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Krise in der CSU:Die Josefi-Alternative

Parteikonvent der CSU

Ministerpräsident Horst Seehofer

(Foto: dpa)

So eine Parteikrise wird ja immer erst richtig ernst, wenn der Parteivorsitzende zurücktreten muss. Schlimmer noch: wenn der Chef zu einer anderen Partei wechselt. Das ist für die CSU derzeit nicht mehr völlig auszuschließen. Ein Blick auf Horst Seehofers Terminkalender liefert eindeutige Indizien.

So eine Parteikrise wird ja immer erst richtig ernst - das wissen alle Politiker von Washington über Warschau bis Wolfratshausen - wenn der Parteivorsitzende zurücktreten muss. Oder noch schlimmer: wenn der Chef zu einer anderen Partei wechselt. Diese Zuspitzung ist derzeit für die CSU nicht mehr völlig auszuschließen.

Ein Blick auf Horst Seehofers Terminkalender liefert eindeutige Indizien. Er tritt am Sonntag als Festredner bei einer Partei auf, die bald eine ernsthafte Konkurrenz werden könnte, wenn die christsozialen Familien-Aufstocker so weiter machen. Obendrein bahnt sich sogar ein Namenswechsel an. Schämt sich der Ministerpräsident für seine Parteikollegen dermaßen, dass er sich umbenennen will? Seehofer spricht am Muttertag jedenfalls im Festzelt der Königlich-Bayerischen-Josefspartei (KBJP), die im schwäbischen Kühbach nichts weniger als ihren "28. Weltparteitag" veranstaltet. Und wie es die Tradition der KBJP will, wird jedem Festredner feierlich der Zweitname Josef verliehen.

Das einzige Ziel der KBJP ist es, den Josefitag (19. März) wieder zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Im Parteiprogramm steht: "Sollte die Wiedereinführung des Josefitages am Widerstand Berlins oder Brüssels scheitern, so wird die Trennung Bayerns von Deutschland und Europa die unvermeidliche Forderung der KBJP sein." 6500 Mitglieder zählt die Partei - unter anderem in Australien, USA und Südkorea. Der Jahresbeitrag kostet einen Euro. Das klingt großzügig, aber die Statuten haben auch strenge Stellen: "Die Mitgliedschaft erlöscht durch: Nichtfeiern des Josefitages."

Wird nun also Horst Sepp Seehofer die CSU in ihrem Sumpf versinken lassen, sich der mindestens ebenso bodenständigen und traditionellen KBJP anschließen und mit ihr in eine königlich-bayerisch-josefinische Zukunft aufbrechen? Die Strategen der CSU werden betonen, dass der Termin schon Monate oder Jahre vor der aktuellen Krise ausgemacht worden sei. Und überhaupt haben ja schon ganz viele CSU-Granden bei der Josefs-Partei gesprochen. Zum Beispiel Erwin Josef Huber, Monika Josefine Hohlmeier und zuletzt Markus Josef Söder. Die CSU kann sich also beruhigt zurücklehnen. Ein bisschen zumindest.