Ob der Eindringling jetzt ein Bär oder eine Katze gewesen ist, das bleibt unklar. Sehr wahrscheinlich war es aber eh ein Affe. Denn das Alter des Tieres gibt der Polizeibericht aus Bad Wiessee mit etwa einem Jahr an. Man muss sich da jetzt auch nicht kirre machen lassen von den Jägern als vermeintlichen Fachleuten, die in ihrem seltsamen Jargon aus irgendwelchen Gründen die Männchen „Bären“, die Weibchen „Katzen“ und die Jungen „Affen“ nennen wollen. Das Tier unterliegt zwar dem Jagdrecht, ist aber ganzjährig geschont. Jäger waren außerdem gar keine beteiligt, sondern nur die Freiwillige Feuerwehr. Und das Tier war eben ein Murmeltier. Von einem Bären war überhaupt nie die Rede. Von einer Katze schon.
Die 60-jährige Frau (Altersangaben sind in Polizeiberichten unverzichtbar, bei Menschen wie Murmeltieren), diese 60-Jährige also hatte demnach zuerst ihre eigene oder eine fremde Katze in Verdacht, in ihrer Wohnung in Kreuth die Zimmerpflanzen umgeworfen zu haben. Am nächsten Tag hielt sie die Terrassentür laut Polizei geschlossen, und doch lagen die Töpfe wieder da. Ihre eigene Katze tue so etwas normalerweise nicht, berichtet die Polizei weiter, also habe sich die Frau wieder einen Tag später auf die Suche gemacht und hinter den Möbeln das Murmeltier entdeckt.
Murmeltiere sind Sympathieträger, wohl wegen ihres sechsmonatigen Winterschlafs. Überwintert wird das Tier in der Wohnung aber kaum haben, denn der Winterschlaf sollte schon einige Wochen vorbei sein. So viel zur Zeit. Was den Ort betrifft, so erstreckt sich die Gemeinde Kreuth nach eigenen Angaben von 725 Metern über dem Meeresspiegel am Ufer des Tegernsees bis auf 1862 Meter auf der Halserspitz in den Blaubergen.
Da oben wären Murmeltiere durchaus richtig, obwohl es ihnen als einstmaligen Bewohnern kalter Steppen sogar ganz droben in Bayerns Bergen langsam zu warm wird. Aber stattdessen runter ins Tal und dort auch noch in eine Erdgeschosswohnung ist auch kein Ausweg. Und dann noch das mit den Zimmerpflanzen.
Die Frau also verscheuchte das Tier, das nach einer Ehrenrunde durch die Küche weg zu sein schien. Am darauffolgenden Tag sei es aber wieder oder vielmehr immer noch da gewesen, schildert der Polizeibericht, der dann zum Feuerwehrbericht wird. Denn die hat das Tier dann eingefangen und ins Tierheim gebracht. Ein Ranger des Miesbacher Landratsamts hat es inzwischen in der Nähe der Murmeltier-Artgenossen an der Rotwand ausgesetzt, wie die Tegernseer Zeitung nun nachberichtet hat. Ob der Affe ein Bär oder eine Katze wird, hat demnach auch der Ranger nicht herausgefunden.


