Herrenchiemsee

Der Titel der Ausstellung „Könnt ihr noch? – Kunst und Demokratie“ zitiert einen Song der Band Deichkind. Die Hamburger Formation beschreibt darin eine Gesellschaft auf Online-Speed, die von einem Schlagwort zum nächsten hastet. Wann sollte da Zeit sein, über die Grundwerte der Demokratie nachzudenken? Insofern passt es wunderbar, dass man den Ausstellungsort, Schloss Herrenchiemsee, nur mit dem Schiff erreicht. Zeit zum Atemholen, bevor man zur Kunst in den Nord-Flügel des Schlosses wandert. Der wurde nie ganz fertig gebaut und eignet sich mit seinem unverputzten Charme ausgezeichnet für die 50 Werke von unter anderem Max Beckmann, Joseph Beuys, Sheila Hicks, Anselm Kiefer, Ernst Ludwig Kirchner, Maria Lassnig, Inge Mahn, Gerhard Richter, Rosemarie Trockel oder Andy Warhol.
In zehn Kapiteln beleuchtet die Ausstellung, eine leicht veränderte Neuauflage der Schau des vergangenen Jahres, demokratische Grundwerte wie Freiheit, Selbstbestimmung oder die Würde des Menschen. Neu dazugekommen ist die Präsentation der Bildhauerin Paloma Varga Weisz im historischen Treppenhaus. Und es gibt noch einen Grund, warum die Ausstellung so gut hierher passt: Auf Herrenchiemsee fand im Sommer 1948 der Konvent stattfand, dessen Verfassungsentwurf zur Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wurde.
Königsklasse: Könnt ihr noch? – Kunst und Demokratie, 18. Mai bis 18. Oktober, Schloss Herrenchiemsee, www.pinakothek.de/de/kunst-und-demokratie

