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Kriminalstatistik:Zahl der Einbrüche in Bayern sinkt

Wohnungseinbruch

Oft schlimmer als der reine materielle Verlust ist für Einbruchsopfer das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein.

(Foto: Silas Stein/dpa)
  • 2014 wurden mit etwa 8200 die meisten Wohnungseinbrüche verzeichnet.
  • Seither sind die Zahlen rückläufig, und auch für das zweite Halbjahr 2017 hält der Trend an, wie das Innenministerium nun mitteilte.
  • Gründe dafür sind hohe Polizeipräsenz und mehr Fahndungsdruck, aber auch die Bürger rüsten immer mehr auf im Kampf gegen Einbrüche.

Von Johann Osel

Das Innenministerium rechnet für 2017 mit einem Rückgang der Wohnungseinbrüche in Bayern. Im ersten Halbjahr wurden mit 3617 Taten gut 14 Prozent weniger Fälle zur Kriminalstatistik gemeldet als im Vorjahreszeitraum, wie eine Zwischenbilanz vom Spätsommer zeigte. "Dieser Trend setzt sich auch im zweiten Halbjahr 2017 fort", teilte nun eine Sprecherin des Ministeriums auf SZ-Anfrage mit. Zuvor hatte die Deutsche Presse-Agentur den Chef des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, zitiert, wonach in diesem Jahr deutschlandweit die Zahl sinken dürfte.

Bereits 2016 sind diese Delikte laut Münch um 9,5 Prozent zurückgegangen, 2017 erwarte man erneut "einen spürbaren Rückgang" - es wäre das zweite Minus in Folge nach einem kontinuierlichen Anstieg über Jahre. In Bayern wäre ein Rückgang jetzt das dritte Sinken der Fallzahlen in Folge. Die Spitze hatte die Statistik 2014 erreicht, mit gut 8200 Taten im Freistaat. Im vergangenen Jahr waren es knapp 7500. Dennoch lag die Zahl der Einbrüche in den vergangenen beiden Jahren immer noch deutlich höher als 2013 und davor. Die Lage innerhalb Bayerns variiert zudem - so war 2016 gegen den Landestrend in München ein Plus von neun Prozent zu verzeichnen.

Das Einbruchsrisiko sei in Bayern zuletzt mit 58 Einbrüchen pro 100 000 Einwohner "deutschlandweit am niedrigsten", hieß es aus dem Haus von Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Dieser hatte schon bei der Halbjahresbilanz den Rückgang als "Ergebnis einer konsequenten Sicherheitspolitik" gewertet, es sei "kein Zufallsprodukt". Gründe sind laut Ministerium hohe polizeiliche Präsenz, auch durch Schleierfahndung, Zusammenarbeit mit anderen Bundes- und EU-Ländern, ein erhöhter Fahndungsdruck sowie teils eingesetzte innovative Software, die Täter- und Tatortmuster analysiert.

Nicht zu vernachlässigen dürfte darüber hinaus sein, dass immer mehr Bürger ihr Eigenheim schützen und mit Einbruchsschutz oder Alarmtechnik aufrüsten. Fast die Hälfte aller registrierten Taten bleibt im Versuchsstadium stecken. Laut Präventionsbeamten halten sich Einbrecher maximal wenige Minuten an Türen und Fenstern auf. Können sie nicht so leicht einsteigen, brechen sie ab.

Die Tatverdächtigen waren 2016 je zur Hälfte Deutsche und Ausländer - das zeigt, dass sowohl die berüchtigten osteuropäischen Banden als auch regionale Täter verantwortlich sind. Sorge bereitet die Aufklärungsquote bei Einbrüchen, zuletzt lag sie bei 18,9 Prozent. Tatnachweise samt Verurteilungen sind noch seltener - darunter leiden die Opfer; Experten zufolge kann man das Eindringen in den intimen Lebensbereich oft besser verarbeiten, wenn man den Täter zur Rechenschaft gezogen weiß. Kaum ein Delikt dürfte das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung derart berühren wie die Angst davor, in den eigenen vier Wänden Opfer von Kriminellen zu werden.

Im Frühjahr wird die offizielle polizeiliche Kriminalstatistik vorgestellt. In diesem Jahr hatte der Bericht, der 2016 abbildete, Aufsehen erregt, da sich Kriminalität durch die Flüchtlingskrise statistisch niedergeschlagen hatte. Zum Beispiel bei der Gewaltkriminalität - darunter fallen unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Raub oder schwere Körperverletzung - rückte die Gruppe der Migranten mit Flucht- und Asylbewerberhintergrund in den Fokus. Obwohl sie nur einen geringen einstelligen Prozentanteil an der Bevölkerung ausmacht, stellte diese Gruppe 20 Prozent aller Tatverdächtigen bei der Gewaltkriminalität. In mehr als der Hälfte der Fälle handelte es sich um Straftaten unter Zuwanderern.

© SZ vom 28.12.2017/imei
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