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Krimiautor Jörg Steinleitner:Steinleitner stichelt gerne

Da läuft man zum wunderschönen Bungalow, den Sep Ruf im Auftrag von Ludwig Erhard auf dem Ackerberg in Gmund hat bauen lassen und in dem in Steinleitners Buch der Holzinvestor wohnt, weshalb der Autor selbst wie ein Einbrecher im Garten herumgestrolcht sei, um die Details für den Einbruch seiner Kommissarin zu erfahren. Oder da sitzt man in der Klosterkirche in Tegernsee, in der Anne Loop krimitypisch der Beerdigung eines Opfers beiwohnt und blickt auf eine Inschrift auf der Kirchenbank, die auch im Buch auffällt: "Niederbronner Schwestern".

Wer die waren, weiß Steinleitner nicht, dass das, was im Buch beschrieben steht, aber so auch in der Realität da steht, da ist er sicher: "Ich habe eine gewisse Liebe zur Genauigkeit." Deshalb sei auch der Tegernsee als Schauplatz für ihn nicht willkürlich gewesen. Die Familie seiner Mutter stammte von hier, seine Urgroßmutter ist am See geboren, und bis vor Kurzem habe noch eine Großtante von ihm im Ort Tegernsee gewohnt, "dort drüben, in dem gelben Haus", erklärt er. Und hier auf dem Parkplatz, der direkt zum See hinunterführt, habe das Haus seiner Familie gestanden.

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Steinleitner mag diese Recherchen. Für seine Bücher verbringt er Zeit vor Ort, erfindet und findet "Leute, die einem diese Geschichten zugänglich machen", wie er es ausdrückt. Auch seinen persönlichen Bezug zu diesem See hat er ins Buch hineingeschrieben. In "Hirschkuss" wird einer der Toten auf dem Tegernseer Friedhof begraben. Im zehnten Grab in der dritten Reihe. Wenn man das in real abzählt, steht man vor einem Grabstein, der den Ort als das Familiengrab der Familie "Reiser" auszeichnet: Steinleitners Verwandtschaft.

Dennoch sind die Ortsbezeichnungen in "Hirschkuss" eher spärlich. Es ist von einem "Bergsee" die Rede, die Gemeinden werden nur ihren Himmelsrichtungen zugeordnet, nur ein paar kleine Hinweise bekommt der Leser, etwa die Namen der Berge oder der Almen. Steinleitner habe ein paar Probleme mit den Anwohnern gehabt. Ja, denn er stichelt gerne.

Zoo mit exotischen Hühnerarten

Und so ließ er einen ortsansässigen "Millionario" (der Lieblingsausdruck des Polizei-Dienststellenleiters Nonnenmacher für seine reiche Nachbarschaft) einen illegalen Hubschrauber-Landeplatz auf seinem Grundstück betreiben, "rein fiktiv", wie Steinleitner betont, bis er herausfand, dass diese Vorstellung gar nicht so fiktiv war. Deshalb ist der Ort nun in den letzten Anne-Loop-Krimis ein bisschen verklausuliert. Aber durchaus entschlüsselbar.

Und das ist im Falle der Hafner-Alm Fluch und Segen zugleich. Denn die, hinter Rottach-Egern den Berg hinauf gelegen, die ist nun überhaupt nicht mehr im Touri-Millionario-Chic. Die beherbergt etwas versteckt einen verrückten Zoo mit exotischen Hühnerarten, einem Wolfshund und allerhand anderen Tieren, die durch den Garten streifen, während man auf der Terrasse sitzt und in den Wald hineinblickt.

Erbaut vom Naturfilmer Otto Dix 1935, hatte der dort jahrelang ein Café betrieben. Das erfährt man auch in "Hirschkuss", auch, dass es dort ein Schnitzel gibt, unter dessen Panade sich eine Schicht Meerrettich verbirgt, was dem Fleisch eine "wildererhafte Schärfe" verleihe. Eine Schärfe, die dieses geschleckte Tal an manchen Stellen noch hat. Und die man in Steinleitners Krimis zu finden vermag.

Zur Person

Jörg Steinleitner ist 1971 in Immenstadt im Allgäu geboren, zog jedoch im Alter von vier Jahren mit seinen Eltern nach Paris. Die Familie kehrte 1980 ins Allgäu zurück, nach dem Abitur zog er zum Studium nach München. In ähnlichem Zick-Zack fand er zu seinem Schriftsteller-Beruf: Er studierte Deutsch und Geschichte fürs Lehramt, hängte ein Jura-Studium an und absolvierte die Journalistenschule der Donau-Universität in Krems bei Wien. Er arbeitete als Anwalt, Radiomoderator und Journalist, bevor er 1998 gemeinsam mit Matthias Edlinger seinen ersten Roman veröffentlichte. Mit dem Doku-Krimi "Der Fall Augustin Stiller", den er auch im SZ-Magazin veröffentlichte, klärte er 2007 auch den zugrunde liegenden realen Fall auf, 2010 erschien mit "Tegernseer Seilschaften" der erste Anne-Loop-Krimi. Gerade hat der in Riegsee lebende Familienvater gemeinsam mit seiner Tochter das Kinderbuch "Juni im Blauen Land" veröffentlicht. arga

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