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Kultur:Augsburg bekommt Mozart-Zentrum

Post Augsburg Grottenau

In bis zu elf Metern Höhe überspannt ein Glasdach die ehemalige Schalterhalle, die künftig als Konzertsaal genutzt wird.

(Foto: Stefan Puchner)
  • Die alte Oberpostdirektion in Augsburg wird in ein Mozart-Zentrum samt Konzertsaal umgewandelt.
  • Am "Zentrum für Musik und Musikpädagogik" sollen Musiklehrer, Instrumental- und Gesangspädagogen, Musiker und Musiktherapeuten ausgebildet werden.

Wo einst das Fräulein vom Amt von Hand Telefonate vermittelte, wird künftig klassische Musik zu hören sein. Die Stadt Augsburg verwandelt die alte Oberpostdirektion in ein Mozart-Zentrum samt Konzertsaal. In der Geburtsstadt von Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus Mozart, entsteht damit ein neuer kultureller Anziehungspunkt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Theaterquartier, das in den kommenden Jahren ebenfalls neu gestaltet wird.

Die ausgediente Oberpostdirektion an der Grottenau, am Rande der Altstadt, ist ein palastartiger, neubarocker Bau mit einer imposanten überglasten Halle, in der in den vergangenen Jahren eher profane Dinge abgewickelt wurden. Die Mitarbeiter von Post und Postbank bedienten ihre Kunden noch vor wenigen Wochen an Schaltern, die sich in dem 16 mal 17 Meter großen und elf Meter hohen Raum wie Spielzeuge ausnahmen.

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Inzwischen sind Post und Bank aus- und einige Meter weitergezogen in moderne, zweckmäßige Räume. Die frei gewordene Immobilie wird die Stadt Augsburg, die sie 2011 für elf Millionen Euro kaufte, zu einem Gutteil dem Leopold-Mozart-Zentrum zur Verfügung stellen.

Am "Zentrum für Musik und Musikpädagogik", das der philosophisch-sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Augsburg angegliedert ist, werden Musiklehrer, Instrumental- und Gesangspädagogen, Musiker und Musiktherapeuten ausgebildet. Bislang ist die Einrichtung in einem baufälligen Gebäude in der Altstadt untergebracht und verfügt über keinen Konzertsaal. Für die Aufführungen der Musikstudenten und Dozenten mussten jeweils Veranstaltungsorte gesucht werden.

Künftig stehen ihnen in der alten Post mit einer Nutzfläche von fast 14 000 Quadratmetern neben großzügigen Übungsräumen ein Orchesterprobensaal im obersten Stockwerk und in der ehemaligen Schalterhalle ein Konzertsaal für 155 Zuhörer zur Verfügung. Sachverständige haben dem Raum eine gute Akustik bescheinigt. Nach der Sanierung des Gebäudes, in das noch einmal rund 22 Millionen Euro investiert werden, kann der Saal voraussichtlich von 2020 an bespielt werden, wie Richard Goerlich, Sprecher der Stadt, berichtet.

Einen Teil der alten Post, die in den Jahren 1905/06 an Stelle des kleineren königlich-bayerischen Oberpostamtes errichtet wurde, wird die Stadt selbst nutzen. In zwei Stockwerken ziehen das Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie die Mitarbeiter der städtischen Verkehrsüberwachung ein.

Mammutprojekt kostet allein die Stadt gut 90 Millionen Euro

Damit sollen Teile der Verwaltung, die bislang in Mietobjekten an verschiedenen Örtlichkeiten in Augsburg untergebracht sind, zusammengezogen werden. Die zweite Bürgermeisterin Eva Weber, federführend für die Finanzen der Stadt zuständig, will damit auch Mietkosten einsparen.

Gemeinsam mit dem großen Theater der Stadt, das sich in unmittelbarer Nähe zur alten Post befindet, soll das Mozart-Zentrum das neue Kulturquartier in Augsburg bilden. Das Theater wird in den nächsten acht Jahren für 186 Millionen Euro grundlegend saniert und teils durch Neubauten für zusätzliche Probenräume und Werkstätten ersetzt.

Das Mammutprojekt kostet allein die Stadt gut 90 Millionen Euro, den etwas größeren Teil der Baukosten trägt der Freistaat. Baubeginn ist noch in diesem Jahr, wenn der Kampfmittelräumdienst, der das Areal derzeit nach Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg absucht, und die Archäologen, die den Untergrund im Sommer nach Bodendenkmälern erkunden, grünes Licht geben.

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