Kritik am Numerus clausus Hausärzte fordern Öffnung des Medizinstudiums

Medizinstudenten beim Üben. In Bayern werden junge Hausärzte auf dem Land dringend gesucht.

(Foto: DPA-SZ)

"Wichtiger als jede Eins in irgendeinem Schulfach ist Empathie": Der Bayerische Hausärzteverband will den Numerus clausus als alleiniges Zulassungskriterium zum Medizinstudium abschaffen.

Von Dietrich Mittler

Um einem drohenden Hausärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken, soll nach Vorstellung des Bayerischen Hausärzteverbandes künftig der Numerus clausus "als alleiniges Zulassungskriterium zum Medizinstudium" abgeschafft werden. "Viele junge Menschen würden gerne Medizin studieren und wären sehr engagierte und fähige Allgemeinmediziner, aber wir lassen sie nicht studieren", sagte Dieter Geis, der Vorsitzende des Verbandes, am Samstag auf dem Hausärztetag in Nürnberg.

Gerade der Beruf des Allgemeinmediziners habe etwas mit Berufung zu tun, betonte Geis. "Wichtiger als jede Eins in irgendeinem Schulfach ist Empathie", sagte er. Junge Hausärzte würden dringend gebraucht, weil in Bayern jeder vierte Kollege in absehbarer Zeit in Ruhestand gehe und keinen Nachfolger finde.

Wer für ein Medizinstudium nicht den nötigen Notenschnitt mitbringt, kann zwar bereits jetzt an mehr als zehn deutschen Universitäten einen Eingangstest für medizinische Studiengänge ablegen. Aber dem Hausärzteverband reicht das nicht aus. Das Auswahlverfahren für einen Studienplatz müsse neu geregelt werden. Aber das sei nur einer von vielen notwendigen Schritten, erklärte Geis. Medizinstudenten - heute in der Mehrzahl weiblich - sollten zudem im "Praktischen Jahr" länger als bislang in einer Hausarztpraxis tätig sein, forderte Geis.

Auch müsse intensiv über neue Arbeitsmodelle nachgedacht werden, durch die Ärztinnen und Ärzte Beruf und Familie in Einklang bringen können. Vielen von ihnen sei inzwischen das Risiko zu hoch, sich nach der Ausbildung als selbständiger Arzt niederzulassen. Medizinische Versorgungszentren, lange Zeit vom Hausärzteverband mit Argwohn betrachtet, seien hier eine Alternative - aber nur dann, wenn sie von Ärzten geführt werden und nicht von Investoren.

Außerdem müssten die Strafzahlungen abgeschafft werden, mit denen Ärzte bedacht werden, wenn sie ihr Arznei-, Hilfs- oder Heilmittelbudget signifikant überschreiten. Auch wenn das Argument der Kassen stimme, dass nur "bei einem Bruchteil der Regressverfahren" am Ende eine Strafe stehe, die Ärzte koste das Verfahren unnötig Kraft. "Die Kassen spielen hier mit der Existenzangst", sagte Geis. Und das schrecke den Nachwuchs ab.

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sicherte den Hausärzten in Nürnberg ihre weitere Unterstützung zu. Vieles sei inzwischen erreicht: Dank der Staatsregierung sei nun die Honorarobergrenze für Hausarztverträge gekippt. Zudem fördere Bayern die Niederlassung von Hausärzten auf dem Land mit 15,5 Millionen Euro. Huml sagte, sie strebe eine höhere Förderung an - doch dafür seien noch Gespräche mit dem Finanzminister nötig.