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Kritik am Kultusministerium:Lehrerverband fürchtet "personellen Notstand"

Einen Personalmangel besonderen Ausmaßes an Grund-, Mittel- und Förderschulen befürchtet der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband. Die Einstellungspolitik des Kultusministeriums sei gescheitert, ebenso wie die Bemühungen zur Nachwuchsgewinnung, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann am Mittwoch. "Die Hütte brennt" und der "personelle Notstand" treffe das System mit "voller Härte". Zwar räumte sie ein, dass am ersten Schultag alles "pronto" sein werde, aber im Laufe des Schuljahres ändere sich das. Der BLLV geht davon aus, dass im kommenden Schuljahr 500 Lehrerstellen unbesetzt bleiben. Bis 2030 gehe ein Drittel der Grundschullehrer in Pension, die Zahl der Studenten aber sinke. Fleischmann forderte schnelle Lösungen vom Ministerium und Antworten darauf, wie mehr Pädagogen gewonnen und unterstützt werden sollen.

Das Problem ist bekannt: Die Zahl der Schüler steigt, seit Jahren wird jeder Grund-, Mittel- und Förderschullehrer eingestellt, der die Mindestvoraussetzungen erfüllt. In den vergangenen Jahren sprangen Realschul- und Gymnasiallehrer ein, die an ihrer Schulart keinen Job bekamen und umschulten. Aber die Nachfrage lässt nach, offenbar hoffen angehende Gymnasiallehrer auf das neue G 9. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schlug am Mittwoch vor, die Stundentafel zu kürzen. BLLV-Präsidentin Fleischmann sieht dagegen mehr Geld als eine Lösung. Volksschullehrer verdienen weniger als Kollegen an Gymnasien und Realschulen.

SPD und FDP im Landtag sprangen den Verbänden bei. Margit Wild (SPD) forderte Prämien und Zulagen für Lehrer, Matthias Fischbach (FDP) plädierte für einen "Paradigmenwechsel" und Bezahlung nach Leistung etwa mit Erfolgsbonus für engagierte Lehrer. Schulminister Michael Piazolo (FW) störte sich an Fleischmanns drastischer Wortwahl. Die Unterrichtsversorgung sei gesichert und es sei normal, dass vor den Sommerferien noch Stellen offen sind, sagte er der SZ. Das Einstiegsgehalt sei leicht erhöht worden und im Ministerium gebe es längst Überlegungen, wie Lehrer gewonnen werden können. Eine Idee ist, erstmals Dolmetscher, Musikpädagogen oder Künstler an Volksschulen anzustellen und so Lehrer zu entlasten.

© SZ vom 25.07.2019 / angu

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