Süddeutsche Zeitung

Junge Wissenschaftler:Der Legoroboter aus Kronach

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Schülerinnen und Schüler des Frankenwald-Gymnasiums sind für ihre vollautomatische Erfindung ausgezeichnet worden. Dabei geht es um mehr als nur ein Spielzeug.

Von Viktoria Spinrad, Kronach

Er besteht aus mehr als 200 Lego-Teilen, fährt auf zwei Rädern, ist vollautomatisch und rattert wie ein Aufziehauto, wenn er Gas gibt: der Roboter, den Schüler des Frankenwald-Gymnasiums im oberfränkischen Kronach gebastelt haben. Und: Er kann an verschiedene Module andocken, piept, wenn er ausfällt, und trägt seinen eigenen Akku auf dem Rücken spazieren.

Über Monate hat eine Gruppe Schüler des naturwissenschaftlich orientierten Gymnasiums den rot-schwarzen Roboter zusammengesetzt. Die Tüftler sind zwischen zwölf und 16 Jahre alt. An diesem Januartag halten sie das handliche Gerät stolz in die Zoom-Kamera. Er ist ihr Champion für einen Wettbewerb, an dem die selbsternannten "Robo Freaks" teilnehmen. Die "First Lego League", ein weltweiter Wettbewerb des Spielzeugherstellers aus Dänemark, soll junge Menschen für Technik begeistern; hierzulande läuft das über den Verein "Hands on Technology".

"Transport", ist das Motto heuer. Dafür muss der Roboter einen Parcours überwinden, Container befördern, ein Frachtflugzeug entladen und sich in einen Lastwagen einhängen. Die erste Generalprobe hat ihr "Robby" bereits hinter sich: Zuletzt gewann er im regionalen Vorentscheid der "First Lego League" gegen sieben andere Teams, was die Schüler nun in ihrem Tüftelraum mit Pizza feiern.

Jonathan Hauck, 16, ist der Hauptprogrammierer der Crew. Mehr als 1000 Zeilen Code schrieb er im Laufe eines Vierteljahrs in der Programmiersprache Python, um den Roboter ins Rollen zu bringen. Anna Pfadenhauer, ebenfalls 16, erzählt, wie sich das Team des Wahlkurses Robotik extra in den Ferien traf, um weiter an seinem Champion zu basteln. Ihr Lehrer und Teamleiter ist Christian Pfadenhauer. Er sagt: "Der Teufel steckt im Detail."

Wie sehr, das wissen sie in Kronach. Die 16 000-Einwohner-Stadt am Fuße des Frankenwaldes lebt vom industriellen Mittelstand. Hier, an der Grenze zu Thüringen, werden Kunststoffteile und elektrische Bauteile für die Automobilindustrie gefertigt, Greifarmroboter für große Fabriken gebaut, die Zukunft des autonomen Fahrens mitgeprägt. Doch die Region leidet am "Brain Drain": viele junge Leute ziehen in größere Städte und kommen nicht mehr zurück.

Entsprechend groß sind auch am Gymnasium die Bemühungen, Synergien mit der lokalen Wirtschaft herzustellen. Bereits in der fünften Klasse gibt es Robotik-Kurse, wo die Kleinsten Bausteine zusammensetzen, um in die Welt des Programmierens einzutauchen. Es gibt ein schuleigenes Labor für moderne Technologien, mit 3-D-Drucker, Lötstationen, Plotter und T-Shirt- Presse sowie einer Werkstatt mit Sägen bis hin zu feinmechanischem Werkzeug. Schülern stehen Schnuppertage und Praktika in örtlichen Unternehmen offen. "Wir müssen der Jugend zeigen, dass es Alternativen gibt", sagt Pfadenhauer.

Unterstützt wird die Schule dabei von einem Netzwerk, das sich der Förderung von Naturwissenschaften und Technik verschrieben hat. "Mint EC" heißt der von der Wirtschaft gegründete und von der Kultusministerkonferenz geförderte Verein für Exzellenz in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das Frankenwald-Gymnasium ist eine von 61 Schulen in Bayern mit dem entsprechenden Label. Und immer wieder vorne mit dabei: Die Schüler gewinnen Physikwettbewerbe, wissenschaftliche Forschungs- und Fachpreise sowie Auszeichnungen für ihre digitale Schülerzeitung "1240".

Zurück in Kronach, wo ein kleiner Bub etwas in die Kamera hält. Es ist eine Auffahrrampe, mit deren Hilfe ein Lastwagen auf einen Zug aufgeladen werden soll. Die Tüftler haben sich ein Modulsystem ausgedacht, das die Logistik erleichtern soll, Waren von der Straße auf die Schiene zu bekommen: Mit Blick auf den Klimawandel ein hochaktuelles Thema, mit dem die Schüler im Forschungsteil des Wettbewerbs punkten konnten. Genau wie mit der "beeindruckenden Zusammenarbeit aller Teammitglieder", der "tollen Konstruktion des Roboters auf Grundlage eines Gabelstaplermoduls" und der "tollen Performance" des Roboters auf dem Spielfeld, wie es in der Begründung der Jury heißt.

Damit zufriedengeben wollen sich die "Robo Freaks" nicht. Ein paar Stellschrauben gebe es schon noch, deuten sie an. Zuviel verraten wollen sie aber nicht, schließlich geht der Wettbewerb noch weiter. Im Frühjahr treten die besten deutschen Roboter in Aachen gegeneinander an. Wer hat den besten Code geschrieben? Den Roboter am geschicktesten zusammengesetzt? Die beste Verkehrslösung entwickelt? Das wird sich dann entscheiden. "Da müssen wir nochmal 'ne Schippe drauflegen", sagt Jonathan. "Es gibt immer etwas zu verbessern", sagt Anna.

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