Kriminalfall Fall Peggy: BKA sieht keine Hinweise auf Verunreinigung der DNA-Probe

Auf einem Stofffetzen, der nahe Peggys Skelett gesichert wurde, sind Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Ein Fehler im Labor wird unwahrscheinlicher.

Die DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort von Peggys Leiche geben weiterhin Rätsel auf. Noch ist unklar, ob es einen Zusammenhang mit dem Tod des Mädchens gibt. Eine Verunreinigung oder Verwechslung im Labor ist nach derzeitigem Stand aber unwahrscheinlich, die Proben wurden an unterschiedlichen Orten untersucht. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei eine DNA-Spur von Böhnhardt gesichert worden, sagte auch der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, in Wiesbaden.

Die Rechtsmedizin der Uni Jena hatte zuvor Fehler am eigenen Institut ausgeschlossen. Im Juli seien ausschließlich Skelettreste des Mädchens untersucht worden, teilte das Uniklinikum mit. Die Spurensicherung am Fundort der toten Peggy in einem Waldstück in Südthüringen und die Untersuchung der dort gefundenen Spuren seien hingegen nicht von der Jenaer Rechtsmedizin durchgeführt worden, sondern in München. "Insofern ist eine etwaige zufällige Übertragung von DNA zwischen beiden Fällen durch das Institut ausgeschlossen", hieß es. Die Rechtsmedizin Jena hatte nach eigenen Angaben im November 2011 auch die Obduktion des Leichnams von Böhnhardt vorgenommen, nicht aber die Spurensicherung am ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach und die dort gesichteten Spuren.

Oberstaatsanwalt in Bayreuth will Verunreinigung nicht ausschließen

Die Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth will eine Verunreinigung der Probe allerdings noch nicht ausschließen. "Es gibt mehrere Möglichkeiten der Verunreinigung", sagte Herbert Potzel. Details nannte er nicht. Man wolle den Weg der Spur genau und sicher überprüfen. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte auf einer Pressekonferenz, es müsse als Erstes sichergestellt werden, dass es zu keiner Verunreinigung gekommen ist. Erst wenn das ausgeschlossen sei, müsse man ermitteln, ob und wo es Bezüge zwischen Peggys Umfeld und dem NSU-Trio gegeben habe."Da liegt sehr viel Arbeit vor uns", so Herrmann. Die Ermittlungen hat die Kriminalpolizei Oberfranken übernommen.

Die damals neunjährige Peggy war am 7. Mai 2001 im nordbayerischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Am 2. Juli dieses Jahres fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis - nur etwa 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens entfernt. Nach SZ-Informationen wurden die Spuren von Böhnhardt auf einem Stofffetzen entdeckt, der im Juli nahe den sterblichen Überreste des Mädchens gefunden worden war.

Fall Michèle Kiesewetter

Die Sorge um eine Verunreinigung hat auch mit dem NSU-Opfer Michèle Kiesewetter zu tun. In dem Fall der Polizistin in Heilbronn hatte ein verunreinigtes Wattestäbchen die Ermittler zunächst auf die falsche Fährte geführt. Jahrelang suchten die Polizisten eine Frau, deren DNA an vielen weiteren Tatorten aufgetaucht war. Erst spät stellte sich heraus, dass die Genspur von der Mitarbeiterin eines Verpackungsbetriebs für Wattestäbchen stammte - und der Mord an der Polizistin vom NSU begangen worden war.

Wattestäbchen, die lügen

In den USA haben falsche Haaranalysen zu Fehlurteilen und Hinrichtungen geführt. In Deutschland wäre so etwas nicht möglich. Oder doch? Erinnerungen an das "Phantom von Heilbronn". Von Joachim Käppner mehr ...