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Brand in Kulmbach:Parkhaus-Verbot für E- und Hybrid-Autos

Ladestation - Elektroauto

In vielen Parkhäusern gibt es sogar Ladestationen für E-Autos.

(Foto: dpa)

Nach einem Feuer hat die Stadt Kulmbach das Gebäude für diese Autotypen gesperrt. Liegt ja auf der Hand - nachdem es ein Verbrenner war, der brannte.

Glosse von Olaf Przybilla

Vor sechs Monaten hat's gebrannt in einem Kulmbacher Parkhaus. Ein VW Golf mit Verbrennungsmotor hatte Feuer gefangen, hernach musste die Garage mit Aufwand saniert werden. Nach der Wiedereröffnung hat die Stadt das Gebäude jetzt für bestimmte Autotypen gesperrt. Und nachdem es ein Verbrenner war, der brannte, liegt es ja auf der Hand, welche Modelle künftig nicht mehr rein dürfen ins Haus. Edmund Stoiber würde sagen: Weil das ja klar ist. Genau: E-Autos und Hybridfahrzeuge.

Das ist der Stoff für Shitstorms, über mangelnde Resonanz kann die Stadt gerade tatsächlich nicht klagen. "Jetzt weiß die Republik wenigstens, wo Schilda liegt", ist noch eine der konzilianteren Rückmeldungen, andere danken für die Mithilfe bei der Negativauswahl künftiger Erholungsreisen. Nach Technologieabsurdistan in Oberfranken, zu den Öko-Antipoden mit dem Schrullenhumor? Nö.

Angesichts all der gekübelten Häme muss man die Stadt fast schon bedauern - auch deren Sprecher, der immerhin Manns genug ist, Rückfragen mit fränkischer Verve zu parieren. Am meisten nerven ihn offenbar wohlmeinende Hinweise auf große Städte, wo sie E-Autos nicht wegen angeblicher Brandgefahr aus Tiefgaragen aussperren, sondern diese sogar mit Ladestationen ausschmücken. "Wir freuen uns, wenn München dieses Problem nicht hat", sagt der Stadtsprecher.

Aber das sei hier eben Kulmbach. Und erklärt habe man sich ja auch: Probleme mit brennenden Akkus könnten sich über Tage hinziehen, aufgrund niedriger Deckenhöhe könne man Autos nicht aus der Garage abtransportieren, ein Kranfahrzeug passe da nicht rein. Keiner behaupte, dass Verbrenner nicht auch Feuer fangen könnten, in Kulmbach aber seien brennende E-Autos gefährlicher - und natürlich hätten Großstadtfeuerwehren "ganz andere Möglichkeiten als wir".

Im Übrigen gebe es in Kulmbach viele alternative Parkplätze und in der Stadt stoße die Sperrung ohnehin auf mehr Verständnis als überörtlich. Was stimmen dürfte. Andererseits ist es ein Kulmbacher Unternehmer, der für Freitag eine geordnete Demo gegen die Sperrung angemeldet und eine Petition online gestellt hat. Eine seiner Forderungen: "Für die Weiterbildung unserer hervorragenden Kulmbacher Freiwilligen Feuerwehr!"

© SZ vom 04.03.2021/vewo, van
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