Kreuz-Beschluss:Was die bayerischen Unis vorhaben

Kompliziert ist die Lage auch an den acht staatlichen Universitäten: Unis haben Verwaltungsgebäude und Dienststellen. Nun herrscht Verwirrung: Es wurde ihnen doch lediglich empfohlen, Kreuze anzubringen? In Bamberg, Regensburg und Erlangen hängt man Vielfalt und Toleranz gegenüber allen Religionsgemeinschaften höher als Söders Edikt. Bayreuth nimmt es zur Kenntnis. "Außerdem steht im Erlass ja nicht, wie groß das Kreuz sein muss - über unserer Stempeluhr ist noch Platz", sagt einer. Offen zu spotten traut sich niemand. Auch die Unis wollen es sich nicht mit Söder verscherzen. In Augsburg und Passau beraten die Gremien lieber erst einmal gründlich. Die Stimmung sei unaufgeregt, versichert die Sprecherin der Uni Passau. Zwar fragen Studenten nach, aber Proteste wie in Regensburg gibt es nicht.

In der Oberpfalz haben Studenten um den Jungen Liberalen Tarek Carls eine Online-Petition gegen den Kreuzerlass initiiert. Gut 52 000 Menschen haben inzwischen unterzeichnet, und es werden noch mehr. An der Technischen Universität München sieht man den Erlass dagegen locker, die TU pflege ein "inniges Verhältnis" zu allen Religionen, sagt Sprecher Ulrich Marsch. "Wir hätten kein Problem damit, ein Kreuz im Eingangsbereich aufzuhängen." Und die Rechnung geht an die Staatskanzlei? "Rechnungen diskutieren wir überhaupt nicht. Wir bauen für 520 Millionen Euro eine neue Fakultät für Elektrotechnik, und dann schicken wir eine Rechnung über 15 Euro an die Staatskanzlei? Ich bitte Sie!"

Die meisten Behörden werden ähnlich wie das Statistische Landesamt in Fürth verfahren: Dort hat die Organisation für Beschaffung mehrere Kreuze zur Auswahl gestellt, die erweiterte Amtsleitung hat dann entschieden, welches im Eingangsbereich aufgehängt werden soll. Das wird voraussichtlich am 30. Mai der Fall sein, also am letzten Arbeitstag, bevor der Erlass gültig wird. Fein raus sind sie in anderen Behörden. Im Aschaffenburger Wasserwirtschaftsamt etwa muss man sich um nichts kümmern. Das Amt ist eingemietet beim Staatlichen Bauamt, also sind die zuständig fürs Aufhängen. Und "inhaltlich kommentieren wir das nicht", sagt ein Sprecher des Wasserwirtschaftsamts.

Einfacher ist auch die Situation in der Justiz. Weil Kreuze ohnehin in Gerichtssälen und Richterzimmern hängen, habe man "einen Bestand an Kreuzen", sagt Nürnbergs Gerichtssprecher Friedrich Weitner. Dieser werde ausgeschöpft für die diversen Dienstgebäude. Im denkmalgeschützten Haupteingang dagegen stehe eine "kostengünstige und optisch ansprechende Lösung" noch aus.

Egal, ob Empfehlung oder Verpflichtung - der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) hat in seiner Behörde offiziell herumfragen lassen, ob Kreuze vorhanden sind. Die Antwort lautete: "in Hülle und Fülle." Ob das auch im Eingangsbereich der Fall ist, da muss er selbst erst mal nachschauen. Aber genau das ist ein Grund, warum Meißner den Erlass gut findet. Das Kreuz werde wieder aktiv wahrgenommen, weil man darauf achte.

© SZ vom 24.05.2018 / ANGU, MEBI, PRZ, WIW/ebri
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