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Kratzers Wortschatz:Wie dem Minister Sibler eine Ehr angetan wurde

Als ihn das Bayerische Cimbern-Kuratorium am Samstag zum Ehrenmitglied ernannte, bedankte er sich - in Gottsnam dreißge - mit dem schönen alten Wort "Gejzgod"

In Gottsnam dreißge

Kollege O. hat erzählt, sein Vater verwende gerne die Redensart "In Gottsnam dreißge". Wenn eine Aufgabe nicht mehr aufzuschieben ist, so unliebsam sie auch sein mag, dann seufzt man: "Ja dann pack ma's halt an, in Gottsnam dreißge." Das heißt: Es bleibt uns eh nix anderes übrig. Offen ist, warum hier ausgerechnet die Zahl 30 zur Anwendung kommt. Sie begegnet einem ab und zu im kirchlichen Brauchtum. Die Zeit zwischen dem 15. August (Mariä Himmelfahrt) und dem 8. September (Mariä Geburt) wird "Frauendreißiger" genannt, diese 30 Tage gelten seit jeher als ideale Zeit zum Kräutersammeln. Der 30. Tag wiederum spielte einst beim Totenbrauchtum eine Rolle. Am 30. Tag nach ihrer Beerdigung wurde noch einmal ein Seelengottesdienst für die Verstorbenen gehalten. Der Dialektologe Ludwig Zehetner vermutet bei "In Gottsnam dreißge" ein verstümmeltes Dreißigst, also im Sinne von endgültig, schließlich, endlich.

Gejzgod

Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) hat am Samstag die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Bayerischen Cimbern-Kuratoriums besucht. Das Kuratorium pflegt enge Kontakte zu den norditalienischen Sprachinseln der Zimbern, in denen noch alte bairische Mundarten gesprochen werden. Das Cimbern-Kuratorium freute sich so sehr über den Besuch des Ministers, dass es ihm am Ende seiner Rede prompt die Ehrenmitgliedschaft antrug. Das wiederum ließ Sibler erstrahlen, und er bedankte sich mit einer astreinen bairischen Formel: "Gejzgod, dass ma die Ehr odadds!" Das heißt: Vergeltsgott, dass ihr mir diese Ehre zuteil werden lässt." Es gab dafür großen Beifall von den bayerischen und italienischen Gästen. Die Dankesformel existierte einst als Vergeltsgott, Vergejzgod oder kurz Gejzgod (Vergelte es euch Gott). Der oder die Beschenkte erwiderte: "Sengsgod" oder "Gsengsgod" (Segne es Gott). Die moderne Gesellschaft kann solchen Formeln des gegenseitigen Respekts leider nichts mehr abgewinnen.